Kirche St. Peter in Zürich: Frische Farbe und ein Schatz auf dem Dachboden
Nach gut einem Jahr ist die Sanierung der Innenräume der Kirche St. Peter in Zürich abgeschlossen: Neben der rundum modernisierten Technik prägt ein überraschender Fund das Erneuerungsprojekt.
Quelle: Diego Delso, CC BY-SA 4.0
Die Kirche St. Peter hat erstmals seit langem eine umfangreiche Sanierung der Innenräume erhalten.
Ob als Gläubige im Gottesdienst oder als Publikum an einem der vielen kulturellen Anlässe: Die Kirche St. Peter ist den meisten Zürcherinnen und Zürchern ein Begriff (siehe Box «St. Peter»). Doch am bekannten Gotteshaus wurden lange Zeit keine nennenswerten Instandsetzungsarbeiten ausgeführt. An den Oberflächen und Stuck-Ornamenten gab es sichtbare Schäden. Zusätzlich galt es, nicht sichtbare Altlasten zu sanieren, wie etwa die asbesthaltige Dämmung hinter den Aussenwänden im Erdgeschoss. Darüber hinaus musste die gesamte Haustechnik erneuert werden: von der Audio- und Elektroanlage über Lüftung und Heizung bis zu den Sanitäranlagen.
Turm hat anderen Besitzer
So erteilte die Eigentümerin der Kirche, die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Zürich, der Schäublin Architekten AG einen umfangreichen Sanierungsauftrag. Das rund sieben Millionen Franken teure Projekt kam Ende 2025 zum Abschluss.
Quelle: Ben Kron
Das barocke Kirchenschiff des ersten als reformierte Kirche erbauten Zürcher Gotteshauses erstrahlt wieder in hellen Farben.
Kein Teil der 14 Monate dauernden Arbeiten war der Turm der Kirche, wie Projektleiterin Verena Löer an einer Begehung erklärt: «Dies ist eine kleine Besonderheit bei diesem Bauprojekt: Es gibt zwei verschiedene Eigentümer. Der Turm gehört der Stadt Zürich; das Treppenhaus teilen sich Kirchgemeinde und Stadt.» Auch der Kirchturm mit Europas grösstem Turmzifferblatt benötigt eine Sanierung. Die Stadt plant, diese von 2030 an auszuführen.
Die unverhoffte Entdeckung
Wie die Architektin ausführt, hat man die gesamten Oberflächen bearbeitet, den Fensterkitt ausgetauscht und den Boden überarbeitet. Zudem wurden die Brüstungen und das gesamte Chorgestühl saniert. Das Kirchengewölbe erstrahlt deshalb nun in frischem Weiss. Nebst der Erneuerung aller Anlagen wurden auch bauliche Anpassungen vorgenommen. «Auf der Empore haben wir den Boden auf das Niveau der Treppenhäuser angehoben und eine durchgehende Fläche geschaffen», berichtet Löer. Damit ist dieser Bereich der Kirche jetzt ohne Treppenstufen und damit barrierefrei. Für Menschen im Rollstuhl wurde ausserdem ein Treppenlift eingebaut, um ihnen den Zugang zu den Nasszellen im Untergeschoss zu ermöglichen.
Quelle: Ben Kron
Die überraschende Entdeckung: Auf dem Dachboden der Kirche lagerten zahlreiche, nicht mehr gebrauchte Elemente der früheren Inneneinrichtung.
Quelle: Ben Kron
Das kunstvolle, schmiedeeiserne Geländer wurde restauriert und auf der Empore links und rechts der Orgel wieder montiert.
Auf der Empore findet sich auch das eigentliche Highlight der Sanierung. «Auf 100 Jahre alten Fotos haben wir gesehen, dass damals kunstvolle schmiedeeiserne Elemente als Geländer neben der Kirchenorgel gedient haben», berichtet Löer. Irgendwann später wurden diese jedoch durch eine massive Holzbrüstung ersetzt. «Auf dem Estrich haben wir nun diese alten Eisen-Elemente entdeckt, die dort eingelagert waren», schildert Löer. «Die Herausforderung war, dieses alte Geländer nicht nur zu sanieren, sondern es so wieder einzubauen, dass auch die ganzen Anforderungen und Normen von Sicherheit eingehalten werden. Zugleich war auch die Denkmalpflege zufrieden, die unsere Arbeiten laufend begleitet hat.» Tatsächlich wurden alle Details bereits in der Planungsphase immer von der Denkmalpflege abgesegnet.
Umbau in 1970er-Jahren
Schnittstellen gab es auch mit der Stadt Zürich als Eigentümerin des Kirchturms: «Dort waren gewisse technische Verknüpfungen vorhanden», erklärt die Projektleiterin. «Zum Beispiel der Glockenschlag und die Uhr. Das waren heikle Themen in der Elektroplanung, die uns immer wieder begleitet haben, weil wir für gewisse Ein- und Ausschaltungen den Glockenschlag und die Uhr aussetzen mussten.» So kam es, dass, von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, auch die Uhr manchmal ein paar Minuten nachging.
Einen Umbau erlebte die Kirche bereits in den 1970er-Jahren. «Damals wurde die gesamte Kirche mit Lüftungskanälen versehen, die als Kriechgänge rechts und links unter dem gesamten Kirchenschiff durchführen», führt Verena Löer aus. Auch die Nebenräume und Nasszellen wurden damals ergänzt und erweitert. Bei der aktuellen Sanierung wurden diese Räume umgestaltet, beziehungsweise auch neu strukturiert, weil sie zu klein waren und den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wurden.
Nasszellen unter dem Kirchhof
Neu eingebaut wurde nun eine Hebebühne, welche den unterschiedlichen Nutzungswünsche der Kirche dient: Mal ist für einen Event eine Vollbestuhlung nötig, mal braucht es Tische für einen Apéro. Früher mussten all die Möbel einzeln durch eine kleine Luke im Boden heraufgeholt werden. Dazu sagt Löer: «Die Hebebühne erleichtert diese Prozesse für den Sigrist gewaltig.» Selbiger kann sich auch über die modernisierte Technik und die zentrale Steuerung freuen: An einem Paneel oder über ein mobiles Touchpad lassen sich die Beleuchtung und die Audioanlage der Kirche bedienen. So lässt sich das Gotteshaus rasch an die Erfordernisse seiner unterschiedlichen Nutzungen anpassen. Auch die Beleuchtung ist seit der Sanierung stufenlos dimmbar. Die Kirche verfügt neu sogar über mehrere Kameras und eine Streaming-Anlage, sodass ein Teil des Publikums auch via Internet live an Veranstaltungen teilnehmen kann.
Quelle: Ben Kron
Unter dem Kirchhof befinden sich die Nasszellen, weshalb die Planer einen grossen Höhenversatz berücksichtigen mussten.
Eine Herausforderung anderer Art stellte die Entwässerung dar: Die Nasszellen befinden sich unter dem Kirchhof, wobei nebenan eine riesenhohe Stützmauer bis hinunter zum Pfarrgarten reicht. «Wir hatten es mit einem grossen Höhenversatz zu tun. Deshalb mussten wir in diesem Bereich diese gesamte Bodenplatte entfernen und alle Grundleitungen erneuern.» Hierfür aber musste man drei, vier Meter tief graben, um überhaupt an die Leitungen heranzukommen, was für den Baumeister ein logistisches Problem darstellte: Im Boden war nicht nur diverser Schutt, sondern es fanden sich auch sehr massive Steinblöcke, die es herauszuheben galt.
Noch ein offener Punkt
Noch nicht gelöst ist die Frage der Bestuhlung: Die vorhandenen Stühle sind nicht stapelbar. Das macht einen flexiblen Einsatz für unterschiedliche Nutzungen unmöglich. Da die Anschaffung neuer Stühle einen grösseren Budgetposten darstellt, haben die Verantwortlichen dieses Thema auf das laufende Jahr vertagt. Derzeit evaluieren sie noch mehrere mögliche Modelle für eine neue Kirchenbestuhlung. Favorit ist das Modell «Dom» des Schweizer Herstellers Horgen-Glarus.
Kirche St. Peter
Quelle: Beat Rüst, Schlieren
Turm St. Peterkirche
St. Peter ist eine der drei Altstadtkirchen Zürichs. Sie befindet sich auf einer Anhöhe links der Limmat, nahe dem Paradeplatz. Das erste Gotteshaus stand hier schon im ersten Jahrtausend nach Christus. Ihre heutige Form hat die Kirche im 18. Jahrhundert erhalten: 1706 wurde das barocke Kirchenschiff eingeweiht. Damit war St. Peter das erste als reformierte Kirche gebaute Gotteshaus in der Stadt Zürich. Doch schon lange zuvor hatte die älteste Pfarrkirche grosse Bedeutung für die Reformation: 20 Jahre lang war Zwingli-Freund Leo Jud ihr Pfarrer. Sein Nachfolger wurde Rudolf Gwalter, seines Zeichens Schwiegersohn des grossen Schweizer Reformators.
Heutzutage wird die Kirche auch für diverse kulturelle Anlässe gerne genutzt. Bekannt ist St. Peter auch für seine Turmuhr: Mit einem Durchmesser von 8,5 Metern besitzt sie das grösste Zifferblatt Europas. (bk)