Hochhaus Oerlikon: Neues Leben für eine Ikone
Nach drei Jahren Sanierung und Umbau wurde das «Swissôtel» in Zürich Oerlikon letzten Sommer wiedereröffnet: mit einem verkleinerten Hotelbetrieb und einer gemischten Nutzung durch Wohnungen und Gemeinschaftsräume. Neu besitzt das Hochhaus zudem einen «Stadtbalkon»: eine öffentlich zugängliche Aussichtsterrasse.
Quelle: Ben Kron
Das Oerliker Hochhaus prägt das Bild des Quartiers seit den 1970er Jahren und wurde nun umgenutzt.
Der Begriff sagt alles: Brutalismus. Gemeint ist damit ein Baustil, der, in Grossbritannien entstanden, ab den 1950er Jahren in Europa in Mode kam und als Merkmale deutlich sichtbare Konstruktionen, freiliegende Grundrisse und viel unverputzten Beton aufweist. Oder auf Französisch «Béton brut»: Mit diesem Begriff beschrieb Le Corbusier das wichtigste Attribut der Unité d’Habitation in Marseille, einem 1952 fertiggestellten Wohngebäude, mit dem der Architekt eines der wichtigsten Beispiel dieses Baustils schuf.
In den folgenden Jahren entstanden in der Schweiz zahlreiche Bauten im Brutalismus-Stil, allein in Zürich sind heute noch rund 40 Beispiele für den Stil zu finden: Zu nennen sind etwa das Hochhaus zur Palme am Bleicherweg (1964), das Triemli-Wohnhochhaus (1966) oder das Ferrohaus (1967), auch als Pyramide am See bekannt. 1972 wurde war beim Bahnhof Oerlikon das «Hotel International» eröffnet, später als «Swissôtel» bekannt, ein Bettenturm von 85 Metern Höhe und mit 348 Zimmern. Das damals höchste Hotelgebäude der Schweiz gilt als Paradebeispiel für den Béton brut und wurde zum prägenden Element der Skyline Oerlikons.
Quelle: Züst Gübeli Gambetti
Der öffentlich zugängliche Stadtbalkon ist Teil der Revitalisierung des Gebäudes.
Wegen Corona geschlossen
2020 wurde das Hotel wegen Corona geschlossen und danach als Studentenwohnheim zwischengenutzt. Währenddessen lief bereits die umfangreiche Planung für die Sanierung und Umnutzung des heute denkmalgeschützten Hochhauses. Es galt, Komfort und Funktion zu verbessern und den Bau für eine neue, gemischte Nutzung zu ertüchtigen.
Zwischen Frühjahr 2022 und Sommer 2025 wurde das Revitalisierungsprojekt umgesetzt, eine Kooperation der ausführenden Halter AG Renovationen mit dem Büro Züst Gübeli Gambetti Architekten. Besitzerin des Gebäudes ist ein Immobilienfonds der Crédit Suisse, der heute zum UBS-Konzern gehört. Der Fonds hat sich die Sanierung und Umnutzung 121 Millionen Franken kosten lassen.
Quelle: Züst Gübeli Gambetti
Der Stadtbalkon verfügt über ein Café im Gebäude sind neu auch Tagungsräume und Läden untergebracht.
«Innere Verdichtung»
Deren Neubelebung der Bau-Ikone orientiert sich sn zwei Leitideen neu: Zum einen soll eine «innere Verdichtung» erfolgen: Neben dem neuen Hotel, das nur noch die ersten 12 von total 28 Etagen belegt und 178 Zimmeraufweist, wird das Haus mit weiteren Nutzungen angereichert, so mit Tagungsräumen, Restaurants und Läden im grosszügigen Sockelgeschoss. bleiben bestehen. Zum anderen befinden sich neu ab der 13, Etage 124 kleinere Mietwohnungen, welche das Gebäude mit weiteren Nutzungen und für einen breiten Bewohnermix sorgen.
Ein spezielles Highlight ist der «Stadtbalkon»: Neben weiteren Gemeinschaftsräumen stellt die imposante Aussichtsterrasse im zweiten Stock einen öffentlich zugänglichen Ort im Gebäude dar: Der von einer Pergola gedeckte Balkon, «Mama’s Garden» genannt, bietet einen Blick über den Marktplatz. Der Stadtbalkon ist vom Bahnhofplatz über eine Wendeltreppe erreichbar und steht auch für Anlässe offen.
Quelle: zvg
Hochhaus Oerlikon, Schnitt Plan
Ein Herz für Beton
Quelle: zvg
Hochhaus Oerlikon, Schnitt Plan
Die Schweiz ist eine Hochburg des Brutalismus und versucht, dieses kulturelle Erbe zu bewahren: So hat die Zürcher Architektin Karin Bürki 2019 «Heartbrut» gegründet: Ziel ist es, «»den Sweet Spot zwischen Brutalismus, Kunst und Erlebnis«» zu ergründen; dies mit Publikationen, Special Editions, aber auch mit kuratierten Walks und Rides. «Wir möchten es so einfach wie möglich machen, die Herzen für das brutalistische Erbe zu gewinnen», heisst es auf der Homepage. (bk)
Quelle: wikicommons / rolandzu
Hochhaus Oerlikon, historisch