11:07 BAUBRANCHE

Quartalsbericht 2/2020: Branche setzt zur Erholung an

Teaserbild-Quelle: Claudia Bertoldi

Angesichts der Corona-Pandemie und der Eindämmungsmassnahmen gehen Prognosen für die Schweiz von einem starken Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung im 2. Quartal aus. Erstaunlich positiv entwickelte sich vor diesem Hintergrund das Schweizer Bauhauptgewerbe. Der Hochbau konnte sich stabilisieren, einzelne Segmente wie der Industriebau legten sogar zu.

Das Schweizer Bauhauptgewerbe konnte sich im 2. Quartal überraschend gut behaupten. Gegenüber dem 1. Quartal erhöhte sich die Bausumme für geplante Hochbauprojekte um 2,9 %. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging die auf Basis von Gesuchen ermittelte Summe noch um 2,0 % zurück, nach einem Minus von 9,5 % in den drei Anfangsmonaten. Im Vergleich zum Vorquartal gingen auch mehr Baugesuche ein (+14,6 %), gegenüber dem Vorjahresquartal waren es +7,6 %. 

Es gab Befürchtungen, dass die Unsicherheiten im Gefolge des Lockdown Immobilieninvestoren zu mehr Zurückhaltung bei Bauvorhaben veranlassen könnten. Denn die Bestimmungen von Regierungen zur Eindämmung des Coronavirus fielen zeitlich vor allem auf das zweite Quartal, auch war die Intensität der Vorkehrungen im Frühjahr am stärksten. 

Auch beim Wohnbau gab es im 2. Quartal Anzeichen für eine sachte Erholung. Die Gesamtsumme lag gegenüber der Vorjahresperiode 2,4 % im Minus nach einem Rückgang von 8,9 % im 1. Quartal. Stark geprägt ist die Entwicklung des Wohnbaus jeweils vom Segment Mehrfamilienhäuser (MFH), dessen Bausumme rund zwei Drittel des Investitionsvolumens in Wohngebäude ausmacht. 

Wohnbau nur noch leicht im Minus

Bei der geplanten Projektsumme für den Bau von Wohnrenditeliegenschaften betrug die Korrektur gegenüber dem Vorjahresquartal -4,9 %, deutlich stärker waren die Einbrüche wiederum im Vorquartal (-11,6 %), aber auch im Schlussquartal (-13,5 %), wie die Zahlen der Docu Media Schweiz GmbH zeigen. In den vergangenen drei Monaten war mehr das Umbaugeschäft (-5,7 %) vom Rückgang betroffen als die geplante Neubausumme (-4,7 %), auf die vier Fünftel der projektierten Investitionen des Segments entfallen. Auf überdurchschnittlich hohe Niveaus entwickelten sich in den letzten Quartalen die Umbauquoten in den Kantonen Bern, Graubünden, Genf und Waadt.

Trotz der künftig möglichen Abschwächung bei der Wohnbautätigkeit, hält Wüest Partner einen weiteren Anstieg der Mietwohnungsleerstände für wahrscheinlich. Als Grund führt das Beratungsunternehmen die geringere Zuwanderung an, da wegen eines zu erwartenden Rückgangs bei den Arbeitsplätzen mit einem Bevölkerungswachstum von noch 0,5 % zu rechnen ist, was einer Zunahme von rund 40 000 Personen entspricht, nach 60 000 Zuzügern im letzten Jahr.

Insgesamt zeigt sich der Immobilienmarkt in der Krise erstaunlich robust. Im Juni sind die in Inseraten ausgeschriebenen Mietpreise schweizweit leicht gesunken um 0,1 % und ist die Nachfrage nach Mietwohnungen konstant geblieben, wie der von Immoscout24 in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen IAZI erstellte Swiss Real Estate Offer Index (SREO-Index) ausweist. In der Zentralschweiz sind die Angebotsmieten überdurchschnittlich um 0,6 %, in der Ost- und Nordwestschweiz um 0,3 % gestiegen. Der Kanton Zürich entwickelte sich im Durchschnitt. In der Genferseeregion sank der Index aber um 0,3 % (Tessin: -1,0 %). Die wachsende Zahl an Inseraten spreche aber für eine rege Marktaktivität. 

Ebenfalls einen Anstieg der Angebotsmieten zeigt der von Homegate und der Zürcher Kantonalbank erhobenen Mietindex (knapp 0,2 %) Im Kanton Genf und in der Stadt Zürich betrug das Plus 1,3 % und in Schwyz 1,0 %, Rückgänge gab es letzten Monat in Obwalden (-0,6 %) und Freiburg (-0,4 %).

Ab hier ist dieser Artikel nur noch für Abonnenten vollständig verfügbar.

Jetzt einloggen

Sie sind noch nicht Abonnent? Übersicht Abonnemente

Autoren

Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

Tel. +41 44 724 78 61 E-Mail

Anzeige

Quartalsberichte

Anhand von Baugesuchen und der Summen geplanter Hochbauprojekte oder weiterer Daten, die von der Docu Media Schweiz GmbH systematisch erfasst werden, bieten die Quartalsberichte statistische Analysen zur regionalen Bautätigkeit in der Schweiz und in einzelnen Marktsegmenten. Gegenstand der Baublatt-Analyse bilden auch Hintergrundinformationen zur konjunkturellen Entwicklung in den wichtigsten Industrieländern.

Dossier

Besondere Orte

Besondere Orte

Ob schwimmende Bücher, Schlumpfhausen oder die Geschichte eines Pöstlers, der sich einen Palast baut. In der Serie «Besondere Orte» stellen wir in loser Folge spektakuläre oder besonders bemerkenswerte Plätze, Bauten und Geschichten auf der ganzen Welt vor.

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.