11:06 BAUPROJEKTE

Natur- und Tierpark Goldau: Neue Voliere für die Eulen

Teaserbild-Quelle: Fotomontage Baublatt

Nach 15 Jahren ist die Eulenvoliere im Natur- und Tierpark Goldau im Kanton Schwyz an ihrem Lebensende angelangt und muss ersetzt werden. Der Neubau mitten im Bergsturzgebiet birgt zahlreiche Herausforderungen. Das gilt insbesondere für den Transport des Baumaterials quer durch den Park und die Statik der Stahlkonstruktion auf dem Schuttkegel.

Am Nylonnetz der Eulenvoliere im Natur- und Tierpark Goldau im Kanton Schwyz (siehe Box) müssen immer wieder Risse geflickt werden. Das gestaltet sich allerdings schwierig, denn es ist bereits 15 Jahre alt und damit an seinem Lebensende angelangt. Das Betreten ist inzwischen zu gefährlich. Als der Sturm Burglind im Januar über die Schweiz hinwegfegte, wurde die Eulenvoliere wie durch ein Wunder verschont. Wäre auch nur einer der rund 50 umgestürzten Bäume im Tierpark auf dem Netz gelandet, hätte es nicht mehr standgehalten. Deshalb soll die Anlage nun ersetzt – und neu von einem Chromstahlnetz – einem sogenannten Webnet – überspannt werden. Ausserdem wird die Voliere um rund 20 Prozent grösser.

Für den Neubau muss einerseits das Baumaterial quer durch den Park transportiert werden – eine knifflige Aufgabe, sind die Wege doch schmal und von vielen grossen Felsbrocken gesäumt, die der Goldauer Bergsturz im Jahr 1806 mit sich gebracht hatte. Die Chauffeure werden Millimeterarbeit leisten müssen. Andererseits muss der Statik besondere Beachtung geschenkt werden, denn der Tierpark steht auf dem Schuttkegel. Er ist zwischen 10 und 50 Meter hoch und besteht hauptsächlich aus ineinander verkeilten Felsen. „Wenn man eine Voliere auf ebenem Gelände baut, stellt die Stabilität kein Problem dar. Das Fundament für die Stützen, die das Netz tragen und unter Spannung halten, wird einfach in der Erde verankert“, erklärt Joe Michel, Leiter Bau und Infrastruktur sowie Projektleiter für die neue Voliere. Im Tierpark erhalten einige Stützen ihr eigenes Fundament. In dieses werden Mikropfähle einbetoniert, die wiederum mindestens drei Meter tief in geeignete Felsbrocken unter der Erdoberfläche getrieben werden müssen. Wegen der komplexen Statikberechnungen seien hier vor allem die Ingenieure gefordert. (mt)

Den ganzen Artikel lesen Sie im Baublatt Nr. 26 vom 29. Juni.

Der Natur- und Tierpark Goldau

1925 wurde der Natur- und Tierpark Goldau gegründet. Viele Einrichtungen entstanden damals durch Fronarbeit der Mitglieder des Natur- und Tierparkvereins Goldau. Auch heute noch ist der Park als Verein organisiert. Die Stiftung Natur- und Tierpark Goldau sichert seine langfristige Existenz und ist Eigentümerin der Liegenschaften.

Das Gelände wird von buntem Nagelfluhstein dominiert. Der Goldauer Bergsturz von 1806, auf dessen Schuttkegel der Park steht, hat eine Naturlandschaft von bizarrer Schönheit geformt. Insgesamt umfasst das Areal 34 Hektaren. Rund 100 hauptsächlich einheimische und europäische Tierarten leben hier. Ein grosses Freilaufgelände ermöglicht es den Besuchern, einige Tiere wie Sikahirsche oder Mufflons hautnah zu erleben, sie zu streicheln und zu füttern. Auch seltene Tierarten wie Bären, Wölfe oder Luchse gehören zum «Inventar». Ausserdem werden seltene Säugetiere und Vögel in Erhaltungsprogrammen gezüchtet, so etwa das Wisent oder der Waldrapp. Der Tierpark ist auch Teil des internationalen Erhaltungszuchtprogramms für Bartgeier. Als Mitglied der World Association of Zoos and Aquariums (Waza) verpflichtet er sich, sich lokal und überregional zu vernetzen und als Naturschutzzentrum um Umweltbildungsinstitution zu wirken. Letzteres zeigt sich beispielsweise durch die Zoopädagogen und Tierpark-Ranger, die Workshops für Schulklassen und Führungen für Schulklassen und Gruppen organisieren.

Meilensteine gab es bereits in den bescheidenen Anfängen: Im Mai 1926 schenkte der St. Galler Wildpark Peter und Paul dem Tierpark einen Steinbock und eine Steingeiss. Später kamen dann Rot-, Dam- und Sikahirsche dazu. 1999 fegte der Sturm «Lothar» über die Schweiz. Im Tierpark zerstörte er nicht nur 80 Prozent des Waldes, sondern richtete auch grosse Schäden an den Tieranlagen an. 2009 wurde eine Gemeinschaftsanlage für Wölfe und Bären eröffnet, 2014 folgte die Inbetriebnahme des Restaurants «Grüne Gans» und 2015 die Eröffnung der neugebauten Bartgeieranlage. Zwei weitere grosse Projekte kamen 2016 zum Abschluss: das Multifunktionale Gebäude (Mufu), das neben Futter- und tiermedizinischen Behandlungsräumen auch eine Pflege- und Quarantänestation beinhaltet, sowie der Aussichtsturm des Bündner Architekten Gion A. Caminada. Der vorläufig letzte Meilenstein ist der Sturm «Burglind», der das Land im Januar dieses Jahres heimsuchte. Zwar waren die Schäden bedeutend geringer als bei «Lothar», aber dank «Burglind» erfolgte der Startschuss zum Ersatz der Eulenvoliere.

Quellen: Wikipedia, www.tierpark.ch

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