08:06 BAUPRAXIS

Schneeräumung auf Furka, Grimsel und Nufenen über den Berg

Teaserbild-Quelle: zvg

Nachdem letzte Woche der Grimselpass geöffnet werden konnte, sind die Schneeräumungen auch auf der Furka und dem Nufenen abgeschlossen. Räumungsequipen leisteten dafür in den letzten Wochen in einem hochalpinen Risikoperimeter Schwersteinsatz.

Grimselpass

Quelle: zvg

Seit letzten Freitag ist der Grimselpass wieder für den Verkehr geöffnet. Das ist spät im Vergleich zu anderen Jahren. Der Grund sind die extremen Wetterverhältnisse im Winter und im Frühjahr.

Wenn der Verkehr im Frühjahr jeweils wieder über die Alpenpässe rollen kann, säumen turmhohe Schneewände die schwarzgeräumten Strassen. Auch deshalb sind Passfahrten in dieser Jahreszeit beliebt. In diesen Tagen kommen beim Furka- sowie beim Nufenenpass die Bauarbeiten für die Öffnung der Strasse zum Abschluss. Nach dem strengen Winter dauert es in diesem Jahr länger als sonst üblich, bis die drei Pässe geöffnet werden können, denn es liegt noch überdurchschnittlich viel Schnee.

Die Organisatoren der Tour de Suisse mussten umdisponieren, weil der Nufenenpass nicht befahrbar war, auch der Furkapass kam als mögliche Alternative nicht in Frage. Dies, obwohl mehrere Schneeräumungsequipen seit Wochen auf den Passstrassen unter Hochdruck an der Arbeit sind.  

Planung laufend den Gegebenheiten anpassen

In der Regel sind auf Walliser Seite bei den drei Alpenpässen Furka, Grimsel und Nufenen zwischen 30 und 40 Mitarbeiter für die Schneeräumung im Einsatz. Geführt und angeleitet werden die Räumungsmannschaften von Mitarbeitern, die während des Jahres für den Strassenunterhalt zuständig sind. Sie kennen die Gegend genau und wissen aufgrund ihrer Erfahrung, worauf zu achten ist. Es sind jeweils eingespielte Teams, die am Werk sind.

Neben der Unbill der Natur ist die Schneeräumung von lokalen Gegebenheiten geprägt. «In jedem Jahr haben wir es mit Eigenheiten zu tun, die der Winter mit sich bringt. An einigen Stellen gibt es mehr Lawinenniedergänge als an anderen Orten. Jedes Jahr ändert sich die Situation, die wir analysieren und die Planung darauf ausrichten müssen. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung», sagt Strassenmeister Urs Wyer, der seit vier Jahren auf Seiten des Kantons Wallis die Schneeräumung bei den drei Gommer Pässen leitet.

Verwehungen mit Schneehöhen bis zu zehn Metern

Denn auf den Alpenpässen herrschen extreme Bedingungen. Starke Winde verfrachten den Schnee und türmen Verwehungen auf, die zwischen acht und zehn Meter hoch sein können. Allerdings beeinträchtigt die Schneehöhe die Dauer der Räumungsarbeiten nur unwesentlich. «Wenn zwei Meter mehr Schnee liegt, wird dies die Räumung allenfalls um ein oder zwei Tage verlängern», weiss Wyer aus Erfahrung. 

Entscheidend für Beginn und Fortschritt der Räumungsarbeiten sei die Natur. «Wenn die Schneeschmelze nicht einsetzt, können wir erst später anfangen», sagt Wyer. Kälteeinbrüche im Frühjahr verzögerten in diesem Jahr die Schneeschmelze. Doch auch wenn diese früh einsetze, sei jederzeit mit Temperaturstürzen zu rechnen. Spielt das Wetter mit wie im letzten Jahr mit hohen Temperaturen im April dauern die Schneeräumungsarbeiten in der Regel vier Wochen.

Schneemasse muss mehrmals bearbeitet werden

Zehn leistungsstarke Schneefräsen sind bei den drei Pässen jeweils im Einsatz, beim Furka- und Grimselpass sind es je drei. Beim Nufenen, mit 2480 Metern die höchstgelegene Passstrasse innerhalb der Schweiz, schleudern vier Maschinen die Schneemassen von der Strasse, wobei darauf geachtet werden muss, dass sie sich im teilweise engen Einsatzgebiet nicht gegenseitig behindern. 

Das zeigt sich am Nufenen, dem arbeitsintensivsten Pass, bei dem eine Strecke von 13 Kilometern geräumt werden muss. Im Bereich mit einer Reihe von Haarnadelkurven in steilem Gelände muss der Schnee jeweils auf den unteren Strassenabschnitt und von dort weitergeschleudert werden. Stellenweise muss der Schnee zwei- bis dreimal bearbeitet werden.

30 Kilometer Strasse schwarzräumen

Schicht für Schicht, die Rede ist dabei von Schnitten, wird der Schnee bis zum Niveau der Strasse abgetragen. Doch auch beim Fräsen sind die Gegebenheiten alljährlich unterschiedlich. Jederzeit ist mit Überraschungen zu rechnen, etwa wenn grössere Steine oder Baumstämme nach Schneerutschen und Lawinen in der Schneemasse eingeschlossen sind. Dann ist Fräsen nicht mehr möglich und ein Wechsel auf andere Räumungsgeräte erforderlich.

Hohe Schneewände entlang der Strecke müssen mit Spezialgeräten weggeräumt werden. Denn bei steigenden Temperaturen besteht die Gefahr, dass sie abbrechen und auf die Fahrbahn gelangen könnten. Solche Situationen treffen die Räumungsmannschaften bei allen Pässen an, etwa beim Grimselpass (2164 Meter über Meer), wo auf Walliser Seite sechs Kilometer freigeräumt werden müssen, beim Furkapass (2429 M. ü. M.) sind es von Gletsch bis zur Passhöhe rund 10 Kilometer. Gesamthaft umfasst die Schwarzräumung bei allen drei Pässen eine Länge von 30 Kilometern.

Normalerweise starten die Schneeräumungsarbeiten auf Walliser Seite Anfang Mai. Doch dieses Jahr war die Situation aussergewöhnlich. Zu Beginn des letzten Monats herrschte auf den Pässen noch Winter mit sehr tiefen Temperaturen, stellt Wyer fest. Die Hänge waren mit Schnee vollgeladen, sodass nach genauer Analyse der Beginn der Arbeiten aus Sicherheitsgründen verschoben werden musste. Eigentlich war der Start der Bauarbeiten auf Anfang Mai geplant, doch konnten diese aufgrund der Situation in diesem Jahr erst am 17. Mai aufgenommen werden.

Natur gibt den Takt vor

Für die Schneeräumungsequipen ist die Gefahr allgegenwärtig, dessen ist sich Strassenmeister Wyer stets bewusst. «Die Sicherheit der Mitarbeiter hat oberste Priorität», betont Wyer. Da spiele es eine untergeordnete Rolle, ob ein Pass ein oder zwei Tage später geöffnet werden könne. In diesen hochalpinen Regionen gibt die Natur den Takt vor. 

«Sicherheit braucht Zeit, denn die Natur diktiert den Fortschritt der Arbeiten. Wir müssen mit der Natur arbeiten und dürfen uns trotz der Gerätschaften nicht zu mächtig fühlen», sagt Wyer. Zwar bestehe bei den Schneeräumungsarbeiten ein Restrisiko, doch lasse sich dieses aufgrund genauer Analysen minimieren. Die Lawinengefahr bedingt eine intensive Beobachtung der Schneesituation.


Auf über 2000 Meter kann jederzeit Schnee fallen, der sich aufgrund der Temperaturwechsel aber nur schlecht mit dem Untergrund verbinden kann, was die Gefahr von Schneerutschen erhöht. Ein Sicherheitsbeauftragter, der ständig im Funkkontakt mit der Räumungsequipe steht, schätzt aufgrund der Wetterverhältnisse jeweils die Lage ein und kann aus Sicherheitsgründen den Unterbruch der Arbeiten in der potenziellen Gefahrenzone anordnen.

Alle Arbeiter sind mit Lawinensuchgerät ausgerüstet und über Funk verbunden. Die Räumungsequipen sind jeweils ab fünf Uhr in der Früh im Einsatz, der dann häufig nur bis in den frühen Nachmittag dauern kann. Dann wird es oft zu warm und das Lawinenrisiko steigt.

Felsen sichern und Leitplanken montieren

Potenzielle Gefahrenquellen sind auch Felspartien, die der Erosion ausgesetzt sind. Felsbrocken, die im Winter vom Eis abgesprengt werden, können bei der Schneeschmelze auf die Fahrbahn donnern. Geologische Abklärungen eines spezialisierten Sicherheitsbeauftragten umfassen daher das Gelände im gesamten Perimeter der Strasse. Mit Felsräumungen wird die Gefahr gebannt. Danach müssen kilometerweise Leitplanken wieder installiert werden. Vor dem Wintereinbruch müssen diese an exponierten Stellen abmontiert werden, da Lawinen die Rückhaltesysteme zerstören könnten.

Wöchentlich tauscht sich Wyer mit Strassenmeistern der Nachbarkantone über den Stand der Arbeiten sowie über das Wetter aus. Gemeinsam legen sie dann das Öffnungsdatum fest. Letzten Freitag wurde der Grimselpass für den Verkehr freigegeben. Der Nufenen ist seit gestern geöffnet, der Furkapass wird heute Freitag freigegeben.

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Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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