12:08 BAUPRAXIS

Bedrohtes Welterbe: Den Klimawandel zulassen?

Teaserbild-Quelle: Luca Micheli, Unsplash

Erhalt oder Veränderung? Zunehmend setzt der Klimawandel Welterbestätten wie Venedig zu. Damit stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, sie zu konservieren. Und ob sich Monumente auch sollten verändern können. Dass Denkmalpflege auch Wandel bedeuten kann, ist die Idee einer Tourismusexpertin und eines Denkmalpflegers.

Venedig im Abendlicht (Panorama)

Quelle: Luca Micheli, Unsplash

Venedig leidet unter dem Klimawandel - und auch unter Touristenmassen, die der Stadt Geld bringen.

Ob zunehmende Temperaturen, tauender Permafrost, Überschwemmungen oder steigender Meeresspiegel: Die Folgen des Klimawandels setzen Welterbestätten zu. Eines der bekannteren Beispiele hierfür dürfte Venedig sein.

 Wandel mit dem Klima

Doch wie viel Aufwand ist verhältnismässig, um solche Orte vor dem dräuenden Ende zu retten? Soll man sie konservieren und restaurieren, oder soll man sie sich mit dem Klima einfach verändern lassen? Diesen Fragen gingen Erin Seekamp, Professorin für Tourismus-Management an der Universität von North Carolina, und Eugene Jo vom Internationalen Zentrum für die Erforschung von Erhalt und Wiederherstellung von Kulturgut (ICCROM), in nach.

Angesichts der weltweiten Auswirkungen des Klimawandels sei es unmöglich, alle Kulturerbestätten in ihrem aktuellen Zustand zu erhalten, wird Seekamp der Medienmitteilung der Universität von North Carolina zitiert. Sie und ihr Kollege schlagen daher vor, einen Ort je nachdem entweder an die bereits laufenden Auswirkungen des Klimawandels oder ihn im Hinblick auf die erwartenden Folgen anzupassen.

Ein Mahnmal

Dafür, dass sich kulturell bedeutsame Stätten auch sollten verändern können sprechen laut Seekamp und Jo unterschiedliche Gründe:

  • Die Spuren, die der Klimawandel an einem solchen Ort hinterlässt, könnten als eine Art Mahnmal dienen.
  • Vom Klimawandel gezeichnete Kulturerbestätten könnten helfen, besser zu verstehen, auf welche Bereiche sich die erhöhten Temperaturen stark auswirken.
  • Wenn Erhalt und Schutz mit besonders hohen Kosten verbunden sind, sollte sich ein Monument ebenfalls verändern können.

 Die Inspiration zu diesen Ideen fanden Seekamp und Jo in der Natur und ihrer Widerstandsfähigkeit. Werde eine Landschaft beeinträchtigt – zum Beispiel durch einen Fluss, der regelmässig über das Ufer tritt – verändere sie sich im Zuge der neuen Gegebenheiten passe sich an.

 Neue Kategorie für bedrohtes Kulturerbe

 Allerdings raten Seekamp und Jo, dass der Entscheid darüber, wie sich eine Kulturerberstätte verändern sollte, in der Region getroffen werden sollte. „Die Bevölkerung, deren Erbe auf dem Spiel steht und die von diesen Orten als touristische Stätten profitiert, sollten Teil der Diskussionen über Veränderungen sein und darüber, wie die Werte, die mit Stätten verbunden sind, gewahrt bleiben", so Seekamp.

 Zudem schlagen sie vor, für von der Klimaveränderung bedrohte Kulturerbestätten eine neue Kategorie zu schaffen: „Welterbestätten im klimabedingten Wandel“. Ihre Idee dahinter: Den Verantwortlichen und Betroffenen solcher Orten dabei helfen, nicht nur darüber nachzudenken sie dauerhaft an neue Klimabedingungen anzupassen, sondern auch darüber, dass sich sich im Lauf der Zeit mit den steigenden Temperaturen zu verändern. „Es erlaubt, über Alternativen nachzudenken.“ (mai)

 

 

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