Blick zurück: Warum die Zürcher Sihlhochstrasse im Nichts endet
Die Sihlhochstrasse sollte Teil einer Expressstrasse werden, die mitten durch Zürich führte – geformt wie ein Ypsilon. Gebaut wurde am Ende aber nur ein Teil davon. Ein Blogbeitrag des Astra erzählt, weshalb die Pläne aufgegeben wurden.
Quelle: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich
Eine Aufnahme von 1971 zeigt die Brückenpfeiler der späteren Sihlhochstrasse.
Die Sihlhochstrasse in Zürich war einst Teil eines viel grösseren Vorhabens: In den 1960er-Jahren plante der Bund eine Expressstrasse mitten durch die Stadt Zürich, die wegen ihrer Form «Ypsilon» genannt wurde. Sie hätte die Autobahnzubringer im Westen, Norden und Süden miteinander verbunden und damit die Stadt sowohl von Transit- wie auch von innerstädtischem Verkehr entlasten sollen.
Gebaut wurden am Ende nur einzelne Teilstücke, darunter die Sihlhochstrasse: Die 1250 Meter lange Brücke führt heute die A3 vom Stadtrand bei Brunau über die Sihl nach Zürich Wiedikon. Dort, wo sie hätte fortgeführt werden sollen, endet sie abrupt mit einer Begrenzungsmauer. Dieser Umstand führte in der Vergangenheit bereits zu schweren Unfällen.
Netzvollendung blieb aus
Warum der Rest des «Zürcher Ypsilon» nie realisiert worden ist, schildert ein interessanter Blogbeitrag des Bundesamts für Strassen (Astra). Der Bundesrat genehmigte das Projekt 1962. Vorgesehen war unter anderem ein Verkehrsdreieck im Letten, das die drei Zubringer zusammengeführt hätte. Realisiert wurden aber nur der Milchbucktunnel, die Sihlhochstrasse und die Autobahn bis zum Anschluss Hardturm.
Die Netzvollendung blieb aus. Dafür gibt es verschiedene Gründe: zum einen grossen politischen Widerstand, zum anderen aber auch die Einsicht, dass das Ypsilon den wachsenden Verkehr nicht langfristig gelöst hätte. Mit der Nordumfahrung (1985) und der Westumfahrung (2009) folgten daraufhin andere Ansätze. Anfang 2022 veranlasste der Bundesrat schliesslich dass das Ypsilons aus dem Nationalstrassennetz gestrichen wird.
Autotunnel wird zur Veloverbindung
Was vom Zürcher Ypsilon geblieben ist, ist der Stadttunnel beim Hauptbahnhof Zürich: Dieser wurde ab Ende der 80er-Jahre als Vorinvestition im Zuge des Baus der beiden unterirdischen Bahnhöfe Museumsstrasse und Löwenstrasse angelegt – und dient heute als 440 Meter lange Veloverbindung, die unter dem Hauptbahnhof von der Kasernenstrasse zum Sihlquai führt. (pb)
Den vollständigen Beitrag des Astra lesen Sie hier:
blog.astra.admin.ch/die-geschichte-hinter-dem-ypsilon
Quelle: Baugeschichtliches Archiv Stadt Zürich / Fotograf: Hussel Thomas
Blick auf die Sihlhochstrasse im Jahr 2003: Dort, wo sie hätte fortgeführt werden sollen, endet sie abrupt mit einer Begrenzungsmauer.