Steinbruch «Gabenchopf West» in Villigen AG wird erweitert
Er gilt als einer der grössten Kalksteinbrüche der Schweiz: der Steinbruch «Gabenchopf West» in Villigen AG. Nachdem der Grosse Rat gestern die entsprechende Anpassung des Richtplans klar gutgeheissen hat, kann er erweitert werden. Damit bleibt der Kanton Aargau weiterhin ein wichtiger nationaler Baustofflieferant.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / DES_00-0153-01 / Fotograf: Heinz Leuenberger
Der Steinbruch Gabenkopf in Villigen ist einer der grössten Kalksteinbrüche der Schweiz. (Aufnahme von 2000).
Er gilt als einer der grössten Kalksteinbrüche der Schweiz: der Steinbruch im Gebiet «Gabenchopf West» im aargauischen Villigen. Holcim baut hier seit 1955 Kalkstein und Mergel ab, dieses Gestein liefert die Grundlage für die Zementherstellung im Werk Siggental in Würenlingen, es produziert rund 20 Prozent des in der Schweiz hergestellten Zements. 2019 hatte Holcim von der Gemeinde die Bewilligung zur Erweiterung erhalten, was laut dem Konzern die Rohstoffversorgung des Zementwerks bis etwa 2030 sicherstellt. - Gemäss Kanton umfassen die Rohstoffreserven ein Volumen von rund 18 Millionen Kubikmetern.
Um Betrieb und Herstellung auch für die nächsten 15 Jahre zu gewährleisten, will Holcim das Abbaugebiet erweitern und hat dazu die Festsetzung des Gebiets «Gabenchopf West» im Richtplan beantragt. Gestern erteilte der Grosse Rat nun den Plänen des Zementriesen grünes Licht und segnete die dafür nötige Richtplananpassung mit 116 zu 12 Stimmen ab. Aktuell erstreckt sich der Steinbruch über eine Fläche von rund 66 Hektaren, mit der Erweiterung kommen im Westen des Arteals rund elf Hektaren im Westen hinzu.
Die Erweiterungsfläche liegt vollständig im Wald sowie im Perimeter des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Laut Regierungsrat ergab die Prüfung von alternativen Standorten, dass der Standort «Gabenchopf West» die geringsten Eingriffe in Natur und Umwelt verursacht.
Den Bedarf an Zementstoffen aus dem Inland decken
Die Erweiterung am bestehenden Standort sei sinnvoll, so das Fazit der Standpunkte von Mitte, EVP, GLP, FDP und SP. Es wurde festgehalten, dass die Erweiterung des Steinbruchs ein erheblicher Eingriff in die Natur, Umwelt und Landschaft sei. Aber die Infrastruktur, darunter eine Transportluftseilbahn, sei vorhanden, und es werde kein Siedlungsgebiet beeinträchtigt. Der Bedarf an Zementrohstoffen solle möglichst aus dem Inland gedeckt werden. Die Grünen wiesen auf die hohe CO2-Belastung bei der Zementproduktion hin. Daher müsse der Zementverbrauch gesenkt werden. Nach dem Grundsatzentscheid des Parlaments zur Anpassung des Richtplans werden die Detailfragen wie der Waldersatz und die Umweltverträglichkeit bei den nun folgenden Nutzungs-, Baubewilligungs- und Rodungsverfahren geklärt.
Im April 2022 hatten Klimaaktivisten auf dem Gebiet des Steinbruchs ein unbewilligtes Protestcamp errichtet. Die Polizei löste den Protest nach wenigen Stunden auf.(mai/sda/mgt)