«Kletter-Kirche» in Innsbruck: Vom Sakralbau zur Boulderhalle
Wegen sinkender Besucherzahlen soll in Innsbruck eine denkmalgeschützte Pfarrkirche aus den 1960er-Jahren künftig neue Wege gehen: Das ehemalige Kirchenschiff wird zu einer Boulderhalle. Das unkonventionelle Konzept setzt dabei auf minimalinvasives Bauen.
Quelle: ATP architekten ingenieure
Visualisierung: Das Kirchen-Konzept folgt laut ATP dem Prinzip des minimalinvasiven Bauens. Die sakrale Atmosphäre im Inneren soll bewahrt bleiben und gleichzeitig ein moderner Ort für Sport, Begegnung und Stadtleben entstehen.
Die denkmalgeschützte Pfarrkirche Petrus Canisius in Innsbruck, entworfen vom Architekten Horst Parson, soll aufgrund von sinkenden Besucherzahlen eine neue, öffentliche Nutzung bekommen: Ein Teil des Sakralbaus wird künftig zur Boulderhalle, ergänzt durch einen Gastronomiebereich in einem südlichen Zubau.
Das unkonventionelle Kirchen-Konzept folge dem Prinzip des minimalinvasiven Bauens, heisst es in einer Pressemitteilung des für den Entwurf verantwortlich zeichnenden Büros ATP Architekten Ingenieure. Die sakrale Atmosphäre im Inneren soll bewahrt bleiben und gleichzeitig ein moderner Ort für Sport, Begegnung und Stadtleben entstehen.
Respektvoller Umgang mit Denkmal
Ziel sei es, den architektonisch und städtebaulich wertvollen Sakralbau im Innsbrucker Stadtteil Höttinger Au zu erhalten und durch behutsame Eingriffe in einen zeitgemässen Nutzungskontext zu überführen, heisst es weiter. Der denkmalgeschützte Bestand bleibt dabei in seiner Kubatur, räumlichen Wirkung und Materialität erhalten.
Konkret sind drei Massnahmen vorgesehen: die Ergänzung durch einen Zubau, eine Umnutzung des Kirchenraums sowie eine Neuordnung des Aussenraums. «Neue Elemente als zeitgenössische Ergänzungen sind klar ablesbar und treten nicht in Konkurrenz zur bestehenden sakralen Architektur», schreibt ATP zum Projekt.
Der Zubau entlang der Innpromenade ist auf die Kirche abgestimmt und fügt sich laut den Architekten in das Ensemble ein, ohne dabei gestalterisch zu dominieren. Dies durch ein «Plug-and-Play»-Prinzip, das an den Bestand andockt und bei Bedarf rückgebaut werden kann, ohne den ursprünglichen Zustand der Kirche zu verändern.
Quelle: ATP architekten ingenieure
Visualisierung: Der Zubau entlang der Innpromenade ist auf die Kirche abgestimmt und fügt sich in das Ensemble ein, ohne dabei gestalterisch zu dominieren.
Boulderhalle im ehemaligen Kirchenschiff
Die neue Rolle des Gebäudes wird bereits im Erdgeschoss erlebbar mit einem Foyer, das Gastronomie mit Küche, Bar und Gastraum, Shop sowie Nebenfunktionen verbindet. Im Untergeschoss liegt ein Kinderboulderbereich. Der Hauptboulderbereich im ehemaligen Kirchenschiff bildet den räumlichen Schwerpunkt.
Durch freistehend eingestellte Boulderwände wird die bestehende Raumstruktur respektiert, während gleichzeitig die Atmosphäre des sakralen Raums erhalten bleibt. Die Nutzflächen werden durch filigrane Galerien erweitert und dienen als Aufenthalts- und Zuschauerbereiche. Alle Ebenen werden zudem barrierefrei erschlossen.
Funktionale Trennung von Kirche und Klettern
Eine funktionale Trennung zwischen kirchlicher Nutzung mit Kapelle, Pfarrheim und Unterkirche sowie der neuen Nutzung mit Boulderhalle, Gastronomie und Shop ermöglicht laut ATP eine eigenständige Bespielung des Hauptschiffs, ohne das Ensemble als Ganzes zu verändern. Alle Eingriffe in den Bestand sowie die Planung des Zubaus erfolgten gemäss Mitteilung in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt.
Der Um- und Zubau schaffe die Voraussetzung, um neue Zielgruppen anzusprechen und sowohl das Gebäude selbst als auch den umliegenden Stadtteil nachhaltig zu beleben, so die Architekten. «Insbesondere die Öffnung zur Innpromenade mit Gastronomie, Terrasse und öffentlich zugänglichen WC-Anlagen birgt grosses Potenzial, um die Aufenthaltsqualität und das Freizeitangebot entlang des Inns zu steigern.»
Quelle: ATP architekten ingenieure
Der denkmalgeschützte Bestand bleibt in seiner Kubatur, räumlichen Wirkung und Materialität erhalten. Der Zubau folgt einem «Plug-and-Play»-Prinzip, das an den Bestand andockt und bei Bedarf rückgebaut werden kann.