08:08 BAUPROJEKTE

Einblick in drei aktuelle Bauprojekte in der Flughafenregion Zürich

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaserbild-Quelle: Ben Kron

Die höchsten Wohntürme des Landes, eine Kläranlage mit einem für die Schweiz neuartigen Reinigungssystem und ein zukunftsweisender Energieverbund mit der Abwärme eines Rechenzentrums. – Ein Einblick in drei Baustellen in der Flughafenregion Zürich.

Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Kloten Opfikon

Quelle: Ben Kron

Die Abwasserreinigungsanlage Kloten Opfikon steckt mitten in einem auf sieben Jahre angesetzten, 98 Millionen Franken teuren Ausbau.

Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Kloten Opfikon

Quelle: Ben Kron

Beim Nereda-Verfahren wird das Abwasser nach der mechanischen Reinigung in grosse Reaktoren gepumpt. In diesen reinigen Mikroorganismen das Wasser und ersetzen herkömmliche Reinigungsstufen der Kläranlage, brauchen aber viel weniger Platz und Energie.

Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Kloten Opfikon

Die Abwasserreinigungsanlage Kloten Opfikon feiert heuer ihren sechzigsten Geburtstag. Doch ans Feiern denkt niemand, denn die Anlage, an welche die Städte Opfikon und Kloten sowie der Flughafen Zürich angeschlossen sind, steckt mitten in einem auf sieben Jahre angesetzten, 98 Millionen Franken teuren Ausbau.

Die Erweiterung war dringend nötig. Zwar war die ARA 1993 auf eine Kapazität von rund 54 000 sogenannte Einwohnerwerte ausgebaut worden. Gemeint sind damit die Anzahl Einwohner plus das lokale Gewerbe. Heute aber bewältigt die Anlage bereits das Abwasser von über 80 000 Einwohnerwerten. Die Einleitungsbedingungen für das abfliessende Wasser können deshalb nur mit viel Einsatz und auch Energie eingehalten werden.

Dazu sind rund um die Anlage immer wieder grosse Ausbauprojekte realisiert worden, etwa der Glattpark oder The Circle am Flughafen, und ein neues Gewässerschutzgesetz wurde erlassen: Das alles machte eine umfassende Sanierung und Erweiterung unumgänglich.

Mit dem Ausbau soll zugleich ein neues Zeitalter der Abwasserreinigung eingeläutet werden: Die ARA erhält die schweizweit erste biologische Reinigung im Nereda-Verfahren. Bei dieser revolutionären Abwasseraufbereitungstechnologie wird das Abwasser nach der mecha­nischen Reinigung nicht wie früher in Klärbecken gepumpt, sondern in grosse Reaktoren. In diesen reinigen Mikroorganismen das Wasser und ersetzen herkömmliche Reinigungsstufen der Kläranlage, brauchen aber viel weniger Platz und Energie.

Neben den Reaktoren für dieses neue, biologische Verfahren errichtet man auch ein neues Regenbecken, eine neue mechanische Reinigungsstufe mit Hebewerk, Rechen, Sandfang und Vorklärung, eine neue Schlammbehandlung, die Erweiterung der Filtrationsanlage und eine Halle rund um die Klärbecken, welche die Geruchsemissionen reduziert.

Die umfassenden Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis 2023. Dann wird die ARA auf 125 000 Einwohnerwerte ausgelegt sein. Und wir dürfen gespannt sein, wie lange angesichts des stetigen Wachstums diese Kapazität ausreichen wird.

www.klaeranlage.ch 


Baustelle Überbauung Three Point Dübendorf

Quelle: Ben Kron

Eine Wohn- und Gewerbeüberbauung mit zwei Gewerbebauten und drei Hochhäusern als Wohntürmen, zwischen 100 und 113 Meter hoch und damit die höchsten des ganzen Landes: Dies ist der Steckbrief des Projekts «Three Point» in Dübendorf.

Baustelle Überbauung Three Point Dübendorf

Quelle: Ben Kron

Die drei Hochhäuser umfassen 445 Wohnungen, 265 Kaufobjekte und 180 Business Apartments.

Wohn- und Gewerbeüberbauung «Three Point» in Dübendorf

Eine Wohn- und Gewerbeüberbauung mit zwei Gewerbebauten und drei Hochhäusern als Wohntürmen, zwischen 100 und 113 Meter hoch und damit die höchsten des ganzen Landes: Dies ist der Steckbrief des Projekts «Three Point» in Dübendorf.

Die Flughafenstadt erlebt zurzeit einen Bauboom, der vor allem das Quartier Hochbord komplett verändert. Das 36 Hektar grosse Areal war seit 1931 als Industriezone ausgeschieden. Doch Ende der 1990er-Jahre konnten die planungsrechtlichen Grundlagen für eine Umnutzung geschaffen werden: Das Quartier wurde teilweise in eine Zentrumszone umgewandelt und im kantonalen Richtplan als Zentrumsgebiet festgelegt; dazu regelt ein Quartierplan die Feinerschliessung und Parzellierung. So schafft man ein durchmischtes, urbanes Wohnquartier mit einem vielfältigen Nutzungsmix.

Auf dieser Basis wurden seither mehr als zehn grosse Bauprojekte bewilligt und realisiert, welche das Gesicht des Gebiets hinter dem Bahnhof Stettbach, an der Grenze zur Stadt Zürich, nachhaltig verändert haben. Es begann mit dem hundert Meter hohen, ovalen Jabee-Tower und findet seinen vorläufigen Höhepunkt in den Wohnhochhäusern von Three Point. 

Die drei Wohntürme haben bald ihre endgültige Höhe erreicht und gemäss Baustelleninfo sind die Arbeiten «planmässig unterwegs». Am Ende werden die drei Türme 445 Wohnungen umfassen, 265 Kaufobjekte und 180 Business-Apartments. Wobei die Wohnungen im rund 500 Millionen Franken teuren Projekt bereits alle verkauft sind. Voraussichtlich 2023 werden die Hochhäuser bezugsbereit sein.

Zu den Stockwerkseigentümern von Three Point gehört auch die Stadt Dübendorf selbst. Man hat in zwei der drei Türme Wohnungen auf vier Etagen erworben. Diese Räumlichkeiten sollen nun zu einem Schulhaus im Hochhaus umfunktioniert werden, inklusive Aussenraum für die Pausen. Wobei das Stimmvolk diese Umnutzung noch in einer Volksabstimmung wird gutheissen müssen. Denn eine öffentliche Schule in einem Hochhaus wäre seinerseits eine Schweizer Premiere.

www.3-point.ch


Neubau Rechenzentrum der Interxion in Glattbrugg/Rümlang ZH

Quelle: Ben Kron

Der Neubau des Rechenzentrums der Interxion in Glattbrugg/Rümlang ZH.

Grafik Energieverbund Airport City

Quelle: Interxion

Die Abwärme der drei Rechenzentren soll im Energieverbund «Airport City» genutzt werden.

Abwärme aus Rechenzentren für Energieverbund «Airport City»

Aktuell gibt es knapp hundert Datencenter in der Schweiz, und in den nächsten Jahren werden viele weitere dazukommen. Zu den weltweit grössten Anbietern gehört Interxion, das in Glattbrugg ZH gleich drei solcher Zentren betreibt, wobei ein 250 Millionen Franken teurer Neubau erst kürzlich fertiggestellt wurde. Das neue Rechenzentrum wurde mit einem Schwergewicht auf energiesparende und modulare Architektur konzipiert, verbraucht aber dennoch soviel Strom wie 48 000 Haushalte, wenngleich ausschliesslich grüner Strom zum Einsatz kommt.

Die Abwärme der drei Rechenzentren soll nun im Energieverbund «Airport City» genutzt werden, wofür Interxion mit der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) kooperiert, die viel Erfahrung mit dem Energiecontracting besitzt, und dem lokalen Energieversorger Energie Opfikon AG, der den Kontakt zu den Endkunden hat. Zusammen wird man zukünftig die Abwärme nutzen, um damit Wohn- und Industriegebäude mit Wärme und Kälte zu versorgen.

Die EBL wird auf dem Gelände der Interxion die Energiezentrale bauen und die Leitungen legen, wofür man 62 Millionen Franken investiert. Ist der fertig ausgebaute Energieverbund in Betrieb, spart er pro Jahr 15 000 Tonnen Kohlendioxyd, oder 5,6 Millionen Liter Heizöl ein. Oder 0,6 Prozent der Emissionen sämtlicher Gebäude des Kantons. Der neue Energieverbund entspricht auch dem verschärften Energiegesetz, das einen Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch klimaneutrale Systeme verlangt, um das kantonale CO2-Absenkungsziel von 40 Prozent zu erreichen.

Die Projektpartner wollen den Realisierungsentscheid im Laufe des Jahres fällen und danach die Detailplanung in Angriff nehmen. Die Anwerbung von Wärmekunden läuft bereits. Anfang 2024 soll der Baubeginn fürs Energiezentrum und die Netze starten und die ersten Lieferungen von Wärme bereits im darauffolgenden Winter erfolgen.

www.airportcity.ch


Sonderausgabe zur Flughafenregion Zürich

Die FRZ Flughafenregion Zürich veröffentlicht am 19. August 2022 gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. In Fachbeiträgen werden unter anderem laufende oder geplante Projekte vorgestellt und die aktuelle Situation der Region beleuchtet. Alle Beiträge des Hefts werden in unserem Dossier «Die Flughafenregion Zürich im Fokus» gesammelt.

Geschrieben von

Freier Mitarbeiter für das Baublatt.

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