Globus-Provisorium in Zürich wird zu «öffentlichem Ort»
Das Globusprovisorium am Zürcher Hauptbahnhof soll umfassend saniert und zu einem öffentlichen Ort umgestaltet werden. Der Stadtrat hat die Weiterentwicklung des Baus am Papierwerd-Areal beschlossen – ein Abriss ist damit definitiv vom Tisch.
Quelle: Matthias Gnehm
Illustration: Auf dem Dach des Baus soll eine öffentlich zugängliche, von aussen erschlossene Terrasse entstehen.
Das Gebäude an der Bahnhofbrücke zwischen Hauptbahnhof und
Central wurde 1961 als provisorischer Standort des Globus-Warenhauses
errichtet. Heute, über 60 Jahre später, entsprechen Tragwerk,
Erdbebensicherheit, Fassade, Haustechnik und Brandschutz nicht mehr den
aktuellen Anforderungen. 2018 präsentierte der Stadtrat noch Pläne für einen
Abbruch – diese sind nun aber vom Tisch.
Dabei hat das Gebäude eine bewegte Geschichte hinter sich:
1961 ursprünglich nur für acht Jahre geplant, bis das Warenhaus Globus in
seinen Hauptsitz wechseln sollte, erlangte es 1968 besondere Bekanntheit durch
die «Globuskrawalle». Jugendliche forderten damals ein Autonomes Zentrum im
Gebäude. Die Stadt Zürich hatte aber andere Pläne. Der Ärger entlud sich
daraufhin in einer Strassenschlacht.
«Das Gebäude gilt als schützenswert», sagte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) am Mittwoch vor den Medien. Ein Abriss käme nach Ansicht der Denkmalpflege nicht infrage. «Das Gebäude ist schweizweit bekannt und eckte immer wieder an», ergänzte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Der Stadtrat sei begeistert vom Projekt. Etwas nüchterner formulierte es Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne): «Der Vorschlag schnürt diverse Knoten auf und wird zu einer tollen Aufwertung beitragen». Auch wenn er nicht das «Ei des Kolumbus» sei.
Quelle: Matthias Gnehm
Illustration: Der Freiraum hinter dem Gebäude soll noch grösser werden.
Öffentliche Dachterrasse und Flächen für Stadtkultur
Im Zuge der Gesamtsanierung bleibt das Globusprovisorium
laut Stadt nun als «bedeutendes historisches Bauwerk» erhalten und wird als
öffentliches Haus neu ausgerichtet. Das neue Nutzungskonzept sieht eine
Verlegung des Detailhandels ins Untergeschoss vor. Die Erd- und Obergeschosse
werden zu flexiblen, öffentlichen Flächen für Stadtkultur, Bildung,
Veranstaltungen, temporäre Formate und Gastronomie umgebaut.
Die konkreten Nutzungen sind derzeit aber noch offen; sie
werden nun erarbeitet und dann öffentlich ausgeschrieben. Die Büros der
Stadtverwaltung im Gebäude ziehen an andere Standorte um. Weiter soll auf dem
Dach des Baus eine öffentlich zugängliche, von aussen erschlossene Terrasse
entstehen. Das Gebäude werde künftig eng mit dem neuen Freiraum am Mühlesteg
und der Limmat verknüpft, heisst es weiter.
Mit dem Projekt soll an der Limmat ein «öffentlicher Ort»
entstehen. Der Stadtrat rechnet mit Kosten von 78 Millionen Franken. Über
Mieteinnahmen werde sich der Bau über die Jahre refinanzieren. Bis 2035 soll
der Umbau fertig sein. 2028 erwartet der Stadtrat das Ergebnis des
Architekturwettbewerbs.
Mehr Platz für Velos und zum Verweilen
Der Freiraum hinter dem Gebäude soll noch grösser werden.
Bereits ist dort ein Park entstanden. Wie Tiefbauvorsteherin Simone Brander
(SP) ausführte, wird es einen besseren Zugang zur Limmat geben. Zudem wird der
Mühlesteg flussaufwärts verschoben und verbreitert – künftig sollen ihn auch
Velos überqueren können. In der weiteren Planung wird laut Stadt zudem die
Realisierung einer Velostation geprüft.
Als Nächstes entscheidet der Gemeinderat über einen Projektierungskredit von 7,2 Millionen. (pb/mgt/sda)
Quelle: Matthias Gnehm
Illustration: Ein Lichthof soll für mehr Licht im Innern sorgen. Grosse Schaufenster und markante Aussentreppen sollen zur Attraktivität beitragen.