Geplante Projekte bei trübem Wetter: Eine Website für realistische Renderings
Wie sieht ein geplantes Gebäude tatsächlich aus – wenn man die Perfektion einer Visualisierung aussen vor lässt? Ein kostenloses Onlinetool zeigt es. Sein Schöpfer: Ein Ingenieur, der verhindern möchte, dass Städte hässlicher werden.
Quelle: ChatGPT / mai
Visualisierung eines Bürogebäudes bei Sonnenschein....
Ein warmer Sommertag, der Himmel leuchtet tiefblau. Die Sonnenstrahlen lassen den neuen Verwaltungsbau einladend erscheinen, während die Bäume davor und die Passanten für Farbakzente sorgen. Dolendeckel, Versorgungskästen und andere Infrastruktur sind verborgen, Schmutzstreifen und Baurückstände nicht vorhanden.
Oft zeigen Visualisierungen ein perfektes Bild und eine Realität, die es so kaum gibt, wenn ein Projekt dereinst gebaut ist. Letztlich können solche Ansichten Abstimmungen über Bauprojekte beeinflussen, aber auch Entscheide von Behörden und Wettbewerbsjurys oder aber das Interesse von möglichen Käufern und künftigen Mietern wecken.
Ist das Bauvorhaben schliesslich umgesetzt, zeigt sich ein Bild ohne Hochglanz. Spätestens dann, wenn graue Wolken alles in trübes Licht tauchen und das frisch gepflanzte, üppig geplante Grün noch wachsen muss.
Das Online-Tool Antirender soll einen realistischen Blick in die Zukunft bieten: Dazu lädt man einfach das Rendering und klickt auf den «Show me the reality»-Button. Und schon erscheint der eingangs genannte Bau in tristem Novemberlicht, der Vorplatz ist verwaist und die Bäume sind dürr und kahl. Überdies wurde die Ansicht mit einem Versorgungskasten und Gebrauchspuren ergänzt. Das Angebot ist kostenlos, ausserdem wird - bevor die «realistische» Visualisierung erscheint - noch der entsprechende Gemini-Prompt zum Copypasten angzeigt.
«Modernistische Betonbauten im schwedischen Novemberwetter»
Quelle: ChatGPT/mai und Antirender
...und bei schlechtem Wetter. Oder: die realistische Ansicht des Bürogebäudes wie sie antirender.com voraussagt.
Schöpfer der Website ist Ingenieur Magnus Hambleton. Der Gedanke hinter seinem über Spenden finanzierten Tool erklärte er vor wenigen Monaten in einem Linkedin-Post: «Letzte Woche erstellte ich eine kleine Website, um zu zeigen, wie modernistische Betonbauten im schwedischen Novemberwetter aussehen werden (um zu verhindern, dass unsere Städte hässlicher werden).» Zwar räumt er auf dem Socialmediakanal ein, dass er den ästhetischen Reiz im Modernismus oder Brutalismus sehe, aber «grosse Betonblöcke im Herzen unserer Städte» machten diese weniger menschlich. «Städte müssen auf Fussgängeraugenhöhe interessant wirken, wenn man drei Kilometer läuft. Sonst nehmen die Leute das Auto oder starren aufs Handy.»
Eine der Ursachen, deretwegen sich modernistische Architektur ausgebreitet hat, liegt laut Hambleton darin, dass sie auf Renderings grossartig aussehe. «Bei Sonnenschein, mit grünen Bäumen und Pflanzen und mit glücklichen Familien bevölkert sieht selbst der grauste Beton- oder Glasklotz gut aus.» Deshalb empfiehlt er, wenn etwa ein neues Gebäude in der Nachbarschaft geplant wird, das Rendering des Projekts auf seine Antirender-Website hochzuladen, «um zu sehen, es tatsächlich aussehen wird».
Schönere Ansichten mit Antiantirender?
Wem das nicht genug ist, und wer wissen möchte, wie das Projekt ansprechender aussähe, lädt sich das realistische Rendering herunter und lädt es dann bei Antiantirender wieder hoch: Dieses ebenfalls von Hambleton erstellte Tool zeigt, wie moderne Bauten als klassizistische Gebäude wirkten. Natürlich funktioniert das auch mit Aufnahmen von bereits vorhandenen, wenig ansprechenden Bauten. (mai)
Hier geht es zu den beiden Websites:
https://antirender.com
https://antiantirender.com
Quelle: Erstellt mit Antiantirender.com
Klassizistische Architektur und Sonnenschein - so sieht es laut Antiantirender.com gleich besser aus.