08:49 BAUPRAXIS

Pfahlbauten im Thunersee: Fundstücke im Bernischen Historischen Museum

Teaserbild-Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Steffen

Vor rund 3000 Jahren gab es am Thunersee Pfahlbausiedlungen. Ihre Überreste wurden erst 2015 entdeckt. Mittels Rettungsgrabungen wurden die stark von der Erosion bedrohten Funde dokumentiert und je nach dem geborgen. Ab heute wird eine Auswahl der Funde im Bernischen Historischen Museum in der Ausstellung «Archäologie aktuell. Berner Funde frisch aus dem Boden» präsentiert.

Untere Thunerseebecken

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Carlos Pinto

Das untere Thunerseebecken mit dem Schloss Schadau im Hintergrund. Der 2020 ausgegrabene Bereich der bronzezeitlichen Fundstelle ist rot umrahmt.

Reste von Pfahlbauten aus der Bronzezeit bekannt. Die Siedlungsreste sind stark von Erosion bedroht, weshalb die Tauchequipe des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2020 und 2024 Rettungsgrabungen durchführt. Eine Auswahl der schönsten Funde ist ab dem 28. März 2024 in der neuen Ausgabe der Ausstellungsreihe «Archäologie aktuell. Berner Funde frisch aus dem Boden» im Bernischen Historischen Museum (BHM) zu sehen. 

Als der Sporttaucher Daniel Rubin dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern 2014 eine Tasche voller Bronzeobjekte überreichte, war die Überraschung gross. Rubin hatte er die Gegenstände auf dem Grund des Thunersees gefunden, in der Nähe von Schloss Schadau und damit den ersten Pfahlbaufund im See gemacht. Die Gegenstände, die er zutage gefördert hatte, sind typisch für die späte Bronzezeit. Vergleichbares ist von Seeufersiedlungen des Mittellandes bekannt – bis dahin aber nicht vom Thunersee.  

Pfähle, archäologische Schichten und Bronzeobjekte

Taucher bei der Tauchgrabung

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Steffen

Tauchgrabung in der bronzezeitlichen Fundstelle am Grund des Thunersees. Quadratmeterweise werden die Seesedimente abgetragen, Schichten sowie Pfähle dokumentiert und Funde geborgen.

Schliesslich nahm die Tauchequipe des Archäologischen Dienstes einen ersten Augenschein vom Fundort, die Fachleute fanden hier Pfähle, archäologische Schichten und weitere Bronzeobjekte vor. Untersuchungen ergaben schliesslich, dass sich die Überreste über eine Fläche von mehr als 15’000 Quadratmetern oder zwei Fussballfelder erstrecken sowie von verschiedenen Siedlungen unterschiedlichen Alters stammen – aus der Zeit von 1600–1550 v. Chr. und von 1050–950 v. Chr. Allerdings leiden die zum Teil weit über 3000 Jahre alten Zeitzeugen Insbesondere im Bereich der Schifffahrtsrinne: Sie sind stark von Erosion bedroht. Die archäologischen Schichten seien komplett zerstört und von den Pfählen sei meist nur noch die Spitzen erhalten, heisst es dazu in der Medienmitteilung des BHM.

Tauchgrabungen in der Fahrrinne der Kursschiffe

Um Siedlungsreste vor der endgültigen Zerstörung zu sichern, führte die Tauchequipe des Archäologischen Dienstes daher im Jahr 2020 und in diesem Jahr 2024 Rettungsgrabungen durch. Weil die Fundstelle in der Fahrrinne der Kursschiffe liegt, ist solches allerdings nur während der Seeabsenkung möglich. – Die noch verbliebenen Siedlungsreste wurden dazu unter Wasser von Taucherinnen und Tauchern dokumentiert sowie die übrigen Funde wie Keramik, Waffen, Werkzeuge und Schmuck aus Bronze geborgen.

Taucher präsentiert eine Bronzenadel

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Steffen

Ein Taucher präsentiert eine in der bronzezeitlichen Fundstelle am Grund des Thunersees entdeckte Bronzenadel. Der Fund ist in der Ausstellung «Archäologie aktuell» zu sehen.

Wie aus den 2020 ausgegrabenen und bereits mittels Dendrochronologie datierten Hauspfähle der älteren Siedlung hervorgeht, haben die Menschen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Dörfern um 1590 v. Chr. und um 1550 v. Chr. einst am Thunersee gelebt. Einzelne Pfahlreihen waren wohl Teil von Umzäunungen oder Palisaden gewesen. Dies erlaube wertvolle Erkenntnisse über die Lebensweise der damaligen Menschen am Thunersee, schreibt das BHM.

Im Museum zur Tauchgrabung abtauchen

Ab heute können nun Interessierte im Bernischen Historischen Museum in die Welt der Unterwasserarchäologie eintauchen: Interviews mit Projektbeteiligten geben Einblick in die Tauchgrabungen sowie die Methode der Dendrochronologie. Eine Medienstation ermöglicht zudem eine Wissensvertiefung in diese einzigartige Grabungsweise. Für Unterwasseratmosphäre sorgen zudem Wellenprojekion und eine passende Geräuschkulisse, wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist. Thomas Pauli-Gabi, Archäologe und Direktor des Bernischen Historischen Museums meint dazu: «Wir freuen uns sehr, mit dieser Ausstellung für einmal mitten im Museum quasi unter Wasser abzutauchen und die frischen Funde aus dem Thunersee präsentieren zu dürfen.» (mai/mgt)

Weitere Informationen zur Ausstellung «Archäologie aktuell. Berner Funde frisch aus dem Boden» auf  https://www.bhm.ch/de/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen



Bronzezeitliche Funde der Tauchgrabung

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Bronzezeitliche Funde der Tauchgrabung 2020 im Thunersee. Einige davon sind in der Ausstellung «Archäologie aktuell» zu sehen.

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