Tag der Bauwirtschaft: Bauen braucht Vertrauen
Am diesjährigen «Tag der Bauwirtschaft» des Schweizerischen Baumeisterverbands stand die Bauherrschaft im Mittelpunkt. Rund 700 Vertreter aus Bauwirtschaft, Politik und Wirtschaft diskutierten über bessere Zusammenarbeit, Fehlerkultur und die Herausforderungen des Wohnungsbaus. Für Gian-Luca Lardi war es zugleich der letzte Auftritt als Zentralpräsident: Die Generalversammlung wählte Christian Wasserfallen zu seinem Nachfolger.
Quelle: SBV
Der 45-jährige Berner Christian Wasserfallen (rechts) ist diplomierter Maschineningenieur FH, Mitglied des SBV-Zentralvorstands, Infra Suisse-Präsident, Verwaltungsratspräsident der Walo Bertschinger AG Bern und sitzt für die FDP im Nationalrat. Er übernimmt das Amt von Gian-Luca Lardi (links).
Die Generalversammlung brachte eine Veränderung an der Verbandsspitze: Die Mitglieder des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) haben Christian Wasserfallen zum neuen Zentralpräsidenten gewählt. Der Berner Nationalrat übernimmt das Amt per 1. Januar 2027 von Gian-Luca Lardi, welcher nach zwölf Jahren die sta-tutarische Amtszeitbegrenzung erreicht hat. Der Bündner führt den Verband seit 2015.
Lardi nutzte seinen letzten «Tag der Bauwirtschaft» als Zentralpräsident für einen Rück- und Ausblick. Viele wichtige Entscheide würden bereits zu Beginn eines Bauprojekts getroffen. Gerade wenn Bauherren nicht über das nötige Fachwissen verfügten und Entscheidungen delegierten, könne dies zu Konflikten führen. Lardi plädierte deshalb für mehr Teamgeist, weniger Konflikte sowie eine integrierte Projektabwicklung und neue Kooperationsmodelle. Der SBV hat sich in den vergangenen Jahren für die Entwicklung eines Schweizer Modells der Projektallianz eingesetzt. Auch Pierre Broye, Direktor des Bundesamts für Bauten und Logistik (BBL), sprach sich für Allianzmodelle aus.
Aus Fehlern lernen
Wie wichtig eine offene Kommunikation ist, zeigte der ehemalige Pilot und Führungsexperte Philip Keil anhand seiner Erfahrungen aus dem Cockpit. Unfälle entstünden häufig nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch eine Fehlerkette: Warnsignale werden übersehen, Widerspruch bleibt aus, die Kommunikation funktioniert nicht. Dieses Prinzip lasse sich direkt auf Baustellen übertragen. Mitarbeitende müssten Risiken und Fehler ansprechen können, ohne Angst vor Schuldzuweisungen zu haben. «Fehler sind menschlich, Fehlerketten sind tödlich», lautete Keils Kernaussage. Entscheidend sei eine Kultur, in der Verantwortung übernommen und aus Fehlern gelernt werde.
Wohnraum braucht Tempo
Beim Wohnungsbau rückte Armin Hartmann, designierter Regierungspräsident des Kantons Luzern, die Rahmenbedingungen in den Fokus. Bauverfahren müssten schneller werden, denn Verzögerungen verteuerten Projekte und verzögerten dringend benötigten Wohnraum. Gleichzeitig brauche es eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Behörden und Wirtschaft – freundlich, aber durchaus kritisch.
Weniger Bürokratie, mehr Wirkung
Auch Lardi forderte weniger Bürokratie und mehr Anreize für das Bauen. Gleichzeitig verwies er auf konkrete Fortschritte: Mit dem Informationssystem Allianz Bau, kurz ISAB, seien die Kontrollen zur Einhaltung des Gesamtarbeitsvertrags auf Baustellen digitalisiert worden. Auch bei der Nachhaltigkeit sieht der SBV die Bauherrschaft in der Pflicht. Mit einer entsprechenden Toolbox soll Nachhaltigkeit bereits in Ausschreibungen messbar gemacht werden.
Die öffentliche Hand habe dabei eine wichtige Vorbildfunktion, betonte Pierre Broye. Dies gelte etwa für die Verwendung rezyklierter Baumaterialien. Auch die Kompetenz der Bestellenden müsse gestärkt werden, damit Bauprojekte stärker auf gemeinsame Lösungen ausgerichtet werden könnten.
Gemeinsam statt gegeneinander
Die Bauingenieurin und KI-Expertin Bianca Weber-Lewerenz zeigte schliesslich, wie moderne Technologien die Branche unterstützen können. KI könne Prozesse erleichtern und angesichts des Fachkräftemangels Ressourcen effizienter einsetzen. Die Verantwortung bleibe jedoch beim Menschen.
Das gilt auch für die Zusammenarbeit: Der «Tag der Bauwirtschaft» machte deutlich, dass erfolgreiche Bauprojekte nicht nur gute Planung und moderne Technologien benötigen, sondern vor allem Menschen, die miteinander statt gegeneinander arbeiten. Und das Bauhauptgewerbe ist dabei alles andere als nebensächlich: Schliesslich steht es für rund 85 000 Arbeitsplätze und damit für einen systemrelevanten Teil der Schweizer Wirtschaft.