Legionellenschaltung? Diese Empfehlung gilt nicht mehr
Die Wärmepumpe ist ausgelegt, der Speicher dimensioniert, die Arbeitszahl gerechnet. Dann läuft Wasser mit über 30 französischen Härtegraden hindurch – und die Rechnung stimmt nicht mehr. Wasserqualität steht in keiner Offerte. Das wird zunehmend teuer.
Quelle: zvg
Der unsichtbare Kostentreiber: Kalk auf der Serpentine eines Warmwasserspeichers wirkt physikalisch wie eine Dämmschicht. Bereits ein Millimeter Kalkschicht führt zu rund acht Prozent mehr Energieverbrauch.
Acht Prozent pro Millimeter
Fangen wir bei der Zahl an, die selten jemand nennt. Kalk
auf der Serpentine eines Warmwasserspeichers wirkt physikalisch wie eine
Dämmschicht. Die Wärme kommt langsamer durch, die Anlage arbeitet länger. In
der Sanitärbranche gelten dafür seit Jahren Erfahrungswerte: rund acht Prozent
Mehrverbrauch bei einem Millimeter Kalk auf dem Wasserrohr – und bis zu rund
fünfzig Prozent bei zehn Millimetern.
Zehn Millimeter klingen absurd. In einem ungewarteten
Speicher an hartem Wasser sind sie über die Betriebsdauer keine Ausnahme.
Beim Wärmepumpenboiler ist der Effekt grösser
Ein Elektroboiler verzeiht Verkalkung eher. Ein
Wärmepumpenboiler nicht: Er arbeitet mit deutlich kleinerer
Temperaturdifferenz, jeder zusätzliche Übertragungswiderstand schlägt direkter
auf die Arbeitszahl durch. Wer eine Wärmepumpe einbaut, um Effizienz zu
gewinnen, verliert einen Teil davon still wieder – über Jahre, ohne
Störungsmeldung.
Die Temperatur zieht in zwei Richtungen
Der zentrale Parameter ist die Betriebstemperatur. Und genau
dort liegt der Konflikt.
Nach oben zieht die Trinkwasserhygiene: Legionellen finden
im lauwarmen Bereich ideale Bedingungen, eine dauerhaft zu tief gefahrene
Anlage ist ein bekanntes Risiko.
Nach unten ziehen Effizienz und Kalk. Die Kalkbildung steigt überproportional mit der Temperatur: Bei hartem Wasser mit rund 26.5 °fH bildet sich gemäss EnergieSchweiz bei 65 °C etwa doppelt so viel Kalk wie bei 55 °C - bei 75 °C bis zum Sechsfachen. Wer aus Hygienegründen hochfährt, beschleunigt die Verkalkung. Die Verkalkung senkt die Effizienz. Und die gesunkene Effizienz macht das Hochfahren teurer.
Quelle: zvg
Diagramm: Warum die Legionellenschaltung als alleinige Massnahme wegfällt – Hygiene-Risiko bei zu tiefer, Kalk und Effizienzverlust bei zu hoher Wassertemperatur.
Die alte Antwort ist weg
Jahrelang löste man dieses Dilemma mit der periodischen Aufheizung, der Legionellenschaltung. Diese Empfehlung wurde revidiert.
Die 2020 aktualisierte Norm SIA 385/1 und die SVGW-Richtlinie W3/E3 raten heute nicht mehr zu Legionellenschaltungen. BAG und BLV halten fest, dass eine tägliche oder wöchentliche Erhöhung auf 60 °C aus heutiger Sicht nicht zielführend sei – unter anderem, weil das so erwärmte Wasser gar nicht in alle Bereiche der Installation gelangt und weil die Massnahme die Selektion temperaturtoleranter Stämme begünstigen kann.
Damit fällt die bequemste Universallösung weg. Was bleibt, sind Systemdesign, Temperaturregime, hydraulischer Abgleich – und die Wasserqualität. Letztere ist die einzige dieser vier Grössen, die sich nachträglich noch verändern lässt, ohne die Installation aufzureissen.
Vier Konsequenzen für die Planung
- Wasseranalyse vor der Auslegung. Die Härte am konkreten Standort ist eine Auslegungsgrösse, keine Fussnote. Sie schwankt in der Schweiz von Gemeinde zu Gemeinde erheblich – teilweise innerhalb derselben Ortschaft, je nach Versorgungszone.
- Resthärte definieren statt «möglichst weich». Der SVGW hält fest, dass die Gesamthärte bei Enthärtungs- und Entsalzungsanlagen im Haushalt nicht unter 7 bis 15 °fH fallen soll. Der Zielwert gehört ins Anlagenkonzept, nicht erst in die Inbetriebnahme.
- Wartung vertraglich verankern. Intervalle im Werk- oder Bewirtschaftungsvertrag zu regeln ist wirksamer, als sie dem Endnutzer zu überlassen.
Die Anlage, die niemand wartet
Eine Wasseraufbereitungsanlage ist kein Gerät, das man montiert und vergisst. Im Ionenaustauscher steht Wasser. Bleibt die Wartung aus oder werden Intervalle überzogen, entsteht dort genau die Stagnation, die man im Trinkwassersystem eigentlich vermeiden will. Aus der Schutzeinrichtung wird ein hygienisches Risiko.
Moderne Anlagen adressieren das im Betrieb: Regeneration nach tatsächlichem Wasserbezug statt nach Kalender, und bei längerer Abwesenheit eine automatische Zwangsregeneration, damit das Harzbett nicht steht.
Dasselbe gilt für den Speicher selbst. Abgeplatzter Kalk und eingeschwemmte Partikel bilden am Boden eine Sedimentschicht – den Boilersumpf –, die als Träger für Biofilm dient. Für Bewirtschafter ist die dokumentierte Wartung deshalb nicht nur Betriebskostenthema, sondern Teil der Sorgfaltspflicht gegenüber den Nutzern.
Drei Steuerjahre, dann schliesst sich ein Fenster
Ein Punkt, der Bauherrschaften derzeit beschäftigt: Der Bundesrat hat am 1. April 2026 entschieden, die Reform der Wohneigentumsbesteuerung per 1. Januar 2029 in Kraft zu setzen. Mit dem Eigenmietwert entfällt bei selbstgenutztem Wohneigentum auch der Abzug für den Liegenschaftsunterhalt. Bis und mit Steuerperiode 2028 gelten die heutigen Regeln; bei vermieteten Liegenschaften bleibt der Unterhaltsabzug bestehen.
Für Planer und Bewirtschafter heisst das: Bei selbstgenutzten Objekten ist mit einem Vorzieheffekt zu rechnen. Wer Wasseraufbereitung ohnehin auf der Massnahmenliste hat, plant sie besser jetzt in ein laufendes Projekt ein, statt später nachzurüsten. Die steuerliche Einordnung im Einzelfall gehört zum Treuhänder oder zur kantonalen Steuerverwaltung.
Kalk und Warmwasser, die Zahlen
- 1 mm Kalk auf dem Wasserrohr: rund 8 % Mehrverbrauch an Energie
- 10 mm Kalk: bis rund 50 % Mehrverbrauch
- Wärmepumpenboiler: Effizienzverlust durch Kalk deutlich höher als beim Elektroboiler
- Kalkbildung bei 26.5 °fH: bei 65 °C rund doppelt so viel wie bei 55 °C, bei 75 °C bis zum Sechsfachen (EnergieSchweiz)
- Resthärte gemäss SVGW: bei Enthärtungsanlagen im Haushalt nicht unter 7–15 °fH
- Legionellenschaltung: von SIA 385/1:2020 und SVGW W3/E3 nicht mehr empfohlen
Quelle: zvg
Gebündelte Fachkompetenz am Hauptstandort Aesch BL: Hier werden Wasseraufbereitungsanlagen wie der preisgekrönte WeRoll-Award-Gewinner Fawa® Soft entwickelt, montiert und für den schweizweiten Versand und Service vorbereitet.
Fachlicher Input: Frei AquaService AG
Der fachliche Input zu diesem Beitrag stammt von der Frei AquaService AG. Das Schweizer Unternehmen entwickelt, produziert und betreut Wasseraufbereitung seit über 30 Jahren – vom Wasserenthärter im Einfamilienhaus über Anlagen für Mehrfamilienhäuser und Gewerbe. Assembliert wird in der eigenen Manufaktur in Aesch BL; ein zweiter Standort besteht in Höri ZH. Das Unternehmen ist ISO-9001-zertifiziert und mit einer dezentralen Serviceorganisation inklusive 24/7-Notfalldienst schweizweit tätig.
Ausgezeichnet 2026: Der Wasserenthärter Fawa® Soft wurde in der Kategorie «Water Treatment» der WeRoll Awards 2026 prämiert. Vergeben werden die Awards von ARMO, dem internationalen Dachverband der Rotationsform-Industrie; ausgezeichnet wurden sieben Produkte aus sieben Ländern, der Fawa® Soft als einziges in der Wasseraufbereitung. Bewertet wurde nicht das Design, sondern der Umgang mit Ressourcen – die Anlage regeneriert nach tatsächlichem Wasserbezug statt nach Kalender.
Zertifizierungen: Die Fawa® Soft Familie (CN-Linie) ist
SVGW-zertifiziert (Zertifikat 2401-7280) und nach DIN EN 14743 geprüft.
Für Planer und Bewirtschafter: Wasseranalyse, Auslegung,
Installation und Wartungsvertrag aus einer Hand. Mehr zur Wasseraufbereitung für Mehrfamilienhäuser.