Baumaterial: So mauern, dass Ziegelsteine kühlen
Backsteine oder Mauerziegel sind seit Urzeiten als Baustoff bekannt und bewährt. Mit den gebrannten Ziegeln lassen sich nicht nur Mauern errichten, wie ein aktuelles Projekt der Technischen Universität München zeigt: Durch eine unregelmässige, aber präzise Anordnung der Ziegel lassen sich auf einer Mauer kühlende Effekte erzielen.
Quelle: TU München
Markus Bruckner, Ausbilder für Maurer und Stuckateure: «Es ist sinnvoll, so zu bauen. Der Roboter bringt die Präzision, wo Menschen an ihre Grenzen stossen.»
Gebrannte Mauerziegel, hierzulande auch als Backstein bekannt, sind ein seit Jahrtausenden bekannter Baustoff. So wurde vor rund 5000 Jahren erstmals gebrannter Ton in Ziegelform für grössere Bauten verwendet. Doch in der Regel werden Mauern aus Ziegelsteinen möglichst gleichmässig, sprich: in Reih und Glied, aufeinandergeschichtet.
Davon kann indes keine Rede sein bei der Mauer, die kürzlich an einem Versuchsgebäude der Technischen Universität München (TUM) hochgezogen wurde: Von den 1700 verwendeten Steinen wurden mehr als 200 so platziert, dass sie sich mit unterschiedlichem Winkel aus besagter Wand drehen. So bildet die Mauer eine besondere Struktur und verschattet sich gewissermassen von selber: Sie verringert die Oberflächentemperatur, wenn draussen die Sonne brennt. Die restlichen Steine wirken als Dämmung der Wand und bilden gemeinsam mit den verdrehten Ziegeln einen zonierten monolithischen Wandaufbau.
TU München und Lehrlinge spannen zusammen
Das besondere Bauprojekt wurde im Rahmen eines Workshops im Zusammenhang mit dem Projekt «Climate Active Envelopes» entwickelt. Julia Fleckenstein, Architektin der Professur für Digitale Fabrikation der Technischen Universität München (TUM), hat die Mauer zusammen mit den Lehrlingen einer lokalen Bauinnung hochgezogen. Die Architektin forscht und publiziert seit mehreren Jahren schwerpunktmässig rund um den Baustoff Ziegelstein (siehe «Nachgefragt»). Finanziert wird das Projekt von der Bayerischen Transformations- und Forschungsstiftung, zusammen mit den Industriepartnern Leipfinger Bader GmbH, Climateflux GmbH und studiomolter.
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