08:07 BAUPROJEKTE

Axpo plant Wasserstoff-Tankstelle bei Aarekraftwerk in Wildegg-Brugg

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaserbild-Quelle: zvg

Der Energiekonzern Axpo plant beim Aarekraftwerk in Wildegg-Brugg den Bau einer Wasserstoffproduktionsanlage. Der grüne Wasserstoff soll teilweise direkt über eine Leitung zu einer nahegelegenen Tankstelle geleitet werden. Den Betrieb aufnehmen soll die Anlage voraussichtlich im Frühjahr 2024.

Wasserstoffproduktionsanlage

Quelle: zvg

Die Anlage mit einer Leistung von rund 15 Megawatt (MW) wird jährlich mittels Elektrolyse rund 2000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren.

Grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen gilt als Pfeiler der Energiewende. Die Technik ist zwar ausgereift und erprobt, doch bisher fand sie im Bereich der Mobilität noch keine breite Anwendung. Denn mit der Nutzung dieser sauberen Energiequelle für die Mobilität handelt es sich um eine klassische Huhn-Ei-Problematik. Weil es in der Schweiz zu wenige Wasserstofftankstellen gibt, ist die Kundschaft zurückhaltend bei der Wahl von Fahrzeugen, die diesen Treibstoff nutzen. 

Erst wenn flächendeckend ein Tankstellennetz besteht, werden mit Wasserstoff betriebene Lastwagen und Autos gekauft, wird argumentiert. Oder es heisst dann: Erst wenn mehr Fahrzeuge mit dem grünen Treibstoff auf den Strassen unterwegs sind, steigt die Nachfrage, sodass mehr Tankstellen gebaut werden.

Energie für die Mobilität und Prozesswärme

Nun soll eine Wasserstoffproduktionsanlage in Wildegg-Brugg zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors beitragen. Der Strom für die Produktion von grünem Wasserstoff liefert vollumfänglich das Flusskraftwerk Wildegg-Brugg. Ein Teil des Wasserstoffs gelangt von dort über eine neue Leitung zu einer Tankstelle in der Nähe, wo der Wasserstoff privaten Nutzern in der Region zur Verfügung gestellt werden soll, was die Transportwege verkürzt. Ans Wasserkraftwerk wird sozusagen eine Wasserstofftankstelle angeschlossen.

Die Anlage mit einer Leistung von rund 15 Megawatt (MW) wird mittels Elektrolyse jährlich rund 2000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Damit können pro Jahr rund 300 Lastwagen oder Busse betrieben werden. Die in der Region Brugg tätige IBB Energie AG IBB plant zudem, die bei der Elektrolyse entstehende Abwärme über ein Leitungsnetz zu Industriebetrieben zu führen, wo sie als Prozesswärme genutzt wird.

Weitere Anlage in Eglisau-Glattfelden

Die Anlage in Wildegg-Brugg ist ein Kooperationsprojekt mit Beteiligung der Energieunternehmen Axpo, der IBB Energie AG und dem Energieversorger Voegtlin-Meyer sowie der Stadt Brugg. Für die Realisierung des Projekts, für das letzte Woche die Baueingabe erfolgte, wird mit Investitionen von 40 bis 50 Millionen Franken gerechnet.

Wasserstoffproduktionsanlage Investitionen

Quelle: zvg

Für die Realisierung des Projekts, für das letzte Woche die Baueingabe erfolgte, wird mit Investitionen von 40 bis 50 Millionen Franken gerechnet.

Ebenfalls grünen Wasserstoff produzieren will die Axpo beim Wasserkraftwerk Eglisau-Glattfelden. Die Anlage mit einer Leistung von 2,5 MW soll jährlich rund 350 Tonnen Wasserstoff liefern, was einem Äquivalent von über 1,5 Millionen Litern Diesel entspricht. Bei steigender Nachfrage kann die Produktion auf fünf Megawatt erweitert werden.

Produktions- und Entwicklungsprojekte auch im Ausland  

Die Axpo ist zu einem Viertel an der Swiss Green Gas International (SGGI) beteiligt. Das 2020 gegründete Gemeinschaftsunternehmen plant und realisiert in Nordeuropa Power-to-X-Anlagen, die aus erneuerbarem Strom Wasserstoff und synthetisches Methan, so genanntes grünes Gas, erzeugen.

Zum Aktionariat gehören laut Mitteilung neben der SGGI auch die Holdigaz, die vorab die Kantone Waadt, Wallis und Freiburg mit Gas versorgt, sowie die Nordur Group, eine Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft.

Zusammen mit dem Energie- und Automatisierungskonzern ABB plant die Axpo auch ein Entwicklungsprojekt in Italien, um die Technologien entlang der gesamten Lieferkette von grünem Wasserstoff zu erforschen und die Machbarkeit in der Produktion zu testen. Die Absichtserklärung umfasst auch die Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die von der Europäischen Union finanziert werden, sowie die Unterstützung bei Finanzierungen. (mgt/sts)

Geschrieben von

Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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