17:00 BAUBRANCHE

Der Masterplan für die Bauprofis von heute und morgen

Geschrieben von: Peter Weiss (pew)
Teaserbild-Quelle: SBV

Der Schweizerische Baumeisterverband schreitet bei der Umsetzung seines Masterplans zur Berufsbildung zügig voran. Mit der umfassenden Reform und modernisierten Berufsprofilen antwortet der SBV nicht nur auf den Fachkräftemangel in der Branche.

Digitalisierung auf dem Bau, Baupläne werden zunehmend auf dem Tablet gelesen.

Quelle: SBV

Pluspunkt Digitalisierung: Der künftigen Baukader-Generation kommt die Arbeit mit dem Tablet entgegen.

In den kommenden Wochen bereiten sich landesweit rund 140 angehende Bauführerinnen und Bauführer auf ihre Abschlussprüfung im April vor. Nach den Bauvorarbeitern, den Baupolieren und den Baumeistern werden nun auch sie die Ersten ihres Baukader-Berufs sein, die ihr Wissen und Können am Tag X in einer neuen Form unter Beweis zu stellen haben. Ihre Prüfungen stellen gleichsam eine weitere Wegmarke bei der Umsetzung des Masterplans «SBV-Berufsbildung 2030» dar. 

Dieser Masterplan beinhaltet eine umfangreiche Reform aller vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) anerkannten und von der Branche geforderten Berufsabschlüsse. Die Delegierten des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) erteilten im November 2022 den Auftrag zur Modernisierung der gesamten Aus- und Weiterbildung im Bauhauptgewerbe.  Danach machten sich diverse Arbeitsgruppen an die Revision und Entwicklung von Zulassungsbedingungen, Kompetenz- und Qualifikationsprofilen, Ausbildungsinhalten, Verantwortlichkeiten und Prüfungsordnungen. Nach deren Genehmigung starteten sukzessive die ersten Ausbildungen nach den neuen Vorgaben. Zentral für die Neugestaltung war gemäss dem Verband die Praxisorientierung, damit die Ausbildungen den aktuellen und künftigen Anforderungen entsprechen.

Aus Baupraktikerin wird Maurer EBA

Wohlgemerkt umfasst der Masterplan die gesamte Berufsbildung. So traten im Sommer 2025 auch die ersten angehenden Maurerinnen und Maurer ihre Lehre in veränderter Form an. Für ihren Beruf gibt es neu zwei Abschlüsse: Zur dreijährigen Ausbildung zum Maurer (EFZ) gesellt sich die zweijährige zum Maurer (EBA). Dieser Abschluss ersetzt den bisherigen Baupraktiker (EBA). Doch warum lancierte der Schweizerische Baumeisterverband im Verbund mit seinen Mitgliedern und den schulischen Ausbildungsstätten diese alle Stufen umfassende Reform, die mit dem Lehrbeginn der Maurer als vollständig implementiert gilt?

Baukader-Personen arbeiten an der frischen Luft.

Quelle: SBV

Arbeit im Freien auf der Baustelle: auch für viele Baukader-Personen ein wesentlicher Bestandteil ihres Arbeitslebens.

Franziska Frey, Leiterin Höhere Berufsbildung des SBV, erklärt im Gespräch am Hauptsitz des Verbands in Zürich: «Der Masterplan ist eine Antwort auf den Fachkräftemangel und die künftigen Herausforderungen auf dem Bau, etwa in Sachen Digitalisierung und Kommunikation. Das oberste Ziel ist, dass wir auch in Zukunft genügend gut ausgebildete Leute auf den Baustellen haben.» Darum betreffe die Reform auch die berufliche Grundbildung. 

Talentpool ist geschrumpft

Eine SBV-Publikation zur Entwicklung der Fachkräftesituation zeigt diesen Zusammenhang deutlich auf. Aus dem Papier geht hervor, dass die Zahl der Maurer-Lehrlinge im Laufe des vergangenen Jahrzehnts massiv schrumpfte: Traten 2010 landesweit noch über 1200 Jugendliche nach der Oberstufe eine Maurerlehre an, so waren es 2019 nur noch deren 700. Der Anteil jener, welche die Lehrabschlussprüfung bestanden, ging im selben Zeitraum um 3 auf 83 Prozent zurück. Und von den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen verliessen gemäss der Publikation je 39 Prozent den Beruf oder bilden sich innerhalb der Branche weiter. 

Franziska Frey vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV)

Quelle: zvg/SBV

Franziska Frey, Leiterin Höhere Berufsbildung des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV), sieht im neuen Masterplan viele Chancen für die Baubranche.

In Bezug auf den Nachschub an Baupolierinnen und Bauvorarbeitern bedeutet das: Der Pool, aus dem sich die Talente für die Positionen im Baustellenkader fischen lassen, ist in der jüngeren Vergangenheit markant geschrumpft. Schliesslich rekrutieren sich diese im aktuellen Berufsbildungssystem hauptsächlich aus ausgebildeten Maurern. «Genau deswegen haben wir die Zulassungsbedingungen und Profile für Baukader angepasst», legt Franziska Frey dar. «Das ermöglicht Baufirmen, auch in verwandten Berufsfeldern zu rekrutieren.» 

Es könnte teuer werden

Handkehrum wird die Nachfrage nach Führungskräften auf den Baustellen in der näheren bis mittleren Zukunft steigen. Dies mit Blick auf die Altersstruktur der aktuellen Stelleninhabenden. So waren im Jahr 2019 über 40 Prozent der Baupoliere und mehr als 35 Prozent der Bauvorarbeiter über 50-jährig. Sie alle dürften bis Mitte der 2030er-Jahre ihren Ruhestand antreten. Wie gross der Mangel an diesen Fachkräften am Ende tatsächlich ausfallen wird, hängt einerseits vom Bedarf ab, der sich aus der konjunkturellen Entwicklung der Baubranche ergibt. Andererseits verweist die Studie auf das grosse Potenzial durch weitere Technologisierung und Prozessoptimierung. Wird es konsequent genutzt, dürfte dies die Lücke bei den Fachkräften zumindest teilweise schliessen.

Ausbildung der Baukader

Quelle: SBV

Der neue, zentrale Lernort: Nach dem neuen Masterplan des SBV erfolgt ein Grossteil der Ausbildung der angehenden Baukader-Personen in ihren Betrieben.

Wie eine weitere, 2023 veröffentlichte Studie im Auftrag des SBV aufzeigt, könnte der Fachkräftemangel dereinst richtig ins Geld gehen. Bis 2040 könnte er dazu führen, dass jährlich Aufträge mit einem Volumen bis zu 800 Millionen Franken nicht realisiert werden. Solch langfristige Prognosen sind naturgemäss mit grosser Unsicherheit behaftet. Doch die Autorenschaft der Studie  konstatiert an anderer Stelle: «Bereits heutzutage besteht ein Fachkräftemangel, und er wird sich weiter verschärfen, weil der Bedarf wächst und das Angebot schrumpft.»

Mehr als der Lohn zählt

Der Masterplan zur Berufsbildung stellt gemäss Franziska Frey zwar eine wichtige Massnahme zur Linderung dar, doch bei weitem nicht die einzige. «Es ist ein Bündel an Faktoren, das zum Fachkräftemangel führt», sagt sie. «Dementsprechend sollte auch die Lösung ein Massnahmenbündel umfassen.» So sollen etwa neue Ansätze in der Lehrlingsbetreuung die Abbruch-Quote während der Ausbildung senken oder ganz generell die Branchentreue erhöhen. In diesem Zusammenhang verweist Frey auf einen Leitfaden des SBV, der zahlreiche Aspekte zur allgemeinen Steigerung der Attraktivität sowie zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz beinhaltet.

Praktische Kaderausbildung auf der Baustelle.

Quelle: SBV

Die Technik im Griff: Elektronische Instrumente sprechen die junge Generation auf den Baustellen an.

Doch letztlich liege es an den Betrieben, mit einem sinnstiftenden und wertschätzenden Umfeld die Firmentreue der Mitarbeitenden zu erhöhen. «Hohe Löhne werden in unserer Branche ja schon lange gezahlt, daran kann es nicht liegen», stellt Frey klar. Die Leiterin Höhere Berufsbildung des SBV führt aus: «Aus Studien und unseren Erfahrungen wissen wir, dass für die nachrückende Generation Anderes mindestens genauso wichtig ist. Etwa, dass sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen möchte, in ihrer Arbeit einen Sinn sucht, oder dass sie Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung braucht. Sonst springen die Talente ab.» In Sachen Sinn sieht sie die Baubranche bereits gut aufgestellt: «Wenn man abends sieht, wie der Bau fortgeschritten ist, oder wenn am Ende ein fertiges Gebäude vor einem steht, gibt das vielen eine echte Befriedigung.»

Praxisnähere Prüfungen

Der Masterplan zur Berufsbildung setzt beim Faktor Weiterentwicklung und Perspektiven an. Das fängt an bei den Ausbildungsinhalten und Berufsprofilen, die komplett überarbeitet und um neue, zukunftsträchtige Themen ergänzt wurden. So gehört beispielsweise das Bauen nach Prinzipen der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zur Ausbildung der Bauführer und Baupoliere nach dem neuen Masterplan. Eine inhaltliche Veränderung erfuhren auch die Prüfungen der Höheren Berufsbildung: Sie sind neu handlungskompetenzorientiert. «Das heisst, wir prüfen nicht einfach Fachwissen, sondern das Anwenden von Fach-, Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenzen. So sind wir modern und auf die Praxis ausgerichtet unterwegs», erklärt Franziska Frey. «Die Prüfungen stellen Wissen und Können auf die Probe, was unseren Leuten entgegenkommt.»

Baustelle von Neubau Kinder- und Frauenklinik Luks

Quelle: zvg, Luzerner Kantonsspital Luks

Auf klare Kommunikation kommt es an: Augenschein und Besprechung vor Ort auf der Baustelle.

Auf allen Stufen gelte es, möglichst realistische Alltagssituationen in den Prüfungen zu simulieren, beispielsweise eine erfolgskritische Situation. Was das bedeutet, erläutert Frey wie folgt: «Auf Stufe Baupolier könnte die Aufgabe zum Beispiel so aussehen: Die Betonpumpe auf der Baustelle geht kaputt, und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der Beton angeliefert wurde. Eine Lösung muss her, sonst steht der Bau still, und der Beton trocknet aus. Das würde teuer, und man muss erst noch neuen Beton bestellen. Was tun?» Lösungsvorschläge für solche und andere knifflige Situationen müssten die Prüflinge unter Einbezug ihrer eigenen Erfahrung erarbeiten und anschliessend präsentieren.

Das Beispiel stehe für die nun noch praxisnäheren Inhalte. «In den Prüfungen geht es jetzt um Fragen, die tagtäglich auf den Baustellen und im Büro vorkommen können – und die man nicht durch Auswendiglernen lösen kann», kommentiert Frey. 

Eidgenössisch einheitlich

Neben den Inhalten hat sich auch der Status zweier Prüfungen der Höheren Berufsbildung geändert. Angehende Bauvorarbeiter absolvieren neu eine eidgenössische Berufsprüfung, während eine eidgenössische höhere Fachprüfung bestehen muss, wer sich danach Bauführerin nennen möchte. «Für die Absolventinnen und Absolventen bedeutet das auf jeden Fall eine grosse Aufwertung», betont Frey. «Dass der Abschluss Bauvorarbeiter neu eidgenössisch ist, öffnet ihnen viele Türen.» Die landesweit einheitlichen Prüfungsinhalte böten den Arbeitgeberinnen eine bessere Sicherheit und Vergleichbarkeit im Rekrutierungsprozess.

Besprechung auf einer Baustelle

Quelle: Glenov Brankovic/Unsplash

Begutachtung vor Ort: Bei Bau-Kaderleuten sind kommunikative Qualitäten gefragt.

Auf dem Weg zu diesen Prüfungen und Abschlüssen der höheren Berufsbildung kommt den Bauunternehmen mit der Einführung des Masterplans eine Schlüsselrolle zu. Als neue, zentrale Lernorte sind sie gehalten, die Kader-Nachwuchskräfte während der rund zweijährigen Ausbildungszeit gezielt zu begleiten. Die Firmen sollen ihnen Praxiserfahrungen ermöglichen, damit sie das theoretische Wissen direkt anwenden können. Nach dem vorherigen Modell hatten sie ihr Wissen weitgehend bis vollständig schulisch erworben. Die angehenden Bauführer beispielsweise besuchten eine Höhere Fachschule. «Viele Absolventen haben dann nach zwei Jahren Vollzeit-Schule zum ersten Mal eine Baustelle geleitet», berichtet Frey, «je nach Arbeitslast im Unternehmen war das für einige sehr herausfordernd – auch auf dieser Stufe hat die Branche deswegen einige Berufsleute verloren.»

Baumeister müssen umdenken

Das neue System zielt nicht zuletzt darauf ab, auch diese Abgänge zu vermeiden. Aus Sicht der Betriebe liesse sich damit der Mehraufwand infolge der intensiveren Betreuung während der Ausbildung kompensieren. «Die Umsetzung findet Anklang», sagt Franziska Frey dazu. Auch wenn die Neuerung von den Unternehmen verlange, Althergebrachtes zu überdenken, neue Ausbildungsformen zu testen und die für sie stimmende einzuführen. «Eine One-size-fits-all-Lösung existiert nicht. Also muss jede Firma einen eigenen Weg finden.»  

Dabei können die Verbandsvertreter die Fragen von der Basis nachvollziehen. «Baumeister sind mehr Praktiker als Didaktiker – jetzt müssen sie sich aber überlegen, was sie ihren Baukader-Leuten in Ausbildung wann und wie beibringen», kommentiert Frey. «Das ist für sie erstmal etwas Neues und braucht seine Zeit. Wir vom SBV stellen der Branche diverse Materialien als Umsetzungshilfen zur Verfügung.»

Besprechung mit Plänen auf einer Baustelle

Quelle: Ronnakorn Triraganon/Unsplash

Noch halten einige Baukader-Leute ausgedruckte Baupläne in der Hand, doch mit weiterer Digitalisierung und optimierten Prozessen lässt sich Studien zufolge ein Teil des Fachkräftemangels beheben.

Für das Gelingen der Reformen sei das Zusammenspiel aller Akteure entscheidend. Neben den Unternehmen seien die Bildungsanbieter wichtige Partner. Für sie organisiert der SBV regelmässig Infoveranstaltungen. «So sorgen wir für eine intensive Auseinandersetzung mit den neuen Methoden und Formaten und fördern den Erfahrungsaustausch unter den Bildungsanbietern.» Gemessen an den Erfolgsquoten der ersten Absolventinnen und Absolventen, die ihre Prüfungen bereits nach der neuen Ordnung abgelegt haben, darf die Reform vorderhand als gut umgesetzt gelten. «Die Erfolgskurven sind relativ stabil», berichtet Frey. «Eine mehrjährige Tendenz lässt sich daraus natürlich noch nicht ableiten.»

Quereinsteigende anlocken

Ein weiterer Bestandteil des Masterplans ist die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Damit verbunden sind die Zulassungsbedingungen zu den Prüfungen. «Bis anhin waren sie eher restriktiv», schildert Frey. «Neu reicht ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in Verbindung mit der relevanten, geforderten Berufserfahrung aus, um sich zur Prüfung anzumelden.» Wohlgemerkt  gilt das auch für Absolventinnen und Absolventen aus anderen Berufsfeldern. Die Lockerungen zielen denn auch darauf ab, den Talentpool zu vergrössern, indem Quereinsteigende die Lücken auf dem Bau füllen. Doch wie realistisch ist es, dass Coiffeurinnen künftig im grossen Stil als Baupolierinnen auf der Baustelle alle Fäden in der Hand halten?

Schweizer Holzwolle aus Wattwil von der Lindner Suisse AG im Firmenporträt.

Quelle: zvg

Mit körperlicher Arbeit ganz ohne Fitnessabo die Muskeln stählen, wie hier beim Tragen einer Rolle mit Holzwollvliess zum Schutz eines Hangs vor Erosion - für manche Interessierte ein Argument für eine Berufslaufbahn auf dem Bau.

«Durch den Masterplan bekommen die Betriebe mehr Freiheit und Spielraum, wenn sie fähige Talente aus anderen Berufsbereichen rekrutieren und entwickeln möchten», führt Franziska Frey aus. «Dieser Schritt ist nicht einfach, und er ist mit Ausbildungsaufwand seitens der Baufirmen verbunden. Aber er ist nötig, wenn man die Entwicklung der Lernenden- und Fachkräftezahlen und den wachsenden Bedarf im Bauhauptgewerbe betrachtet.» Sie präzisiert: «Es gibt Fälle wie jenen mir bekannten einer Uni-Absolventin aus einem naturwissenschaftlichen Fach, die zuerst ein längeres Praktikum in einer Baufirma gemacht hat und dann ins Kader dieser Firma eingestiegen ist. Mit  Interesse, Geschick und Durchhaltewillen ist so etwas möglich.» In erster Linie kämen für den Quereinstieg ins Baukader aber Berufsleute aus bauverwandten Berufsfeldern infrage. 

Wieder mehr Maurer-Lehrlinge

Passt die Kombination aus beruflicher Vorbildung, angestrebter Bau-Kaderstelle und den Voraussetzungen im Unternehmen, so scheinen die Chancen auf eine schöne Bau-Karriere für Quereinsteigende gut zu stehen. «Es gibt durchaus eine signifikante Anzahl von Bauführern, die vorher im KV-Bereich gearbeitet haben», fügt Frey an. «Für Controlling, Dokumentation und Kommunikation bringen sie oft gute Kenntnisse mit. Und in einem gut aufgestellten Unternehmen stehen nicht sie alleine, sondern die Baupoliere und Bauvorarbeiterinnen vor Ort für die nötige technische Kompetenz.»

Ob der Masterplan zur Berufsbildung in Verbindung mit anderen Massnahmen dafür sorgen wird, dass die Fachkräfte-Lücke auf dem Bau nicht noch weiter aufklafft? Aktuell zeichnet sich eine Stabilisierung ab. Und der SBV hat bereits einen ersten Hoffnungsschimmer zu vermelden. Im Sommer 2025 starteten – nach der neuen Ordnung – erstmals seit geraumer Zeit wieder mehr Jugendliche die Ausbildung zur Maurerin oder zum Maurer (EFZ) als im Jahr zuvor. 

Nachgefragt... bei Patrick Imboden

Inhaber und Geschäftsführer Patrick Imboden von der Fischer Bauservice AG in Emmenbrücke

Quelle: zvg

Der 53-jährige Patrick Imboden ist Inhaber und Geschäftsführer der Fischer Bauservice AG. Das Unternehmen mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Sitz in Emmenbrücke ist schwerpunktmässig in den Bereichen Hochwasserschutz, Wasserschäden, Gebäudesanierung, Abdichtung sowie Renovation und Umbau tätig.

Patrick Imboden hat es vorgemacht: Nach seiner Maurerlehre avancierte er auf schnellstem Weg zum Baupolier und später zum Bauführer. Seit 13 Jahren ist der Luzerner Geschäftsführer und Inhaber eines Bauunternehmens mit 20 Mitarbeitenden. Die Reform der Baukader-Ausbildungen im Zuge des SBV-Masterplans begrüsst er aus eigener Erfahrung.

Patrick Imboden, mit Ihrem aussergewöhnlichen Werdegang sind Sie ein Paradebeispiel dafür, was mit einer soliden beruflichen Grundbildung und den Kader-Ausbildungen in der Baubranche alles möglich ist. Was hat Sie angetrieben, sich immer wieder fortzubilden und weiterzuentwickeln?

Ich habe einfach immer sehr gerne gearbeitet und wollte weiterkommen. So habe ich während der Maurerlehre gesehen, dass mir die Arbeit als Polier gefallen könnte, und sie mir als nächstes Ziel gesetzt. Schliesslich hatte ich schon in der Jungwacht Gruppen geleitet und gemerkt, dass ich gerne Verantwortung übernehme und führe. So ist es dann weitergegangen, Schritt für Schritt. Ganz so einzigartig ist meine Karriere aber gar nicht.

Das heisst?

Ich hatte Vorbilder, allen voran Hans Schmid. Er hat Maurer gelernt und aus dem Nichts eine Baufirma gegründet. Heute ist seine Schmid Gruppe in Ebikon, bei der ich 25 Jahre lang angestellt war, ein Imperium mit rund 350 Angestellten. Ausserdem war da noch mein Grossvater, der ebenfalls vom Maurer zum Firmengründer und Unternehmer wurde. Aber auch in der jüngeren Generation ist so etwas möglich: Dario Longhi, mein Geschäftspartner in der Fischer Bauservice AG, ist einen ganz ähnlichen Weg gegangen wie ich.

Was hat Ihnen auf diesem Weg geholfen, abgesehen von den Vorbildern?

Entscheidend war ganz klar das Credo der Familie Schmid, fähige Leute zu fördern. So bin ich immer auf offene Ohren gestossen, wenn ich die nächste Ausbildung, den nächsten Schritt machen wollte. Natürlich musste immer erst eine Stelle frei werden, zum Beispiel damals als Bauführer. In einer kleineren Firma hätte es da vielleicht keinen freien Platz gegeben. Aber das alles war auch kein Zuckerschlecken.

Welches waren denn die grössten Schwierigkeiten?

Die Handelsschule, die Bauführerschule, später auch das Nachdiplom-Studium in Betriebswirtschaft und Unternehmensführung habe ich alle berufsbegleitend absolviert. Da ist die Familie manchmal zu kurz gekommen. Ausserdem war der Schritt vom Polier zum Bauführer besonders anspruchsvoll. Statt nur für eine Baustelle war ich plötzlich für 15 verantwortlich. Da musste ich lange Zeit noch die gestandenen Bauführer in der Firma um Rat fragen, und abends Extrastunden leisten, um mir das Know-How anzueignen.

In dem Fall haben Sie damals schon das erlebt, was der Schweizerische Baumeisterverband mit dem Masterplan Berufsbildung nun verbindlich eingeführt hat: dass im Unternehmen selbst auch auf Stufe Baukader ausgebildet wird und das praktische Lernen dort stattfindet?

Ja, absolut. Die erfahrenen Bauführer haben sich bewusst Zeit genommen, um den Neulingen auf dieser Stufe etwas beizubringen. Ein solcher Mix aus der theoretischen Ausbildung in der Schule und der praktischen im Betrieb, wie ihn das neue System vorsieht, ist sicher gut. Ich kann die Unternehmen nur ermuntern, Zeit in die Ausbildung zu investieren. Das braucht einen gewissen Aufwand, aber man bekommt auch sehr viel zurück. Etwa, dass man die Verantwortung übergeben und Aufgaben breiter verteilen kann. In manchen Köpfen muss das aber erst noch ankommen, da braucht es einen Ruck.

Was können Sie der nachrückenden Generation aufgrund Ihrer Erfahrung auf den Weg mitgeben?

Jedem, der bereit ist zu lernen und die nötigen Fähigkeiten mitbringt, kann ich nur raten, sich weiterzubilden. Dazu braucht es ein gewisses Durchhaltevermögen und eine klare Kommunikation innerhalb der Firma. Das heisst: Man muss von sich aus sagen, wenn man weiterkommen möchte. Und man muss sich gut überlegen und selektionieren, welche Ausbildung man genau machen will. Sprich: Was einen in dem Moment am meisten interessiert, weiterbringen könnte und auch zur Lebenssituation passt. Zum Beispiel wollte ich nach dem Baupolier ursprünglich die Maurer-Meisterschule besuchen. Dafür hätte ich aber nach St. Gallen pendeln müssen, was ich damals nicht wollte.


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