10:06 BAUPRAXIS

Baugeschichte: Kuriositäten im Alterthümer-Magazin Zürich

Geschrieben von: Claudia Bertoldi (cb)
Teaserbild-Quelle: Claudia Bertoldi

Die Zürcher Denkmalpflege stösst bei der Arbeit immer wieder auf prächtige Bauteile und Möbel. Diese werden gesichert und im Bauteillager gesammelt. Besonders schöne Exponate sind in der Studiensammlung und im Kuriositätenkabinett des Zürcher Alterthümer-Magazins zu sehen.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne; wo neu gebaut wird, fallen leider auch oft historische Gebäude der Abrissglocke zum Opfer. Doch längst nicht alles wird entsorgt oder den Recyclinganlagen zugeführt. Im Kanton Zürich werfen die Mitarbeiter der Denkmalpflege ein prüfendes Auge auf Bauteile und Ausstattung, bevor der Rückbau beginnt. Oft sind es aber auch die Baufirmen oder die Besitzer selbst, die die Fachstelle über potenziell geschichtlich oder kulturhistorisch relevante Objekte informieren, wenn ein Haus umgebaut oder abgerissen werden soll.

Bereits seit 1958 sammelt die Zürcher Denkmalpflege systematisch kulturhistorisch bedeutende Bauteile. Besonders schöne Türen, Fenster, Böden, aber auch Stuckelemente, Sanitärteile oder Kücheneinrichtungen, die aus alten Häuser herausgerissen werden, da diese abgebrochen, umgebaut oder saniert werden müssen, werden nicht etwa entsorgt, sondern sie gelangen ins1500 Quadratmeter grosse Bauteillager der kantonalen Zürcher Denkmalpflege in Dübendorf. Auf fünf Etagen werden sie in hohen Regalen gestapelt und warten auf ihre Wiederentdeckung.

Denn hier werden sie nicht einfach gesammelt und eingelagert. «Das Ziel ist Recycling, heisst Wiederverwendung. Was in einem alten Haus nicht mehr benötigt wird, kann Besitzern anderer Immobilien zur Verfügung gestellt werden, die ihre historischen Gebäude sanieren und im selben Stil erhalten oder ausstatten möchten», erklärtSandrine Keck,Mitarbeiterin der kantonalen Abteilung Archäologie und Denkmalpflege. Das Bauteillager verfügt dafür über einen grossen Bestand aus allen Epochen. Die Bauteile werden kostendeckend bereitgestellt, also zu dem Betrag, der für den fachmännisch durchgeführten Ausbau und die Lagerung anfällt.

Rote Holzlehnstühle

Quelle: Claudia Bertoldi

Die roten Holzlehnstühle gehörten zur Originalausstattung der 1895 eröffneten Tonhalle Zürich.

Klein, aber äusserst fein

Besonders originelle oder wertvolle Exemplare verbleiben allerdings im Bestand der Sammlung. Seit 2009 beherbergt das Alterthümer-Magazin beim Zürcher Bahnhof Selnau Kostbarkeiten und Kuriositäten aus den Beständen des Bauteillagers. Ausserdem ist hier eine schweizweit einmalige Tapetensammlung untergebracht. Das Alterthümer-Magazin ist die Arbeitsstätte von Sandrine Keck. Um zu ihr zu gelangen, geht es am etwas verborgenen Eingang vorbei über einen Innenhof in das Untergeschoss des Gebäudes an der Sihlamtsstrasse.

«Es ist kein offizielles Museum, die Sammlung gehört allerdings dem Verein Zürcher Museen an, und es finden seit 2011 regelmässig Führungen statt», merkt die Archäologin an. Ausserdem werden auch Gruppenführungen ausserhalb der Öffnungszeiten angeboten(siehe Infokasten unten).

Bereits an den Wänden der Korridore fallen erste Objekte ins Auge. Die farbenprächtigen Fragmente hölzerner Wandverkleidungen und Fresken stammen alle aus Zürcher Abbruchhäusern sowie Sanierungsobjekten und konnten rechtzeitig vor der kompletten Zerstörung gerettet werden. Das Alterthümer-Magazin selbst besteht nur aus zwei grossen Räumen. Dennoch wird es meist kein kurzer Aufenthalt, denn jedes Ausstellungsstück hat seine eigene, lange Geschichte. Sandrine Keck kennt sie bis ins letzte Detail und fesselt die Besucher mit spannenden Berichten.

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Ehemalige Redaktorin Baublatt

Claudia Bertoldi war von April 2015 bis April 2022 als Redaktorin beim Baublatt tätig. Ihre Spezialgebiete waren Architektur- und Technikthemen.

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