11:09 BAUPRAXIS

Radlader in der Kiesgrube: Zwei Kraftprotze im Vergleich

Teaserbild-Quelle: Claudia Bertoldi

Zwei Radlader, den Caterpillar 988K XE und einen Volvo L350H, setzen die Eberhard Unternehmungen in der Weiacher Kies AG zum Abbau von Kies und zur LKW-Beladung ein. Ein Jahr haben die Baumaschinenführer die beiden Kraftprotze auf Herz und Nieren getestet.

Seit 1957 wird in Weiach im Kanton Zürich, direkt an der Grenze zu Deutschland, Kies abgebaut. Seit 2009 ist die Weiacher Kies AG in Besitz der Eberhard Unternehmungen. Seitdem wurde nicht nur in die Infrastrukturen und technischen Anlagen investiert, auch der Fahrzeugpark wird regelmässig überholt und erneuert. 

Im Jahr 2018 wurde einer der beiden Volvo L350F-Radlader durch ein neues Modell der H-Reihe ersetzt. Ein Jahr später, im Frühjahr 2019, ging ein Caterpillar 988K XE-Radlader mit einem kraftstoffsparenden dieselelektrischen Antrieb in den Einsatz. Ein Jahr lang wurden die beiden Radlader nun bei ihrem Einsatz in der Kiesgrube überwacht und dabei alle technische Daten, der Verbrauch sowie das Einsatzverhalten verglichen.

Im Dauereinsatz

Die Maschinen sind von früh bis spät im Dauereinsatz. Während der Visite des Baublatts vor Ort ist der Cat für die Beladung der LKW und Dumper an verschiedenen Stellen des Werksgeländes unterwegs, der Volvo arbeitet am Grubenrand und befördert Material in die Tiefe. Der Cat 988K XE hat ein Einsatzgewicht von 58 Tonnen. Die Vergleichsmaschine, der Volvo L350H, weist 52 Tonnen auf. Per Ende Februar 2020 hatte der Cat-Radlader nach gut einem Jahr Einsatz insgesamt 1800 Betriebsstunden, der Volvo-Radlader 3700 Betriebsstunden absolviert.

Beide Maschinen sind zugeteilt, das heisst zwei Maschinenführer bedienen bevorzugt die Radlader. Wechselnde und parallel stattfindende Arbeitsaufgaben erfordern allerdings auch den Einsatz von zwei weiteren Maschinisten. Alle kennen inzwischen die technischen Details, Arbeitsqualitäten und fahrtechnischen Vorteile der Maschinen aufs Genauste. 

Die beiden Radlader werden im Kieswerk Weiach für identische Arbeiten eingesetzt, somit ist auch ein direkter Vergleich möglich. Sie arbeiten sowohl für den Abbau des Materials an der Grubenwand als auch für den anschliessenden Transport zum Aufgabebunker am Förderband oder helfen bei der Beladung der LKW und Dumper im Aussenlager.

Volvo L350H

Quelle: Claudia Bertoldi

Zwei grosse Radlader, ein Volvo L350H (im Bild) und ein Caterpillar 988K XE, werden im Kieswerk Weiach beim Abbau und zur Beladung eingesetzt.

Kurze Strecken, aber schnell

Während ihrer Abbautätigkeit in der Grube legen die Radlader nur kurze Strecken zurück, da der Standort des Aufgabebunkers dem Abbaufortschritt im Grubenareal angepasst wird. Bei der Beladung muss der Radlader flexibel zwischen den verschiedenen Lagerorten des Materials nach Korngrösse pendeln. Dies muss möglichst schnell geschehen, um längere Wartezeiten für den Abtransport sowie einen damit verbundenen Rückstau der LKW zu vermeiden.

William van Zonsbeek sitzt auf dem Caterpillar 988K XE. Mit unglaublicher Geschwindigkeit, Geschick und Präzision befüllt er die im Minutentakt eintreffenden LKW. Hauptsächlich werden die anfahrenden LKW direkt von einer Halde beladen, zwischendurch geht es aber auch sehr flott eine Betonrampe hinauf, wo im offenen Silo eine anderes Material lagert, welches nun benötigt wird. Die Schaufel fährt kraftvoll in den hohen Materialberg. Hoch beladen wird sie im Hänger entleert.

Bei der letzten Schaufelfüllung geht van Zonsbeek sehr behutsam ans Werk. Das integrierte Waagsystem zeigt genau an, wie viel Material aufgenommen wurde und gibt gleichzeitig das Gesamtgewicht an. Mit knapp 27 Tonnen darf dieser LKW beladen werden. Was zu viel in der letzten Schaufel ist, wird geschickt wieder «herausgeschüttelt». Dies alles geht mit unglaublicher Schnelligkeit voran. Ein kurzer Hupton – und der Fahrer weiss Bescheid, jetzt kann er losfahren. Der gesamte Beladevorgang hat keine zwei Minuten gedauert.

Seit zehn Jahren arbeitet der Niederländer bereits bei Eberhard, seit vier Jahren ist er im Werk in Weiach tätig. «Der Cat ist sehr übersichtlich und gut zu koordinieren. Der Volvo ist hingegen sehr kompakt und hinten noch etwas übersichtlicher gestaltet. Aber eigentlich ist das nur Gewöhnungssache», erklärt der Fahrer. 

Zudem hänge das Fahrgefühl von den äusseren Verhältnissen ab wie Untergrund, Haftung und thermischen Bedingungen. Die Sympathie des Fahrers liegt aber eindeutig auf Seiten des Cat-Radladers. «Sie fahren sich beide gut und man kann super mit ihnen arbeiten. Mit dem E-Motor ist es aber viel sanfter und feiner. Zudem ist der Cat sehr sparsam im Dieselverbrauch. Auf die Senkung der Emissionen sollte man auch im Abbau immer stärker achten», betont William van Zonsbeek.

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