Was es braucht, damit urbane Grünflächen zum Klimaschutz beitragen
Quelle: Silva Maier
Ein Stück Natur im Frühjahr im Botanischen Garten in Zürich, hier gedeihen Pflanzen, Sträucher und Bäume auf naturnahen Flächen.
Für die Untersuchungen haben Till Kleinebecker von der Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung und sein Team insgesamt 120 Grünflächen auf dem Campus der Universität systematisch unter die Lupe genommen: Sie analysierten dazu die Bodengesundheit der jeweiligen Flächen in unterschiedlichen Tiefen, mit Hilfe eines neu entwickelten Index’ aus physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften.
Es zeigte sich, dass der Boden weniger intensiv bewirtschafteter Grünflächen gesünder war und höhere CO₂-Vorräte aufweist, als Gebiete mit kurz geschnittenen Rasenflächen. «Die Bedeutung urbaner Grünflächen für den Klimaschutz ist bislang oft unterschätzt worden», kommentiert Kleinebecker die Forschungsresultate. «Dabei können Grünflächen als bedeutende Kohlenstoffsenken wirken.»
Vegetation und Nutzungsgeschichte beeinflussen die Speicherung von CO₂ im Boden
Gemäss der Studie beeinflussen unterschiedliche Faktoren die Speicherung von Kohlenstoff im Boden. Zum einen ist dies die Vegetation: Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern enthalten deutlich mehr organischen Bodenkohlenstoff als kurgeschnittene Rasenbereiche. Zum anderen kommt auch der Nutzungsgeschichte eine tragende Rolle zu: Der Grund einst weniger intensiv bearbeiteter Standorte – zum Beispiel solche mit ehemals naturnäherer Vegetation - lagert mehr Kohlenstoff. Und zuletzt wirkt sich auch die Bewirtschaftung auf die Speicherleistung des Bodens aus: Bodenschonende Pflege, natürliche Laubschichten und gut entwickelte Wurzelsysteme fördern die Bindung von CO₂.
Quelle: Grafik: Mojdeh Safaei
Kartierung der Bodengesundheit in den verschiedenen Campusbereichen der Justus-Liebig-Universität Giessen (JLU).
«Diese Studie liefert wichtige Impulse für die nachhaltige Gestaltung und Pflege der universitären Freiflächen ebenso wie für die städtische Grünflächenplanung in Giessen», sagt Mojdeh Safaei vom Institut für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung der JLU und Erstautorin der Studie. Durch «gezieltes Management, erhöhten Gehölzanteil und die Berücksichtigung der historischen Nutzung» können laut Safaei sowohl die Universität als auch die Stadt das Kohlenstoffspeicherpotenzial ihrer Grünflächen deutlich steigern.
Alle Grünflächen der Universität Giessen systematisch klassifiziert
Dies auch, weil die JLU im Raum Giessen eine der wichtigsten Flächeneigentümerinnen ist: Auf ihren Immobilien befinden sich zahlreiche unterschiedliche grosse unversiegelte Grünflächen. Im Rahmen der Studie sind sie nun allesamt systematisch erfasst worden: Für jede Einzelfläche registrierte das Forschungsteam die genaue Lage und Grösse, klassifizierte sie in verschiedenen Kategorien wie Gebäude, Bäume oder Grasflächen und hinterlegte die Daten schliesslich in einem interaktiven Geoinformationssystem. (mai/mgt)
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Die Studie ist in der Fachzeitschrift Urban Forestry & Urban Greening veröffentlicht worden: www.sciecnedirect.com
Weitere Informationen zum Projekt: www.uni-giessen.de