16:19 BAUPROJEKTE

Der Zürcher Hochwasser-Entlastungsstollen in der Übersicht

Teaserbild-Quelle: Kanton Zürich

Beim Hochwasser-Entlastungsstollen Sihl-Zürichsee steht der letzte grosse Bauschritt an: Die Arbeiten am 90 Meter langen Auslaufkanal in den Zürichsee. Im ersten Quartal 2027 soll der Stollen betriebsbereit sein. - Eine kleine Übersicht mit Fakten zum Bauwerk: Wie viele Badewannen Wasser es umleiten kann und wie sich das auf den Pegel des Sees auswirkt - und mehr.

Baustelle Auslaufwerk im Zürichsee von Oben.

Quelle: Kanton Zürich

Die Baustelle des Auslaufbauwerks im Zürichsee. Die Bauarbeiten sind auf Kurs.

  • Ist der Bau des Entlastungsstollens im Zeitplan?
    Nicht ganz. Der Bau ist ein bisschen verspätet. Heute gehen die Verantwortlichen davon aus, dass er im ersten Quartal 2027 betriebsbereit sein wird. Ursprünglich war von Sommer 2026 die Rede. Die verhältnismässig geringe Verspätung sei unter anderem auf den Baugrund zurückzuführen, der nicht so gewesen sei wie erwartet, sagte Projektleiter Adrian Stucki am Dienstag bei einer Baustellenführung für Medienschaffende.
  • Welche Arbeiten stehen noch an?
    Nun beginnt der Bau des letzten grossen Bauteils, des acht Meter breiten und sechs Meter hohen Auslaufkanals, der 90 Meter in den Zürichsee hinausführt. Derzeit klafft am Ufer bei Thalwil eine grosse Lücke im Zürichsee, eine trockengelegte, rund zwölf Meter tiefe Baugrube für den Bau dieses Auslaufkanals. Dafür mussten fast 13 Millionen Liter Zürichseewasser aus einer erstellten Stahlkonstruktion gepumpt werden. Also das Volumen von rund fünf Olympia-Schwimmbecken, wie die Baudirektion umrechnete. Das Auslaufbauwerk sei das herausforderndste Teilprojekt des gesamten Entlastungsstollens, sagte Stucki. Beispielsweise kamen Taucher zum Einsatz oder es musste mit Beton gearbeitet werden, der unter Wasser aushärtet.
  • Wozu braucht es den Entlastungsstollen überhaupt?
    Der rund zwei Kilometer lange Hochwasser-Entlastungsstollen soll das Sihltal und die Stadt Zürich vor schweren Überschwemmungen schützen. Bei extremen Hochwassern soll er Hochwasserspitzen der Sihl von Langnau am Albis in den Zürichsee leiten. Bei Thalwil führt ein Betonkanal, der so genannte Auslaufkanal, in den See. Rund 90 Meter vom Seeufer entfernt und mindestens drei Meter und der Wasseroberfläche gelangt das abgeleitete Sihlwasser schliesslich in den Zürichsee.
  • Was war der Auslöser für den Bau?
    Das Hochwasser von 2005. Damals entging die Stadt Zürich nur knapp einer grossflächigen Überflutung der Innenstadt und des Hauptbahnhofs. Die damalige Lagebeurteilung zeigte, dass beim Schutz vor seltenen Hochwasserereignissen grosser Handlungsbedarf besteht. Im Mai 2021 genehmigte der Zürcher Kantonsrat einstimmig den Kredit für den Bau. Regierungsrat und Baudirektor Martin Neukom (Grüne) sagte bei der Baustellenbesichtigung: "Die Auswirkungen des Klimawandels drehen sich in den allermeisten Fällen ums Wasser. Entweder wir haben zu wenig oder zu viel." Gut, gebe es nun den Entlastungsstollen.
Im Innern des Auslaufbauwerks.

Quelle: Kanton Zürich

Blick ins Innere des Auslaufbauwerks oder vielmehr des Entlastungsstollens.


  • Was kostet das Projekt?
    175 Millionen Franken. Den grössten Teil der Kosten trägt der Kanton Zürich. Bund, Stadt Zürich, SBB und die Sihltal-Zürich-Uetlibergbahn beteiligen sich ebenfalls. Es sehe derzeit so aus, als reiche dieses Geld, sagte Neukom. Aber: "Man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben."
  • Wie häufig wird der Stollen zum Einsatz kommen?
    Nach heutigen Erkenntnissen etwa alle 10 bis 20 Jahre. Dabei geht es um Hochwasserereignisse, bei denen der Abfluss der Sihl eine kritische Marke erreicht.
  • Ab wann kommt der Stollen zum Zug?
    Ab einem Sihl-Abfluss von 250 Kubikmetern pro Sekunde fliesst Wasser in den Stollen. So soll verhindert werden, dass der Abfluss in der Sihl 300 Kubikmeter pro Sekunde übersteigt - ab dieser Marke wird es für das untere Sihltal und die Stadt Zürich kritisch. Ein Beispiel: Im August 2005 lag das Maximum bei 290 Kubikmetern pro Sekunde.
  • Wie viel Wasser kann der Stollen ableiten?
    Bis zu 330 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das sind 330'000 Liter oder über 1300 gefüllte Badewannen. Der Stollen ist auf ein Extremhochwasser mit bis zu 600 Kubikmetern pro Sekunde ausgelegt, wie es statistisch einmal in 500 Jahren vorkommt. Damit soll er das mit Abstand grösste Hochwasserrisiko im Kanton Zürich entschärfen. Denn bei solchen extremen Ereignissen könnten allein in der Zürcher Innenstadt Schäden in Milliardenhöhe entstehen.
  • Wie wirkt sich das abgeleitete Wasser auf den Zürichseepegel aus?
    Eine Untersuchung zeigte, dass selbst die Umleitung extremer Sihl-Hochwasserspitzen den Seepegel lediglich um wenige Zentimeter ansteigen lassen würde. Dieser Anstieg kann durch die geplante Erhöhung der Abflusskapazität der Limmat bei der Münster- und Rathausbrücke sowie durch eine bessere Steuerbarkeit des Platzspitzwehrs in Zürich ausgeglichen werden. (sda/mai)

Das Auslaufbauwerk des Hochwasser-Entlastungsstollens Sihl-Zürichsee, Kanton Zürich

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