09:02 BAUPRAXIS

Pilotversuch in Basel: Wohnen geht auch ohne Heizung

Teaserbild-Quelle: Barbara Bühler

Im März 2019 bezogen 36 Künstlerinnen und Künstler in der Basler Erlenmatt Ost das erste Wohnhaus der Schweiz ohne Heizung. Nun zeigen Monitoringergebnisse, dass das Konzept grundsätzlich funktioniert. Mit einigen Kinderkrankheiten hatte man dennoch zu kämpfen.

Gitarrero

Quelle: Barbara Bühler

Alle Künstler hatten die Freiheit, die roh gehaltenen Wohnateliers so auszubauen, wie es ihnen gefällt und nutzt.

Es war schon eher eine waghalsige Idee des Basler Architekten Heinrich Degelo, in der Erlenmatt in Basel ein Wohnatelierhaus zu bauen, das komplett ohne Heizung auskommt (siehe Artikel aus BaublattNr. 10 /2019). Doch nun, knapp zwei Jahre nach Bezug des Hauses, konstastiert er: «Es fühlt sich sehr gut an. Das Innenraumklima ist sehr angenehm.» 

Dies, obwohl die Temperaturen im ersten Jahr zwischen 17 Grad im Winter und knapp 27 Grad im Sommer schwankten. Etwas kritischer beurteilt dies Ernst Sandmeier vom Institut für Gebäudetechnik und Energie der Hochschule Luzern (HSLU): «Wenn es draussen sehr kalt ist, ist es in der Wohnung etwas kühl. Wenn es draussen heiss ist, ist es drinnen fast zu warm.»

Sandmeier und die HSLU begleiteten das Wohnatelierhaus seit der Eröffnung bis August 2020 messtechnisch. Denn es war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass es wohl etwas Eingewöhnung und allfällige Justierungen braucht, damit ein Haus ohne Heizung funktionieren kann, obwohl die Idee dahinter so simpel wie einleuchtend ist. Das Konzept basiert im Wesentlichen auf dicken Mauern und einem reduzierten Fensteranteil. Die Wärme entsteht einzig durch die Abwärme der Elektrogeräte, Lichtinstallationen und Menschen und durch die Einstrahlung der Sonne. 

Diese Abwärme gilt es im Winter drinnen zu behalten, weshalb der Lüftung eine entscheidende Rolle zukommt. Im Wohnatelierhaus der Coopérative d'Ateliers verfügen deshalb alle Wohnungen über ein kombiniertes CO2-, Feuchtigkeits- und Temperaturmessgerät. Dieses kleine Gerät sorgt dafür, dass bei zu hohen CO2-Werten die Fenster und Balkontüren automatisch öffnen und schliessen. Schliesslich könne man von den Kunstschaffenden im Haus nicht die gleiche Disziplin verlangen wie von den Mönchen der ebenfalls heizungslosen St. Galler Stiftsbibliothek, die wüssten, wann und wie lange gelüftet werden müsse, meint Degelo.

Probleme mit den Fenstern

Klar ist somit, dass nicht nur diesem Messgerät, sondern auch der Automatik der Türen und Fenster eine entscheidende Rolle zukommt. Doch genau hier haperte es. «Leider waren die Fenster nicht sauber verarbeitet», erklärt Heinrich Degelo. So hätten sich beispielsweise gewisse Fenster abgesenkt, was dazu geführt habe, dass die Motoren die Fenster nicht mehr öffnen konnten. Und es gab eine Türe, die nicht mehr ganz geschlossen hat. 

Dies war allerdings zumindest halbwegs gewollt, da eine Künstlerin relativ nahe bei dieser Türe schlief und die Türe relativ laut ins Schloss fiel. Deshalb liess man die Türe einen Spalt offen, was dazu führte, dass ein Treppenhaus diesen Winter ziemlich auskühlte. Doch nicht nur wird diese Türe künftig leiser und vollständig schliessen, sondern auch die Mankos an den Fenstern und der dazugehörigen Automatik sollten demnächst behoben sein.

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