09:55 BAUBRANCHE

Studie: Mitwirkung von Kindern bei Bauvorhaben in der Schweiz lückenhaft

Teaserbild-Quelle: Vitolda Klein, Unsplash

Die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen bei Bau- und Planungsvorhaben ist in vielen Schweizer Gemeinden nicht systematisch verankert. Eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt, dass die Partizipation oft vom Engagement einzelner Personen abhängt und es an Wissen zur Umsetzung fehlt.

Junge mit Bauhelm

Quelle: Vitolda Klein, Unsplash

Gemäss der Studie der ZHAW und des Uno-Kinderhilfswerks Unicef Schweiz und Liechtenstein ist die Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen bei Bau- und Planungsvorhaben in vielen Schweizer Gemeinden lückenhaft.

Kinder und Jugendliche seien direkt von der Gestaltung des öffentlichen Raums betroffen, etwa bei der Verkehrsplanung, bei Grün- und Freiflächen oder Quartieren. In Planungs- und Bauprozessen würden sie jedoch meist nur punktuell einbezogen, heisst es in der am Montag veröffentlichten Studie des Uno-Kinderhilfswerks Unicef Schweiz und Liechtenstein und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen finde in zwei weitgehend getrennten Bereichen statt. Einerseits gebe es im Rahmen von Planungs- und Bauprojekten formelle Mitwirkungsverfahren, andererseits alltagsnahe Beteiligungsformen in Schulen oder in der Jugendarbeit. Diese beiden Bereiche seien jedoch selten miteinander verknüpft, heisst es im Communiqué.

Partizipation verbindlich verankern

Ein zentrales Problem sei die fehlende verbindliche Verankerung der Partizipation. Ob Kinder und Jugendliche einbezogen würden, hänge häufig vom Engagement einzelner Personen ab. Ohne klare Zuständigkeiten, politische Mandate und genügend Ressourcen bleibe die Mitwirkung fragil.

Sie könne bei personellen oder politischen Wechseln wegfallen. «Viele Gemeinden wollen Kinder und Jugendliche einbeziehen. In der Praxis fehlt es aber an Wissen und Erfahrung, wie die Mitwirkung wirkungsvoll umzusetzen ist», wird Nadine Junghanns von Unicef in der Studie zitiert.

Die Untersuchung stellte zudem deutliche Unterschiede zwischen den Gemeinden fest. Grössere Gemeinden verfügten öfter über etablierte Strukturen. Sie stünden jedoch vor Herausforderungen bei der Koordination und Abstimmung. Kleinere Gemeinden profitierten von kurzen Wegen, litten aber stärker unter knappen Ressourcen.

Bessere Projekte dank Mitwirkung

Gleichzeitig belegt die Studie gemäss Mitteilung die Vorteile der Partizipation. Wenn Kinder und Jugendliche in die Planung einbezogen würden, entstünden Orte, die besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmt seien und eine höhere Akzeptanz hätten – auch bei älteren Generationen. Gemeinden mit Erfahrung berichteten von Lernprozessen und einer zunehmend partizipationsfreundlichen Verwaltungskultur.

«Wenn Kinder und Jugendliche aktiv in Planungs- und Bauprozesse einbezogen werden, entstehen Räume, die nicht nur funktional, sondern lebendig und vielfältig sind. Partizipation ist damit ein Bestandteil guter Gemeindekultur und eine Chance, Planungsprozesse qualitativ weiterzuentwickeln», sagt Junghanns.

Damit die Partizipation nachhaltig gelinge, formulierten die Studienautoren mehrere Forderungen. Es brauche eine klare politische Verankerung und verbindliche Zuständigkeiten. Weiter seien ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sowie eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungsabteilungen nötig. Die Beteiligung müsse zudem frühzeitig über alle Projektphasen hinweg erfolgen.

Die Studie basiert auf einer quantitativen Umfrage unter allen Gemeinden in der Schweiz und in Liechtenstein sowie in allen Kantonen und auf vertiefenden Expertengesprächen aus zehn Gemeinden unterschiedlicher Grösse und Sprachregion. (sda/pb/mgt)

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