11:08 BAUBRANCHE

Sprengung zum Schluss: Deponie Bonfol verschwindet endgültig

Teaserbild-Quelle: Foto: Claudia Bertoldi

Jahrelang dominierte die riesige Halle der Sondermülldeponie das Ortsbild der kleinen Gemeinde Bonfol im Jura. Seit Freitag ist der markante Bau wieder verschwunden: Die grossen Hallenbögen wurden mittels Schnittsprengung beseitigt.

Der Rückbau der Sanierungsinfrastruktur der Sondermülldeponie Bonfol schreitet sichtbar voran. Nach langer und detaillierter Vorbereitung wurden am vergangenen Freitag um 11.07 Uhr mittels gezielter Schnittsprengungen die grossen Bögen der Aushubhalle erfolgreich demontiert. Drei kurze Signaltöne kündigten die Zündung an, dann folgte der Knall der ersten Sprengung. Diese kappte die massiven Stahl-Zugbänder unterhalb des Hallendachs, welche die unter Spannung stehenden Hallenbögen hielten. Als die Zugbänder nachgaben, spannten sich die Bögen auf und drückten die östliche Seitenkonstruktion der Halle nach aussen. Mit der 25 Millisekunden darauf folgenden zweiten Sprengung wurde an ausgewählten Stellen die Aufhängung des Hallendachs durchtrennt. Rasch kamen die Hallenbögen und die Stahlkonstruktion in Bewegung und die markante Hallenkonstruktion fiel kontrolliert zu Boden.

Ein über 100köpfiges Publikum beobachteten dieses Ereignis aus sicherer Entfernung vom CISA Technoparc aus. Dort hatte die BCI-Betriebs-AG einen offiziellen Publikumsplatz errichtet. Zusätzlich wurden Live-Bilder der Sprengung auf eine Videoleinwand übertragen. „2008 wurde mit dem Errichten dieser einmaligen Hallenkonstruktion aus neun Bögen mit 40 Metern Höhe für alle sichtbar, dass die Sanierung der Deponie beginnt", erklärte Michael Fischer, Geschäftsführer der BCI-Betriebs-AG. Nun seien die Abfälle ausgehoben und die Aushubhalle verschwinde wieder. Damit sei ein weiterer wichtiger Meilenstein in diesem ausserordentlichen Sanierungsprojekt erreicht. Der Rückbau der restlichen Infrastruktur soll noch rund anderthalb Jahre dauern. Die Hallenkonstruktion war vor mehr als acht Jahren passgenau für die Sanierung in Bonfol entwickelt und gebaut worden. Weil keine neue Verwendung gefunden werden konnte, wäre eine Demontage mit Kränen zeitintensiver und auch aufwändiger in Bezug auf die Arbeitssicherheit, und daher letztlich auch teurer gewesen.

Spezialisten für den Abriss

Der Abbruch einer Stahlhalle dieser Dimension mittels Schnittsprengung ist eine Premiere in der Schweiz. Das Groupement DIB (Marti/Züblin) hat die GU-Sprengtechnik AG beauftragt, um die über 2200 Tonnen schwere Stahlkonstruktion kontrolliert zu Fall zu bringen. Zu diesem Zweck wurden an statisch wichtigen Stellen Schneidladungen angebracht. Der darin enthaltene Sprengstoff erhitzt einen Kupferkörper auf 4000 Grad Celsius. Das Kupferplasma wird unter 150 000 bar Druck wird mit rasanter Geschwindigkeit davongeschleudert und zertrennt selbst stabilste Stahlteile. Dank dieser Methode mussten nur rund 19 Kilogramm Sprengstoff verwendet werden für 47 Sprengladungen.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Der Sprengung war eine intensive Vorbereitungen voraus gegangen. Neben den statischen Berechnungen wurden Probesprengungen durchgeführt. Industriekletterer hatten bei der Vorbereitung an definierten Punkten Streben und Verbindungen gelöst und die Stahlkonstruktion so für die Sprengung „vorgeschwächt“.

Mit der gewählten Variante der Schnittsprengung hat man sich für die effizienteste und sicherste Methode entschieden. „Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass nur eine beschränkte Anzahl an Höhenarbeiten auszuführen sind und nach der Sprengung, trotz dem Zusammenfallen der Stahlkonstruktion, nur wenige unter Spannung stehende Teile am Boden liegen werden. Das bedeutet einen grossen Sicherheitsgewinn für die Demontage und die anschliessenden Zerkleinerungsarbeiten“, so Urs Haller, Projektleiter beim Groupement DIB.

In den nächsten Wochen erfolgt die Zerkleinerung der Stahlteile in transportierbare Stücke mittels Hydraulikscheren und Schneidbrennern. Der Stahl wird recycliert. Parallel dazu erfolgt der Abbruch der Betonbauten und Hallenfundamente. Auch hier wird der Beton dem Recycling zugeführt. Bis Ende 2017 sollen die grössten Rückbauarbeiten abgeschlossen sein. (pd/cb)

Die eindrückliche Sprengung auf einem Video unter: www.bci-info.ch

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