11:23 VERSCHIEDENES

Mit einfachen Steinhaufen zu mehr Hermelinen in der Schweiz

Teaserbild-Quelle: Laurent Schenker

Sie sind klein und flink und in der Schweiz zunehmend gefährdet: Hermeline. Laut Studien von Forschenden der Uni Bern lässt sich ihre Population aber mit einfachen Mitteln fördern – zum Beispiel mit Ast- und Steinhaufen.

Hermelin im Winterkleid

Quelle: Laurent Schenker

Hermelin im Winterkleid: Die kleinen Tiere spielen eine wichtige ökologische Rolle für die Landwirtschaft, da sie sich von Feld- und Schermäusen ernähren und damit zur Schädlingskontrolle beitragen.

Die Bestände vieler Tierarten, die charakteristisch für landwirtschaftliche Lebensräume sind, gehen in der Schweiz immer weiter zurück – trotz jahrzehntelanger Bemühungen. Mehr als 50 Prozent davon stünden weiterhin auf den Roten Listen der gefährdeten Arten, heisst es in einer Medienmitteilung der Universität Bern. Besonders davon betroffen sind kleine Beutegreifer wie Hermeline und Mauswiesel.

Die kleinen Tiere spielen eine wichtige ökologische Rolle für die Landwirtschaft: Sie ernähren sich von Feld- und Schermäusen und tragen damit zur Schädlingskontrolle bei. Ein Hermelin frisst in der Regel ein bis zwei Wühlmäuse pro Tag. Gleichzeitig sind die zur gleichen Familie wie Marder zählenden Tiere auf vielfältige, strukturreiche Landschaften angewiesen, die ihnen Versteck-, Fortpflanzungs- und Jagdmöglichkeiten bieten.

Steinhaufen mit Kamerabox zum Nachweis von Hermelinen und Mauswieseln

Quelle: Jean-Yves Humbert

Steinhaufen mit Kamerabox zum Nachweis von Hermelinen und Mauswieseln.

Kleinstrukturen erhöhen Präsenz

Forschende des Instituts für Ökologie und Evolution der Uni Bern haben in zwei aufeinanderfolgenden Studien untersucht, wie sich regionale Biodiversitätsprojekte – insbesondere die Installation von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen – auf die Populationen von Hermelinen und Mauswiesel auswirken.

Die Ergebnisse: Einfache Kleinstrukturen können die Präsenz von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten signifikant erhöhen. Dies zeigte sich insbesondere bei einer fachlichen Begleitung regionaler Projekte und einer Koordinierung zwischen mehreren landwirtschaftlichen Betrieben auf einer Landschaftsebene.

«Leider war die Anzahl nachgewiesener Mauswiesel zu gering, um Aussagen zur Wirkung der Massnahmen auf diese Tierart zu machen. Dies widerspiegelt ihren Status als gefährdete Art auf der Schweizer Roten Liste umso deutlicher», wird Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien, in der Medienmitteilung zitiert.

Obwohl regionale Biodiversitätsförderprojekte seit Langem als sinnvoll gelten, fehlten bislang wissenschaftliche Belege für ihre tatsächliche Wirkung.

Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution

Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution

14 Regionen im Schweizer Mittelland untersucht

Regionale Biodiversitätsförderprojekte umfassen koordinierte Naturschutzinitiativen wie regionale Naturpärke, Projekte von Naturschutzorganisationen oder landwirtschaftliche Vernetzungsprojekte, bei denen Landwirtschaft, Behörden und Experten zusammenarbeiten, um Lebensräume gezielt aufzuwerten und zu vernetzen. «Obwohl regionale Biodiversitätsförderprojekte seit Langem als sinnvoll gelten, fehlten bislang wissenschaftliche Belege für ihre tatsächliche Wirkung», erklärt Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution. 

Das Forschungsteam analysierte daher die Effekte solcher Massnahmen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz. Konkret untersucht wurden 14 gepaarte Regionen im Schweizer Mittelland, bestehend aus jeweils einem Gebiet mit Massnahmen, welche die Biodiversität fördern, wie der Installation von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen, und einer Vergleichsregion ohne solche Massnahmen. In den Vergleichsgebieten gab es zwar teilweise auch Kleinstrukturen, diese wurden jedoch ohne fachliche Begleitung und Koordination errichtet.

Artenspürhund beim Einsatz

Quelle: Artenspürhunde Schweiz, Bild: Mayk Wendt

Artenspürhund beim Einsatz, auf der Suche nach Kot von Hermelinen und Mauswieseln im Steinhaufen.

Hermeline mit Spürnasen nachweisen

Um die Population dieser schwer fassbaren Tiere zu untersuchen, setzten die Forschenden zwei neuartige Methoden ein: Kamerafallen und Artenspürhunde. Die Kamerafallen wurden in Kisten mit Tunneln installiert, die die neugierigen Tiere gerne erkunden und durchqueren. Dadurch konnten sie unbemerkt fotografiert werden.

Darüber hinaus kamen gemäss Communiqué erstmals und in Zusammenarbeit mit Artenspürhunde Schweiz speziell dafür ausgebildete Spürhunde zum Einsatz. Diese sind darauf trainiert, Kot von Hermelinen und Mauswieseln über ihren Geruchssinn aufzuspüren. Durch diese Kombination aus technischer Ausrüstung und tierischer Spürnase konnte die Präsenz der Tiere präzise und effizient erfasst werden.

«Dieser Ansatz ermöglichte uns einen zuverlässigen und grossräumigen Vergleich zwischen Gebieten mit und ohne Fördermassnahmen», sagt Dürst.

Nachweis eines Hermelins mittels Kamerafalle

Quelle: Andrin Dürst

Nachweis eines Hermelins mittels Kamerafalle. Innenansicht einer Kamerafalle in der Kiste.

Regional koordinierte Projekte besonders wirksam

Die Ergebnisse zeigen, dass in Regionen mit koordinierten Fördermassnahmen 2,5-mal mehr Hermeline nachgewiesen wurden als in vergleichbaren Gebieten ohne entsprechende Massnahmen. Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen spielten dabei eine Schlüsselrolle als Rückzugsorte und Jagdgebiete. Ihre Anzahl wirkt sich positiv auf die Häufigkeit von Hermelinen aus, wobei Steinhaufen von den Tieren bevorzugt werden, insbesondere, wenn sie ausreichend gross sind und geeignete Hohlräume aufweisen.

Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die gezielte Förderung kleiner Lebensräume kann die Biodiversität langfristig verbessert werden.

Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien

Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien

«Unsere Ergebnisse zeigen weiter, dass für die Population von Hermelinen nicht nur das Vorhandensein von Kleinstrukturen entscheidend ist, sondern auch deren Qualität und die gezielte Platzierung in der Landschaft», erklärt Dürst. Eine professionelle Planung und die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtinnen und Landwirten, Biologinnen und Biologen und Behörden seien ausschlaggebend für den Erfolg dieser Massnahmen.

Humbert ergänzt: «Die Resultate liefern einen wichtigen Impuls für die Landwirtschafts- und Naturschutzpolitik. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die gezielte Förderung kleiner Lebensräume kann die Biodiversität langfristig verbessert werden, zum Nutzen von Natur, Landwirtschaft und Gesellschaft».

In einem nächsten Schritt wird die Forschungsgruppe den Effekt der Kleinstrukturen auf weitere Artengruppen wie Reptilien, Laufkäfer und Spinnen untersuchen. (mgt/pb)

Literaturhinweis

Egloff, G. B., Schenker, L., Riverendo, S., Dürst, A. C., Heckel, G., Karp, D., & Humbert, J.-Y. (2025). The role of small structures for stoats in agricultural landscapes. Journal for Nature Conservation, 85.

URL: https://doi.org/10.1016/j.jnc.2025.126865
DOI: 10.1016/j.jnc.2025.126865

 
Dürst, A. C., Egloff, G. B., Schenker, L., Arlettaz R., & Humbert, J.-Y. (2026). Regional biodiversity conservation projects enhance stoat populations in agricultural landscapes. Global Ecology and Conservation, 66.

URL: https://doi.org/10.1016/j.gecco.2026.e04082
DOI: 10.1016/j.gecco.2026.e04082 

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