Swiss Arc Award 2026: Neun Mal herausragende Architektur geehrt
Gestern Abend war es im Trafo Baden so weit: Der Swiss Arc Award wurde vergeben, mittlerweile zum dreizehnten Mal. Er soll herausragende Leistungen von Schweizer Architekturschaffenden würdigen und Impulse für die Zukunft des Bauens setzen.
Quelle: Swiss Arc Award
Die diesjährigen Auszeichnungen zeigten, wie vielfältig sich die Disziplin mit den Herausforderungen der Gegenwart auseinandersetze – vom sorgfältigen Umgang mit bestehender Bausubstanz bis zu innovativen Ansätzen für neue Lebens- und Arbeitsräume, heisst es dazu in der Medienmitteilung.
Insgesamt sind Projekte in acht Kategorien mit einem Award geehrt worden, daneben wurde ein Lifetime Achievement Award vergeben. Letzteren erhielt heuer Roger Diener von Diener & Diener für sein Lebenswerk. Mit seinen Bauten prägt er laut Jury die zeitgenössische Architektur seit Jahrzehnten weit über die Landesgrenze hinaus. Sein Werk verbinde eine präzise Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort und dessen Geschichte mit einer eigenständigen architektonischen Haltung.
Mitglieder der vierköpfigen Jury sind Dominique Salathé, Professor am Institut Architektur an der FHNW und Gastdozent an der EPFL und Ludovica Molo, Direktorin des “i2a istituto internazionale di architettura” in Vico Morcote und freischaffende Architektin. Ebenso mit dabei: Roger Boltshauser, Inhaber der Boltshauser Architekten AG in Zürich und der Boltshauser Architektur GmbH in München sowie neben anderem Professor an der ETH, und Remo Derungs, Präsident der VSI.ASAI und Professor an der SUPSI.
Der Weg zur Auszeichnung führte über ein mehrstufiges Juryverfahren: Aus den eingereichten Projekten wurden 42 Arbeiten für die Shortlist nominiert. Die vierköpfige Fachjury prüfte die Projekte und bestimmte die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger.
Publikumspreis für Schule Wiesental in Baar ZG
Daneben wurde ein Publikumspreis unabhängig von der Fachjury von den Leserinnen und Lesern von Swiss Arc vergeben. Dieses Jahr waren sich Publikum und Jury allerdings einig: Die Schule Wiesental in Baar landete sowohl beim Publikum auf dem ersten Platz als auch bei der Jury, die sie in der Kategorie Bildung & Gesundheit mit dem Award ehrte. Damit wurde erstmals ein Projekt in zwei Kategorien ausgezeichnet.
Die Preisverleihung fand im Trafo Baden vor über 500 geladenen Gästen aus Architektur, Planung und Bauwirtschaft statt. Nach der feierlichen Ehrung der Gewinnerinnen und Gewinner standen am “Get-together” der persönliche Austausch und die Diskussion über die Zukunft des Bauens im Mittelpunkt.
Hinter dem Award steht die Infopro Digital Schweiz, sie ist ebenfalls Herausgeberin des Baublatts. (bb/mgt)
Quelle: Federico Farinatti
Publikumspreis und Kategorie Bildung & Gesundheit: Schule Wiesental in Baar ZG.
Schule Wiesental in Baar ZG
Kategorie: Bildung & Gesundheit | Publikumspreis
PENZISBETTINI Architekten
Bei der Schulanlage Wiesental fügen sich mehrere Baukörper zu einem stimmigen Ensemble, das den Massstab der Umgebung aufnimmt und zugleich eine eigenständige Identität entwickelt. Grosszügige Freiräume durchziehen die Anlage und machen sie zu einem Campus. So ist kein Schulkomplex im klassischen Sinn entstanden, sondern ein vielschichtiges Gefüge aus Häusern, Höfen und Wegen. Holz dient als konstruktives und räumliches Leitmotiv. Die zwei obersten Schulgeschosse bilden einen 50 Meter langen Fachwerkträger, der eine Dreifachturnhalle überspannt. Die Trennung in Tragstruktur und sekundäre Wände ermöglicht künftige Anpassungen. Die Schulanlage zeigt, wie sich ein umfangreiches Raumprogramm in eine präzise architektonische und städtebauliche Ordnung übersetzen lässt.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Quelle: Roland Bernath
Kategorie Wohnen: Wohnüberbauung Buchholzstrasse in Zürich von EMI Architekt*innen.
Wohnüberbauung Buchholzstrasse in Zürich
Kategorie: Wohnen
EMI Architekt*innen
Mit der Wohnüberbauung Buchholzstrasse haben EMI Architekt*innen das durchgrünte Zürcher Quartier Witikon überzeugend verdichtet. Acht miteinander verkettete, rautenförmige Häuser bilden eine vielgliedrige Grossform mit differenzierten Aussenräumen, welche die bestehenden Bäume einbindet. Im Inneren sind helle Wohnungen mit überraschenden Raumfolgen und vielfältigen Blickbezügen entstanden, die das Wohnen immer wieder mit der Umgebung verknüpfen. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie qualitätsvoller Wohnungsbau zugleich städtebauliche Prägnanz, räumliche Vielfalt und ein hohes Mass an Wohnlichkeit schaffen kann.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Quelle: Lorenz Cugini
Kategorie Innenarchitektur: Liturgisches Mobiliar Kirche St. Anna in Schindellegi SZ von Frédéric Dedelley, Design & Innenarchitektur.
Liturgisches Mobiliar Kirche St. Anna in Schindellegi
Kategorie: Innenarchitektur
Frédéric Dedelley, Design & Innenarchitektur
Für die neobarocke Kirche St. Anna in Schindellegi hat Frédéric Dedelley neues liturgisches Mobiliar aus erratischen Blöcken geschaffen. Findlinge aus dem Rheintal wurden mit wenigen, präzis gesetzten Schnitten zu Altar, Ambo, Osterkerzenständer und Taufstein verarbeitet. Geschliffene, polierte Flächen treffen dabei auf rohe, naturbelassene Steinoberflächen und führen das barocke Spiel organischer und geometrischer Formen in einer zeitgemässen Interpretation weiter. Während der Barock eine ästhetisierte Interpretation der Natur anstrebte, zähmt das Konzept die reale Natur und überführt sie in Geometrie. Der so umgestaltete Chorraum lebt vom Kontrast zwischen jubelndem Überfluss und ruhiger Schlichtheit.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Quelle: Paola Corsini
Kategorie Innenarchitektur: Liturgisches Mobiliar Kirche St. Anna in Schindellegi SZ.
Postautowendeplatz und Parkhaus in Soglio
Kategorie: Freizeit & Lifestyle
Ruinelli & Associati Architetti
Mit dem Postautowendeplatz und Parkhaus in Soglio geben Ruinelli & Associati Architetti dem historischen Dorfzugang Clüs eine neue architektonische Identität. Der trapezförmige Baukörper folgt dem Gelände und stemmt sich zugleich dem Abgrund entgegen. So ist ein verankert wirkendes Volumen entstanden, das einen Dialog mit einem benachbarten Turmhaus etabliert. Anthrazitfarbene Betonpfeiler rhythmisieren drei der Fassaden und bilden damit eine Art abstrakte Säulenhalle, in die Licht dringt und die umliegende Landschaft sichtbar macht. Das Dach ist ein gepflasterter Platz, der Ausblicke bietet und zum Verweilen einlädt. Eine Steintreppe führt hinauf ins Dorf, wobei der Blick auf einen Glockenturm den Weg weist.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Quelle: Hannes Henz
Kategorie Transformation: Umnutzung Radiostudio Brunnenhof zur Schule in Zürich.
Umnutzung Radiostudio Brunnenhof zur Schule in Zürich
Kategorie: Transformation
spillmann echsle architekten
Das ehemalige Radiostudio Brunnenhof im Zürcher Kreis 6 – in den 1930er-Jahren von Otto Dürr als erstes spezifisches Radiogebäude der Schweiz erbaut und 1967 durch Max Bill und Willy Rost erweitert – wurde von spillmann echsle architekten in eine Schulanlage transformiert. Die hervorragende Akustik der Säle ermöglicht eine Doppelnutzung durch Sekundarschule und Musikkonservatorium. Neue Lernlandschaften im Turmbau, die Umnutzung des Tonarchivs zum Bewegungsraum sowie eine grosszügige neue Treppenanlage, die das Sockelgeschoss mit den Schulräumen der Obergeschosse verbindet, schaffen zeitgemässe Bildungsräume in der historischen Bausubstanz. Ein einladendes Vordach markiert den neuen Haupteingang und verweist auf den bauzeitlichen Zugang von Dürr.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Quelle: Simone Menges
Kategorie Arbeit, Produktion & Infrastrukturbauten: Büro- und Wohngebäude Willy-Brandt-Strasse in Hamburg.
Büro- und Wohngebäude Willy-Brandt-Strasse in Hamburg
Kategorie: Arbeit, Produktion & Infrastrukturbauten
Christ & Gantenbein
Im Zentrum Hamburgs, am Kopf der «Holzbrücke» zwischen der sechsspurigen Willy-Brandt-Strasse und dem Nikolaifleet, haben Christ & Gantenbein ein neues Büro- und Wohngebäude realisiert. Architektonisch vermittelt es zwischen traditionellen Fleethäusern und zeitgenössischen Grossbebauungen. Zwei ausdifferenzierte Volumen prägen den Bau: Ein höherer Büroteil mit einem dichten Fassadenraster akzentuiert die Ecksituation, während der anschliessende Wohntrakt breitere Erker aufweist. Halbrunde Lisenen rhythmisieren die Fassaden und verweisen auf den Backsteinexpressionismus des 20. Jahrhunderts. Die handgefertigten Ziegel stammen aus einem Werk in der Elbmarsch. Grüne Fensterrahmen harmonieren mit dem roten Mauerwerk und verleihen dem Gebäude eine zurückhaltende Erscheinung.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch
Lifetime Achievement Award: Roger Diener
Quelle: Jørg Himmelreich
Roger Diener prägt seit fünf Jahrzehnten die Architektur der Schweiz mit einer Haltung, die das Neue stets im Verhältnis zum Vorhandenen denkt. Seine Bauten verbinden typologische Präzision, städtebauliche Kontinuität und eine zurückhaltende architektonische Sprache, die nicht nach Aufmerksamkeit sucht, sondern den Ort stärkt.
Mit Diener & Diener hat er insbesondere den Wohnungsbau und den Umgang mit der historisch gewachsenen Stadt entscheidend mitgeprägt. Der Lifetime Achievement Award ehrt einen Architekten, Lehrer und Stadtdenker, dessen Werk zeigt, wie Architektur zugleich eigenständig und selbstverständlich, zeitgenössisch und der Geschichte verpflichtet sein kann. (mgt)
Next Generation Award
Studio Foundations – integrativer Erstjahreskurs
ETH Zürich
Mit den Studio Foundations hat die ETH Zürich ihren Erstjahreskurs grundlegend neu ausgerichtet und reagiert damit auf die veränderten Anforderungen an den Architekt*innenberuf. Im Zentrum steht eine gemeinsam getragene Entwurfs- und Diskussionskultur, in der unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und Fragestellungen inter- und transdisziplinär untersucht werden. Konstruktion, Tragwerk, Energie und Klima sowie gesellschaftliche Aspekte werden dabei nicht isoliert, sondern als gleichwertige Bestandteile des architektonischen Entwurfs verstanden. Die ersten Arbeiten zeigen, wie aus dieser Vielfalt eine solide Grundlage für eine verantwortungsbewusste und zugleich experimentierfreudige neue Generation von Architekt*innen entstehen kann.
Weitere Informationen zum Projekt auf www.swiss-arc.ch