Winterthurer Landwirte ergreifen Referendum gegen ARA-Ausbau
Gegen den Ausbau der Winterthurer Kläranlage formiert sich Widerstand: Landwirte haben das Referendum gegen das Projekt eingereicht. Sie kritisieren insbesondere die dafür geplante Abholzung. Der Abstimmungstermin steht noch nicht fest.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_FC24-8400-0291 / CC BY-SA 4.0
Die Abwasserreinigungsanlage Hard in Winterthur während des Ausbaus 1989. Die Anlage zählt zu den zehn grössten ARA in der Schweiz.
Ein Stück des angrenzenden Hardwalds muss für die neuen Vorklärbecken und Sandfänge weichen. Zum Ausgleich will die Stadt im angrenzenden Niederfeld aufforsten. Dabei handelt es sich jedoch um Fruchtfolgefläche, also fruchtbares Ackerland, das wiederum anderswo kompensiert werden muss.
Wie die Stadt Winterthur am Freitag mitteilte, wurden 604 gültige Unterschriften für das Referendum gegen den vom Stadtparlament verabschiedeten Gestaltungsplan zur ARA Hard eingereicht. Die Schwelle von 500 Unterschriften wurde damit erreicht. Der Stadtrat setzt den Abstimmungstermin zu einem späteren Zeitpunkt fest.
Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Winterthur reinigt jährlich rund 20 Milliarden Liter Abwasser von mehr als 140’000 Menschen und zählt zu den zehn grössten ARA in der Schweiz. Das Abwasser stammt von der Stadt Winterthur sowie von zwölf Gemeinden. Mittelfristig sollen weitere Gemeinden dazukommen.
Die Winterthurer Kläranlage gehört zu den rund hundert Anlagen in der Schweiz, die wegen ihrer Grösse vom Bund neu verpflichtet wurden, sogenannte Mikroverunreinigungen – in Form von Arzneimitteln, Hormonen und Kosmetika – mit einer neuen Reinigungsstufe herauszufiltern.
288 Millionen Franken für ARA-Ausbau
Der Winterthurer Stadtrat will die örtliche Kläranlage vor diesem Hintergrund für 288 Millionen Franken modernisieren und erweitern. Geplant ist ein neues Verfahren mit granulierter Aktivkohle (GAK). Im Westen der ARA wird dafür ein neues Gebäude für die GAK-Filtration erstellt und in einem Bestandsbau die Sandfiltration zu einer GAK-Filtration erweitert.
Zusätzlich zur neuen Reinigungsstufe muss die Kläranlage gemäss neuen kantonalen Bestimmungen künftig auch mehr Stickstoff eliminieren. Statt 50 Prozent sind es neu 70 Prozent. Dies wird durch eine Erneuerung der Biologiestufe erreicht: Einige Becken werden durch breitere, tiefere und leistungsfähigere ersetzt, andere werden saniert.
Nötig sind darüber hinaus auch eine bessere Notstromversorgung, damit die Kläranlage bei einem allfälligen Stromausfall weiterlaufen kann. Zudem sollen altersbedingt weitere Anlagen, Komponenten und Gebäude saniert, mehrere Photovoltaikanlagen installiert und Grünflächen auf dem Areal angelegt werden. (sda/pb/mgt)