12:04 BAUBRANCHE

Kreislaufwirtschaft: Verbände fordern praxistaugliche Bedingungen

Teaserbild-Quelle: Christoph Meinersmann, Pixabay-Lizenz

Die Politik soll für praxistaugliche Rahmenbedingungen für die Kreislaufwirtschaft sorgen. Das fordert eine Allianz aus Cemsuisse, Schweizerischem Baumeisterverband (SBV), Baustoffrecycling Schweiz (ARV) und dem Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB). Es solle auf Innovationen statt auf Überregulierung gesetzt werden.

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Aushub- und Rückbaumaterial machen in der Schweiz über vier Fünftel des Abfalls aus.

Zirka 84 Prozent des Schweizer der Abfalls wird vom Bau über Aushub- und Rückbaumaterial verursacht. „Rund 70 Prozent der Rückbaumaterialien werden heute bereits wieder verwertet. Die Bauwirtschaft erreicht somit einen höheren Verwertungswert als beispielsweise Batterien und Akkus“, sagte SBV-Zentralpräsident Gian-Luca Lardi an der Pressekonferenz, mit der die Verbände heute über ihr Anliegen informiert haben.

Die Bauwirtschaft sei die Schlüsselbranche, um mit Kreislaufwirtschaft den überalterten Gebäudepark modern, verdichtet und energieeffizient zu modernisieren, betonte Lardi. „Wollen wir die CO2-Ziele erreichen, braucht es eine Offensive im Gebäudepark und eine effiziente Kreislaufwirtschaft.“ Die Bauwirtschaft könne und wolle hier eine wichtige Rolle spielen.

Überregulierung als Risiko

Seit letztem Herbst befasst sich im Parlament eine Subkommission der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (UREK-N) mit dem Thema Kreislaufwirtschaft. Die definitiven Resultate dieser Arbeit werden im Mai erwartet. Wie SBV, Cemsuisse, ARV und FSKB in ihrer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben, zeigten erste Anhörungen, zu denen auch die Branchenverbände der Bauwirtschaft eingeladen waren, dass ein Risiko besteht, dass Überregulierungen vorhandene Ansätze aus der Wirtschaft schwächen können.

„Kreislaufwirtschaft ist ein wesentliches Element zur Erreichung der Schweizer Klimaziele“, so Cemsuisse-Präsident Gerhard Pfister an der Medienkonferenz. Nebst Recycling müsse auch die stofflich-thermische Verwertung von Materialien vorangetrieben werden. Pfister verwies darauf, dass die Zementindustrie den Anteil an alternativen Brennstoffen bereits auf rund 70 Prozent erhöhen konnte. Es ist noch weiteres Potenzial vorhanden. Wie Pfister weiter ausführte, liessen sich pro Jahr zusätzliche 400'000 Tonnen CO2 einsparen. Dies, indem Abfälle, die sich nicht für eine rein stoffliche Verwertung eignen, als alternative Brennstoffe zur Herstellung von Zement genutzt werden.

Deponien in der Region statt im Ausland

Die Verbände sehen auch die öffentliche Hand als grösste Bauherrin der Schweiz in der Pflicht. Sie habe eine wichtige Vorbildfunktion, indem sie Recyclingmaterial vermehrt bestelle, so Kurt Morgan, Interimspräsident von ARV und verwies auf das in diesem Jahr in Kraft getretene Beschaffungsrecht. Indem in Submissionen der Bau mit Recyclingmaterial auch ausgeschrieben werde, leisteten Bauherren einen wirkungsvollen Beitrag. 

„Aktuell wird sehr viel Deponiematerial ins grenznahe Ausland gefahren, was gerade aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist“, so Morgan. Weniger, dafür aber näher liegender Deponieraum sei ein konkreter Beitrag zum nachhaltigen Bauen. „Hier müssen der Bund und die Kantone ihre Verantwortung übernehmen.“ (mai/mgt)

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