12:01 BAUPRAXIS

Die Faszination der Kunstgiesserin Anita Tarnutzer für Metall und Patina

Geschrieben von: Stefan Breitenmoser (bre)
Teaserbild-Quelle: Bernd Grundmann

Die Schweizer Künstlerin und Kunstgiesserin Anita Tarnutzer experimentiert mit verschiedenen Oxidations- und Färbeverfahren von Kupferlegierungen wie Messing oder Bronze. Ihre Werke sind Langzeitstudien zur Patina und altern mit. Zurzeit sind sie unter anderem im Gewerbemuseum in Winterthur ausgestellt.

Kunstgiesserin Anita Tarnutzer

Quelle: Anita Tarnutzer

Die Werke von Anita Tarnutzer sind irgendwo zwischen Kunst und Wissenschaft anzusiedeln.

«Schon in meiner Lehre zur Giesserei-Technologin in der Kunstgiesserei in St. Gallen hat mich das Patinieren von Metallen besonders fasziniert. Denn die Oberfläche von Metallen verändert sich stetig und fängt so auch die Geschichte der Umgebung ein», sagt Anita Tarnutzer. Genau diese Faszination und Verspieltheit sind ihren Werken, die sie zurzeit in der Ausstellung «Alchemie der Oberfläche» im Gewerbemuseum in Winterthur präsentiert, anzumerken. Denn es ist schon erstaunlich, was für Farbtöne und Strukturen sie aus den Oberflächen von Bronze- und Messingplatten mit vermeintlich einfachen Verfahren und Techniken herauskitzelt.

So hat sie beispielsweise für ihr Werk «Quintessenzen» 16 gegossene und fein geschliffene Messing- und Bronzeplatten mit verschiedenen Planzen wie Löwenzahn, Thuja, Kamille, Zwiebeln, Zitronen oder gar Pilzen belegt und diese anschliessend für ein Jahr luftdicht in Plastiktüten versiegelt, damit das Ganze nicht austrocknet. 

Patina mit Pflanzen

Denn Tarnutzer wollte wissen, was passiert, wenn sie Pflanzen zum Patinieren benutzt. Schliesslich verfügen Pflanzen nebst ihrer Feuchtigkeit über verschiedene chemische Inhaltsstoffe, die mit dem Metall reagieren. «Ich habe im Vorfeld viel in alten Büchern gelesen und natürlich weiss ich durch meine Ausbildung, welche Stoffe welche Farben erzeugen. Trotzdem wusste ich nicht, was bei diesem Experiment am Ende rauskommt und wie die Zeitaufnahme der Begegnung von Pflanze und Metall genau aussieht.»

So war also auch sie erstaunt, als sie die Platten nach einem Jahr wieder auspackte. Denn die Ergebnisse sehen nicht nur schön aus, sondern förderten zum Teil auch erstaunliche Ergebnisse zu Tage. «Besonders überrascht war ich von den Gelbtönen, welche die Brennnesseln erzeugt haben», so die in Berlin wohnhafte Künstlerin. «Es gibt die klassischen Farbtöne wie grün, rot oder braun, die bei der Oxidation von Kupfer entstehen. Gelb ist eher seltener.» 

Doch nicht nur die Farbtöne sind erstaunlich: «Bei der Thuja ist der Abdruck eher schleierhaft, bei den Pilzen eher kristalin», erklärt Tarnutzer. Es geht also nicht nur um die Farben sondern auch um die Beschaffenheit der Patina. Ist sie eher dick und kristalin oder eher diffus und fast ätherisch. «Daraus könnte man Erkenntnisse ziehen», meint sie. Deshalb hat sie auch vor, die Ergebnisse des Werks «Quintessenzen» mit wissenschaftlicher Hilfe genauer zu untersuchen, zum Beispiel mit einer Röntgenfeinstrahlanalyse.

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