12:01 BAUPROJEKTE

Ein Herkulesprojekt für die Rettung eines Thermalbades in Rumänien

Teaserbild-Quelle: HerculaneProject

Die historischen Thermalbäder in Herkulesbad in Rumänien sind stark verfallen. Seit fast zehn Jahren laufen Bemühungen für ihre Rettung. Aber verstrittene Ämter verhinderten dies bislang. Architekturstudenten haben inzwischen selbst ein Renovationsprojekt gestartet.

Früher war es eine beliebte Entspannungs-Oase für grosse Persönlichkeiten wie den österreichisch-ungarischen Kaiser Franz Joseph I. oder Elisabeth, alias Sisi. Heute ist vom Glanz eines der einst berühmtesten Thermalbäder von Europa im rumänischen Băile Herculane (Deutsch: Herkulesbad) nicht mehr viel übrig. 

Die Anlage des Spa-Resorts, welches mitten im Banater Bergland zwischen dem Cerna- und Mehedinti-Gebirge auf beiden Seiten des Cerna-Flusses liegt, bietet durchwegs ein trauriges Bild. Die Dächer der einst prachtvollen Bauten sind von zahlreichen Löchern gezeichnet, in den eleganten Hallen der Bäder liegen Stein- und Holzbrocken und die Wände sind übersäht mit Rissen. 

2000 Jahre alte Thermalbäder 

Alles begann vor 2000 Jahren, als die Römer die Thermalquellen in der Region entdeckten. Nach der Errichtung zahlreicher Bäder wurde Herkulesbad später zu einem wichtigen Kurort in der Römerzeit. Der Legende nach soll einst gar Herkules selbst in den Thermalquellen gebadet haben. Daraus resultierte denn auch der Name der Stadt, welche nach dem griechisch-römischen Gott benannt ist. 

Nach dem Abzug der Römer waren die Herkulesbäder nacheinander unter ungarischer, osmanischer und österreichisch-ungarischer Herrschaft. Vor allem in Folge der Inbesitznahme des Banats durch Österreich-Ungarn um 1718 erlebte das Resort eine grosse Entwicklung. So wurden die Thermalbäder auf Geheiss eines Feldmarschalls restauriert und wiedereröffnet sowie neue Becken angelegt. 

Herkulesbad in Rumänien um 1824

Quelle: Gemeinfrei

Ein Bild des Zeichners Adolph Friedrich Kunike vermittelt einen Eindruck des Ortes, wie er um 1824 ausgesehen haben könnte.

Neptunbäder für das Kaiserpaar 

Während der Österreichischen Herrschaft liess man Ende des 19. Jahrhunderts in Herkulesbad mehrere imposante Kurgebäude nach Plänen des Wiener Architekten Carl Wilhelm Christian von Doderer (1825-1900) errichten. Diese säumen auch heute noch beide Seiten des Cerna-Flusses und werden an den Giebeln und Fassaden von Göttinnen wie der Venus, Hygieia oder Diana geschmückt. 

Für das Kaiserpaar und die Mitglieder des Hofes realisierte man zudem die separaten Neptunbäder, die auch heute noch ein Prunkstück des gesamten Resorts bilden. 1847 folgte anschliessend das heutige Wahrzeichen von Băile Herculane: Eine Herkulesstatue, erstellt durch die Wiener Künstler Romalmeyer und Glantz. 

Verfall eines einstigen Vorzeigekurortes 

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel die Kleinstadt durch den Vertrag von Trianon wieder an Rumänien. Seither wurden die Kuranlagen teilweise weiter ausgebaut. Nachdem man aber einige der Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Zeit und viele der Bäder privatisierte, folgte aufgrund von schlechter Verwaltung ein trauriger Verfall der geschichtsträchtigen Bauten. 

Zwar erfuhren einige immer mal wieder kleinere Renovationsarbeiten. Für den Erhalt der kulturellen Denkmäler reichte dies allerdings nicht aus. Wie viele andere rumänische Kurorte fielen so schliesslich auch die Herkulesbäder dem Zahn der Zeit zum Opfer. So ist der frühere Vorzeigekurort heute stark verfallen. Weite Teile der Anlage sind in so schlechtem Zustand, dass die Gebäude oder die über die Cerna führende Bogenbrücke heute nicht mehr ohne Gefahr betreten werden können. 

Gang eines Kurgebäudes in Herkulesbad

Quelle: HerculaneProject

Während der Österreichischen Herrschaft liess man in Herkulesbad mehrere imposante Kurgebäude nach Plänen des Wiener Architekten Carl Wilhelm Christian von Doderer errichten.

Streitereien unter Ämtern 

Im historischen Stadtzentrum sieht es ähnlich aus. Die einst majestätischen bis zu zwölf  Stockwerke zählenden Grosshotels Diana, Afrodita und Minerva, welche in der Blütezeit der Region über eigene Thermalwasserquellen verfügten, mussten den Betrieb aufgrund von jahrelanger Misswirtschaft aufgeben. Baden kann man in den Spas von Băile Herculane deshalb schon lange nicht mehr. 

Vor beinahe einem Jahrzehnt plante die rumänische Regierung zwar Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur der touristischen Anlagen in Băile Herculane. Die Modernisierungsarbeiten des Kurortes schreiten aber aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Ämtern nach wie vor sehr langsam voran. Denn die Stadt besitzt weder einen Raum- noch einen Bebauungsplan, was viel Platz für Interpretation bietet. 

Daneben gab es auch Unstimmigkeiten zwischen dem Bürgermeister von Herkulesbad und dem Besitzer der Grosshotels, wie die «Banater Zeitung» vor rund zehn Jahren berichtete. Letzterer verlangte für die Ruinen teilweise horrende Summen von 70 bis 80 Millionen Euro bei einem Aktien-Anteil von 60 Prozent. Da die höchsten Angebote bei 40 Millionen lagen, fand sich kein Käufer. 

Majolica-Brunnen in Herkulesbad

Quelle: HerculaneProject

Die Studenten haben den Majolica-Brunnen im Inneren der Neptunbäder vor dem weiteren Zerfall geschützt.

Architekturstudenten starten Renovationsprojekt 

Immerhin ein kleiner Lichtblick in der nun bereits Jahre andauernden Sanierungs-Geschichte dürfte ein Projekt sein, welches von Architekturstudenten ins Leben gerufen wurde. Mit dem «Herculane-Project» sollen die Strukturen und Bauten in Herkulesbad gerettet werden. Die Bemühungen der Gruppe aus freiwilligen Helfern lassen sich auf herculaneproject.ro nachlesen. 

Die Studenten nehmen dabei kein Blatt vor den Mund und erzählen von Missständen, die zum Verfall geführt hätten. Im Zuge ihrer Bemühungen ist dabei auch die Rede von gescheiterten Verhandlungen mit der lokalen Verwaltung und Investoren. Das Team hätte in den letzten Jahren bei Treffen mit Anwälten und Gouverneuren mehr über die Legislatur gelernt, als über Design. 

Über zwei Jahre lang beschäftigte sich die Gruppe mit der Entwicklung eines technischen Projekts zur Rettung der Thermalbäder. Sie überzeugten Spezialisten davon, sich ihrer Sache anzuschliessen und bewarben das Renovationsprojekt auf Socialmedia, um so viele junge Menschen wie möglich miteinzubeziehen. 

Noch während ihrer Bemühungen, die beteiligten Personen zu einer Renovation zu bewegen, stürzte ein Teil der Thermalbäder ein. Ab diesem Zeitpunkt war für die Studenten klar, dass sie das Zepter selbst in die Hand nehmen mussten. Die Gruppe wollte das Geld für die Renovation eigens aufbringen, um das Spa-Denkmal zu retten. Auch die Bauarbeiten wollten sie selbst übernehmen. 

Erste Bauarbeiten abgeschlossen 

Nach der Bekanntmachung ihrer Absichten folgte eine Welle der Solidarität: Über 2‘500 Personen unterstützten die Gruppe bei der Finanzierung. In nur drei Wochen konnten so 18‘000 Euro gesammelt werden. Von zwei privaten Sponsoren erhielten sie zusätzlich 40‘000 Euro. Damit war die Hälfte des benötigten Geldes von 103‘000 Euro für die Renovation bereits gesichert. 

Inzwischen sind die Bauarbeiten im Thermalbad gestartet. Die erste Etappe konnte im November 2019 erfolgreich abgeschlossen werden. Dabei wurden zwölf Bereiche auf den Dächern abgedichtet, das Gebäude grob saniert und rund 220 Kubikmeter Abfall und Müll aus den Innenräumen entfernt. Zudem wurden zwei Dachrahmen  verstärkt und vier Stockwerke von Moos und Schutt befreit. 

Auch der markante Majolica-Brunnen im Inneren der Neptunbäder schützten die Studenten vor dem weiteren Verfall. Weitere Elemente und Stützen, die eine wesentliche Gefahr darstellten wurden ausserdem im Inneren verwahrt und der Eingang zum Gebäude blockiert, um Vandalismus und Diebstahl vorzubeugen. 

Architekturstudenten in Herkulesbad

Quelle: HerculaneProject

Inzwischen haben Architekturstudenten das «HerculaneProject» ins Leben gerufen, um das Resort vor dem weiteren Verfall zu retten.

Weitere Spendengeber gesucht 

All diese temporären Arbeiten dienen laut der Gruppe jedoch nur dazu, um den weiteren Verfall der Anlage zu verhindern oder zu verlangsamen. Denn für die Fertigstellung der Bauarbeiten werden immer noch rund 50‘000 Euro benötigt. Davon sind 11‘000 bereits beisammen. Für die restliche Finanzierung sei man jedoch wieder auf Hilfe angewiesen. 

Für die Studenten ist das Vorhaben inzwischen zu einem Herzensprojekt geworden. Das sieht man nicht nur auf ihrer Webseite, sondern auch auf ihrem Instagram-Account, auf dem die Arbeiten stetig dokumentiert werden. Während die Ämter also weiterstreiten und der Besitzer weder einen Verkauf noch eine Renovation anstrebt, wird das kulturelle Erbe des Spa-Resorts zumindest für den Moment teilweise bewahrt und gesichert. Dank Studenten.

Spenden für das Renovationsprojekt unter: 
herculaneproject.ro/en/get-involved


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Redaktorin Baublatt

Zeichnet, schreibt und kreiert gerne. Themenbereiche: Bauprojekte sowohl international als auch regional, News aus Wissenschaft, Forschung, Technik und Design.

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© Jaredd Craig, unsplash.com

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