11:10 BAUPROJEKTE

Kinderhort Hebel: Wie ein zweites Zuhause

Geschrieben von: Manuel Pestalozzi (mp)
Teaserbild-Quelle: nightnurse images, Zürich

Die Stadt St. Gallen will ihr Betreuungsangebot für Kinder verbessern. Im Quartier St. Georgen plant sie dafür eine permanente Raumerweiterung. Aus einem anonymen Wettbewerb im offenen Verfahren ging das Projekt «Louise» siegreich hervor. Das dreigeschossige Volumen passt sich gut in die Umgebung ein.

Das Quartier St. Georgen liegt auf einer Anhöhe südlich des Stadtzentrums von St. Gallen. Direkt hinter dem Kloster wird es mit einem historischen Schräglift durch die steile Schlucht der Steinach erschlossen. Die Strassen müssen weit ausholen zur Überwindung des Höhenunterschieds von zirca 100 Metern. Als Teil der Hügelgemeinde Tablat schloss sich der Weiler 1918 der Stadt an. Bereits zuvor wurde die Lage zu Industriezwecken genutzt. Deshalb entstanden verschiedene künstliche Weiher. Einst als Wasser- und Wasserkraftreservoirs angelegt, sind sie heute ein beliebtes Naherholungsziel.

Die vergangenen Jahrzehnte brachten St. Georgen einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs. Er setzt sich fort. So erwartet die Stadt in den kommenden fünf Jahren eine Zunahme schulpflichtiger Kinder. Zwar können die Schulhäuser Hebel beim historischen Ortskern und Bach etwas weiter talaufwärts Unterrichtsflächen anbieten, eine ausgebaute Betreuungsstruktur ist jedoch nur beschränkt vorhanden.

Diese will St. Gallen seinen Kindern nun bieten. Denn sie hat erkannt, dass qualitativ gute familienergänzende Betreuungsangebote die kindliche Entwicklung positiv beeinflussen und einen wichtigen Beitrag im Bereich der Gesundheitsförderung sowie der sozialen Integration leisten. Dabei denkt sie auch an berufstätige Eltern; für diese ist es zentral, ein finanziell tragbares sowie schul- und wohnortnahes Betreuungsangebot für ihre Kinder zur Verfügung zu haben.

Zusammen mit dem bestehenden Kindergarten fasst die Betreuungsstätte einen «Dorfplatz» ein, der gut an das allgemeine Wegnetz angeschlossen ist.

Quelle: nightnurse images, Zürich

Zusammen mit dem bestehenden Kindergarten fasst die Betreuungsstätte einen «Dorfplatz» ein, der gut an das allgemeine Wegnetz angeschlossen ist.

Vom Container ins permanente Haus

Aktuell stehen auf dem Areal der beiden Schulhäuser Hebel Containermodule, welche das Betreuungsangebot sicherstellen. Sie bieten Platz für 90 Mittagstisch-Plätze mit Aufenthaltsraum sowie einer Gastro-Küche. Die Stadt St.Gallen prüfte in einer internen Machbarkeitsstudie verschiedene Standorte im Quartier auf ihre Eignung für einen Neubau der Tagesbetreuung.

Der Entscheid fiel auf die Parzellen Gotthelfstrasse 11 und 13. Sie befinden sich in einer engen Kehre der Strasse, welche den nach Westen orientierte Hang über dem Ortskern erschliesst, und direkt zwischen dem Hebel-Schulhaus und der Hebel-Turnhalle. Die Nähe zur Turnhalle und der angrenzenden Spielwiese war ein wichtiges Argument für den Standort. In der Folge wurde ein anonymer Projektwettbewerb im offenen Verfahren ausgeschrieben, mit einem Wettbewerbsperimeter, auf dem sich neben einem hochwertigen Grünbestand die Turnhalle mit Kindergarten sowie ein ehemaliges Bauernhaus befinden.

Von den Projektteams wurde ein betrieblich, architektonisch und städtebaulich überzeugender Neubau für die Tagesbetreuung von 150 Kindergarten- und Schulkindern gefordert. Er musste es ermöglichen, dass an Spitzentagen alle gleichzeitig betreut werden können – mit einem exklusiven Flächenbedarf von vier Quadratmetern pro Kind. Verlangt wurde zudem, dass die Betreuung «in familiärer Atmosphäre angeboten werden kann». Fürjede der drei Horteinheitenwar ein separater Eingang sowie ein dazugehörender Aussenbereich einzuplanen. Die Hortgruppen waren wiederum in je drei Kleingruppen mit eigenem Essraum zu gliedern.

114 Projektteams wagten sich an diese Aufgabe und reichten ihre Entwürfe ein. Nach vier Wertungsrundgängen verblieben noch sieben. Fünf von ihnen kamen in die Ränge, mit der einstimmigen Empfehlung des Preisgerichts, das erstrangierte Projektteam der Eingabe «Louise» mit der Weiterbearbeitung zu beauftragen. Das Team setzte sich aus Schaub Zwicky Architekten GmbH, Zürich, Mettler Landschaftsarchitektur AG, Gossau SG, und dem Holzbaubüro Reusser GmbH, Winterthur,zusammen.

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