11:39 BAUPRAXIS

Parkieren im Holzhaus

Teaserbild-Quelle: jplenio, pixabay.com, gemeinfrei

Projekte für ein Parkhaus aus Holz gab es zwar schon einige. Doch an die Umsetzung wagte sich bis vor Kurzem niemand. In der Nähe von Biel steht jetzt jedoch das erste Holz-Parkhaus weltweit.

Wald

Quelle: jplenio, pixabay.com, gemeinfrei

Holz als Rohstoff für ein Parkhaus? Ja, ganz genau.

Das Parkhaus in Studen BE strahlt bis ins Detail nüchterne Zweckmässigkeit aus. Drei 51 mal 165 Meter grosse Parkebenen sind übereinander geschichtet – getragen von Holzstützen und -trägern. Dieser konstruktive und kostenmässige Minimalismus sei in Planung und Bau anspruchsvoll, sagt Stephan Zaugg. Mit seiner Holzbaufirma Zaugg AG Rohrbach hat er den Pionierbau konzipiert und erstellt. «Es ist eine brutal einfache Konstruktion», so Zaugg. Und brutal einfach heisst in diesem Fall mit minimalem Aufwand auf maximale Leistung optimiert.

So bestehen zum Beispiel die Decken aus zehn Meter langen, sehr dicken Brettsperrholz-Platten, die direkt auf die alle fünf Meter folgenden Hauptträger montiert sind. Die sonst bei solchen Tragdistanzen übliche zusätzliche Balkenlage fehlt. Das reduziert mit der Zahl der Verbindungen den Montageaufwand und damit die Kosten markant.

Die grösste Herausforderung beim Bau des Parkhauses sei aber die Logistik gewesen, sagt Zaugg. Um den Bau effizient erstellen zu können, musste die Produktion der Bauteile und deren Transport zur Baustelle nach einem genau einzuhaltenden Fahrplan erfolgen. Für das Parkhaus wurden insgesamt 1100 Kubikmeter Brettschichtholz, 3400 Kubikmeter Brettsperrholzplatten und 30 Kubikmeter Buchenholz verbaut.

Grundwasser als Projektauslöser

Das Risiko eines Erstwerks ging der Bauherr Cotra Autotransport AG nicht ganz freiwillig ein. Das Unternehmen hatte das bis anhin unlösbare Problem, auf einem Areal mit Grundwasser ein Parkhaus für 2000 Fahrzeuge bauen zu wollen. Weil das Grundwasser nur eine geringe Bodenbelastung zuliess, kam die übliche Bauweise mit Beton nicht infrage. Das Parkhaus musste leicht sein – also zum Beispiel aus Holz. Eine Holzkonstruktion hat zudem den Vorteil, bei optimierter Bauweise günstiger und erst noch schneller erstellt zu sein.

Doch wie steht es um den Brandschutz? Während beim Wohnbau die Brandgefahr noch einigermassen kontrollierbar scheint, passen Holz und Auto und damit Benzin auf den ersten Blick schlecht zueinander. Der Brandschutz sei jedoch überhaupt kein Problem gewesen, sagt Zaugg. Dabei haben der Bauherr und die Planer von der 2015 erfolgten Lockerung der bis dahin holzbauhinderlichen Schweizer Brandschutzvorschriften profitiert.

Ebenfalls hilfreich waren auch einige planerische Kniffe. So wurde das Parkhaus in den Ausmassen und der Konstruktion exakt so geplant, dass es dafür keine erhöhten Brandschutzanforderungen erfüllen musste. Der Holzbau kommt darum ohne Brandmauern, Sprinkleranlage, und Brandschleusen aus.

Eine Weltpremiere

Etwas Mehraufwand dagegen wurde betrieben, um den Bau witterungsbeständig zu machen. Um keine konstruktiven Teile Regen und Schnee auszusetzen, wurden die Fassadenstützen des Gebäudes aus feuerverzinktem Stahl gefertigt. Auch die Zugangsrampen und die Zugangstreppen sind aus Stahl. Die Dachfläche, die ebenfalls als Parkfeld genutzt wird, ist durch eine Asphaltschicht geschützt.

Die Abnahme des bereits genutzten Gebäudes soll Ende März 2018 erfolgen. Damit wird nicht nur die Schweiz ganz offiziell ihr erstes Holzparkhaus haben, sondern die ganze Welt. Pläne und Ideen für den Bau eines Parkhauses aus Holz existierten zwar seit einigen Jahren. Doch die entsprechenden Projekte in den USA, in Deutschland und in Österreich blieben Luftschlösser. (sda/gd)

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