09:04 BAUPRAXIS

Der erste Baumwipfelpfad der Schweiz öffnet

Geschrieben von: Claudia Bertoldi (cb)
Teaserbild-Quelle: Beat Schildkecht, Imagevideo Flawil

Am 10. Mai wird der erste Baumwipfelpfad der Schweiz eröffnet. Über 500 Meter Länge schlängelt sich der hölzerne Parcours auf einer Anhöhe oberhalb von Mogelsberg SG. Die Initiatoren verkünden selbstbewusst: «Unser Pfad ist der schönste in ganz Europa!»

Mogelsberg in Neckertal – den kleinen 600-Seelen-Ort kennen sicher die Wenigsten in der Schweiz. Doch das wird sicher bald ein Ende haben, denn hier eröffnet in Kürze der erste Baumwipfelpfad der Schweiz. Der Ortstermin vom „Baublatt“ war für Anfang Frühling geplant, mit dem aufkommenden frischen Grün und gutem Wetter, was einen guten Weitblick ins Tal zulässt. Doch es ist anders gekommen. Der Winter ist kurzfristig zurückgekehrt. Mehr als 20 Zentimeter Schnee sind in der Nacht gefallen. Doch aus Mogelsberg kommt keine Absage. Der Termin steht. Die neue Attraktion im Toggenburg soll künftig ganzjährig geöffnet sein. Also auf zur ersten Winterbegehung!

Auf Ideensuche ins Ausland

Der Baumwipfelpfad Neckertal ist einmalig in der Schweiz. Doch in Europa und Übersee sind bereits einige der Spazierwege in luftiger Höhe in Betrieb. Und eben zwei dieser Exemplare waren es, auf welche die Mitglieder der IG Holz Toggenburg auf einer Tagung in Garmisch Partenkirchen aufmerksam wurden. Im Bereich Tourismus besteht im Neckertal durchaus Potenzial. Ein Baumwipfelpfad könnte nicht nur neue Freizeitangebote in den Bereichen Umwelt und Holzwirtschaft vereinen, sondern auch über die Region hinaus neue Besucher ins Tal bringen.

Aus den anfangs sieben möglichen Standorten kristallisierten sich schnell drei Favoriten heraus. Mogelsberg erwies sich als besonders ideal, da das bevorzugte Gebiet bereits Eigentum der Gemeinde ist. Eine öffentliche Erschliessung war bereits vorhanden und der Standort des neuen Baumwipfelpfads als Biotop ausgewiesen.

Um Ideen zu sammeln, gingen die Initiatoren auf Besichtigungstour zu fünf Anlagen in Deutschland und Tschechien. Schnell war klar, was sie vor allem nicht wollten: «Alle Baumwipfelpfade hatten einen zentralen Turm oder Aufgang. Der Bau dieser Anlagen ist mit viel Beton, Stahl, Stiegen oder gar einem Lift verbunden. Wir wollten einen umweltfreundlichen Parcours, der sich in die Landschaft einfügt», erläutert Fritz Rutz AG. Und so wurde letztendlich der Entwurf eines harmonisch geschwungenen und sich dem Baumwuchs angepassten Wegverlaufs gewählt, bei dem sich die Studenten ganz bewusst an den Schienenvarianten der Brio-Holzeisenbahn anlehnten.

Naturschonend geplant und gebaut

Der Baumwipfelpfad ist eine geschwungene Holzkonstruktion in Ständerbauweise. Die filigrane Struktur ermögliche eine naturschonende Bauweise mit minimalen Eingriffen in die Umgebung. Kaum ein Baum musste entfernt werden. Die Verankerung im Boden erfolgt grossteils mit Krinner-Schraubfundamenten. Sie werden ohne Beton im Waldboden verankert und ins Erdreich eingedreht. «Es wurde sehr schonend mit dem Wald und dem Boden umgegangen. Wir wollen ja auch nach der Montage den Wald noch für die Besichtigung zur Verfügung haben», so Montageleiter und Koordinator Willi Roth. Ganz ohne Beton kamen die Erbauer dann doch nicht aus. Statisch besonders stark belastete Punkte, an denen Stützen zusammenlaufen, wurden mit Betonfundamenten verstärkt. Um das Holz der Stützen widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Fäulnis zu machen, wurden die Oberflächen statt sie zu imprägnieren mit einer speziellen Pilzlösung behandelt. Sie bekämpft auf natürliche Weise den Fäulnispilz und ist somit absolut umweltverträglich.

Der Baumwipfelpfad Neckertal wird am 10. Mai eröffnet. Er ist ganzjährig begehbar und verkehrstechnisch per Zug und Auto gut erreichbar. Die kleinen Züge der Südortbahn-Linie verkehren im Halbstundentakt zwischen St. Gallen und Wattwil.

Der kompletten Artikel lesen Sie in der nächsten Ausgabe des «Baublatts» vom 20. April.

Geschrieben von

Ehemalige Redaktorin Baublatt

Claudia Bertoldi war von April 2015 bis April 2022 als Redaktorin beim Baublatt tätig. Ihre Spezialgebiete waren Architektur- und Technikthemen.

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