20:06 BAUBRANCHE

Stromversorgung: Swissgrid plant für die Zukunft

Teaserbild-Quelle: Didgeman, Pixabay-Lizenz

Zwei Drittel des Schweizer Stromnetzes sind über 40 Jahre alt. Mit dem Plan „Strategisches Netz 2040“ will Swissgrid das Netz für künftige Anforderungen fit machen. Unter anderem soll zuerst das bestehende Netz optimiert und verstärkt werden. Es werde nicht auf Vorrat gebaut.

Während die Anforderungen an die Infrastruktur und an einen sicheren Betrieb des Stromnetzes im Zuge der Energiewende steigen, hat sich die Modernisierung des Netzes laut Swissgrid in den letzten Jahrzehnten verlangsamt: Zwei Drittel des insgesamt 6700 Kilometer umfassenden Netzes stammten aus der Zeit vor 1980, schreibt die nationalen Netzwerkorganisation in ihrer Medienmitteilung.

Damit das Stromnetz künftige Anforderungen erfüllen kann, erstellt Swissgrid mit dem sogenannten Strategischen Netz regelmässig einen Mehrjahresplan. Voraussichtlich will ihn Swissgrid im November mit dem „Strategischen Netz 2040“ aktualisieren. Dafür orientiert sich die Netzwerkgesellschaft an sechs Grundsätzen.

  1. „Umweltbeeinflussungen minimieren“
     Es werde nicht auf Vorrat gebaut, schreibt Swissgrid. Wo möglich will die Netzwerkorganisation zuerst das bestehende Netz optimieren und dieses bei Bedarf verstärken. Dauerhaft nicht benötigte Leitungen und Unterwerke sollen nach Möglichkeit rückgebaut und bei der Suche nach dem besten Leitungskorridor sowie der Wahl der Übertragungstechnologie (Freileitung oder Erdkabel) die Auswirkungen auf die Umwelt aber auch auf technische und wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt werden. Wo möglich, werden Synergien genutzt und Infrastrukturen gebündelt.
  2. „Zukünftige Netzengpässe vermeiden“
    Netzengpässe sollen durch Optimierung, Verstärkung und Ausbau des Netzes behoben werden. Dabei will man sich bei Swissgrid auf Erkenntnisse aus dem aktuellen Netzbetrieb stützen sowie auf eine Netzsimulation fürs Jahr 2040.
  3. „Dynamische Netzstabilität gewährleisten“
    Grosse Generatoren stabilisieren mit ihrer Massenträgheit die Frequenz des Stromnetzes. Der Rückbau von Grosskraftwerken in Europa reduziere die rotierende Masse am Übertragungsnetz, heisst es in der Medienmitteilung. Mithilfe von Stresstests wollen Swissgrid und die Übertragungsnetzbetreiber anderer Länder überprüfen, ob die Netzstabilität künftig noch gewährleistet ist oder ob im Rahmen der Netzplanung Massnahmen ergriffen werden müssen.
  4. „Flexibilität von Speichern, Erzeugern und Verbrauchern berücksichtigen“
    Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz, dezentraler Verbrauchssteuerung und smartem Peak Shaving soll in der Photovoltaik- und Windproduktion Potenzial für mehr Flexibilität geschaffen werden. Bei Peak Shaving respektive bei der Laststpitzenverkappung geht es darum, dass die Leistungsspitzen etwa mittels Lastverschiebung, Lastabwurf oder Energiespeichersystemen gekappt wird. – Das Potenzial könne Swissgrid aber nur dann berücksichtigen, wenn es sich jederzeit von Swissgrid aktiviert und genutzt werden könne. Hierfür müssten regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen, Produkte entwickelt und Verträge abgeschlossen werden, schreibt Swissgrid.
  5. „Positives Kosten-Nutzen-Verhältnis sicherstellen“
    Kostet ein Netzprojekt mehr als eine Million Franken, will Swissgrid einen einheitlichen Kosten-Nutzen-Vergleich erstellen. Dies, damit bei einem Projekt der Nutzen verschiedener Kriterien je nachdem monetär, quantitativ oder qualitativ ausgewiesen werden kann.
  6. „Transparent kommunizieren“
     Swissgrid will die langfristige Netzplanung mit allen relevanten Stakeholdern koordinieren, wie den Übertragungsnetzbetreibern der Nachbarländer, den Verteilnetz- und Kraftwerksbetreibern sowie dem  Bundesamt für Energie und der Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom). Das Vorgehen und die Resultate der strategischen Netzplanung soll laut Swissgrid „transparent und nachvollziehbar“ kommuniziert werden.

(mgt/mai)

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