16:27 BAUPRAXIS

Wenn sich ihr Umfeld urbanisiert, verstädtern auch die Tiere

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Die Urbanisierung verändert das Sozialverhalten von Tieren, von der Partnerwahl bis zum Zusammenleben in Gruppen.  Das zeigt eine neue Übersichtsarbeit eines Forschungsteams der Universität Bielefeld. Die Ergebnisse sind relevant für Naturschutz und Stadtplanung, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Taube

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Tiere verändern sich bei zunehmender Urbanisierung.

Versiegelte Flächen, künstliches Licht und konstanter Lärm: Der Alltag der Menschen stellt Tiere vor enorme Herausforderungen. Wie tiefgreifend Städte das soziale Leben von Tieren tatsächlich verändern, zeigt eine internationale Studie; sie ist im Fachjournal Biological Reviews veröffentlicht worden. «Städte greifen massiv in soziale Beziehungen von Tieren ein – viel stärker, als bisher angenommen», sagt Avery L. Maune, Erstautorin der Studie und Forscherin an der deutschen Universität Bielefeld. Soziales Verhalten beeinflusse, ob Tiere sich fortpflanzen, Nahrung fänden oder Fressfeinden entkämen. Wie Maune ausführt, können Veränderungen dieser Verhaltensweisen weitreichende Folgen haben.

Für ihre Studie haben Maune und ihre Kollegen total 227  wissenschaftliche Arbeiten zum Thema untersucht. Das Ergebnis: Laut 92 Prozent der ausgewerteten Papiere hat die Urbanisierung einen deutlichen Einfluss auf das Sozialverhalten von Tieren – respektive den Interaktionen zwischen Inviduen. Die Studie sei die erste systematische Zusammenfassung dazu, wie urbane Lebensräume soziale Systeme über Artgrenzen hinweg beeinflussten, schreibt die Universität Bielefeld in ihrer Medienmitteilung.

Stressoren wie Kunstlicht bei Nacht oder Verkehrslärm

In Städten wirken sogenannte urbane Stressoren auf Tiere ein, oder vielmehr menschengemachte Belastungen wie Verkehrslärm, künstliches Licht des Nachts, fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder chemische Verschmutzung gemeint.  Sie können Kommunikation von Tieren untereinander verändern, wie aggressiv sie sich verhalten oder wie stabil ihre sozialen Gruppen sind. Besonders gut untersucht ist laut der Studie der Einfluss von Lärm, ,er kann zum Beispiel Gesang, Warnrufe oder Balzsignale überdecken. Hingegen sind andere Faktoren, wie Lichtverschmutzung oder neue Begegnungen zwischen Arten, bis anhin deutlich weniger erforscht.

Die Untersuchung von Maune und ihren Kollegen zeigt auch Forschungslücken auf: So konzentrieren sich rund 62 Prozent aller untersuchten Studien auf Vögel, während andere Tiergruppen wie Reptilien oder Insekten deutlich unterrepräsentiert sind. Dabei reagieren Arten je nach Lebensweise sehr unterschiedlich auf urbane Umgebungen: Während mobile Arten Städten ausweichen können, sind andere dauerhaft an sie gebunden.

Zudem zeigen die Forscherinnen und Wissenschaftler auf, dass Veränderungen im Sozialverhalten den Fortpflanzungserfolg direkt beeinflussen können. Neue Paarungsstrategien können entstehen, soziale Gruppen zerfallen oder werden instabil – Entwicklungen, die langfristig ganze Populationen gefährden können. «Unsere Ergebnisse sind nicht nur für die Biologie relevant», wird Letztautorin der Studie Isabel Damas-Moreira in der Medienmitteilung zitiert. «Sie liefern auch wichtige Folgerungen für Naturschutz und nachhaltig geplante Stadtentwicklung. Städte der Zukunft müssen Lebensräume sein, nicht nur für Menschen.» (mgt/mai)

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