13:07 BAUBRANCHE

Kolumne von Rebecca Omoregie: «Das schaffen wir nicht alleine»

Geschrieben von: Rebecca Omoregie
Teaserbild-Quelle: zvg

In der Kolumne berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Rebecca Omoregie, Vizedirektorin Wohnbaugenossenschaften Schweiz, mit dem Engagement der Wohnbaugenossenschaften bezüglich Geflüchteten aus der Ukraine.

Rebecca Omoregie

Quelle: zvg

Rebecca Omoregie ist Vizedirektorin von Wohnbaugenossenschaften Schweiz.

Die Solidarität mit den Geflüchteten aus der Ukraine ist riesig. Verständlich, schliesslich gehört es wohl zu den schrecklichsten Erfahrungen, die Menschen machen müssen, von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Alltag vertrieben zu werden und ohne ein Dach über dem Kopf dazustehen.

Als Verband freut es uns zu sehen, wie sich unsere Mitglieder hier engagieren. In der aktuellen Flüchtlingskrise beweisen die Wohnbaugenossenschaften einmal mehr, dass sie es ernst meinen mit der Solidarität und dass bei ihnen der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Rendite. Viele haben trotz langer Wartelisten spontan Wohnungen für Geflüchtete zur Verfügung gestellt, innerhalb der Genossenschaft Möbel und Unterstützung organisiert.

Bei der Unterbringung von Geflüchteten haben die Behörden auch gezielt auf die Hilfe von Wohnbaugenossenschaften gesetzt. Weil diese eben nicht nur den preisgünstigen Wohnraum anbieten können, auf den die Geflüchteten angewiesen sind, sondern auch gute nachbarschaftliche Strukturen, die das Einleben erleichtern. Dass unserer Branche diese Integrationskraft zugetraut wird, ist ein Kompliment.

Gleichzeitig beobachten wir die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt mit grosser Sorge. Schon die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen haben die Nachfrage nach dem knappen bezahlbaren Wohnraum gesteigert. Künftig werden voraussichtlich noch mehr Menschen auf eine preisgünstige Wohnung angewiesen sein.

Nun sind zudem zahlreiche Geflüchtete gezwungen, hier eine Unterkunft zu finden. All dies erhöht den Druck auf den Wohnungsmarkt. Im ersten Halbjahr 2022 stiegen die Angebotsmieten um 1,3 Prozent, wie aus dem jüngsten Homegate-Mietindex hervorgeht. Im urbanen Raum ist der Anstieg noch deutlich höher, in der Stadt Zürich zum Beispiel satte 4,8 Prozent. Dazu kommen steigende Energiepreise, die die Miet-kosten weiter in die Höhe treiben werden.

Diese Herausforderungen können die Wohnbaugenossenschaften nicht alleine lösen. Schon jetzt hat es mit einem Marktanteil von knapp fünf Prozent viel zu wenige Genossenschaftswohnungen für die hohe Nachfrage. Wohnbaugenossenschaften sind gerne bereit, ihren Teil zu einer guten Wohnraumversorgung in der Schweiz beizutragen.

Doch um mehr genossenschaftlichen Wohnraum zu schaffen, braucht es das Engagement von verschiedenen Seiten. Zum Beispiel von Kantonen und Gemeinden, die geeignete Areale im Baurecht abgeben. Oder von privaten Immobilienbesitzern, denen es nicht egal ist, was mit ihren Liegenschaften geschieht und die nicht an die Meistbietenden, sondern an Wohnbaugenossenschaften verkaufen.

Und nicht zuletzt von Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, die bei der nächsten wohnungspolitischen Abstimmung ein Zeichen für mehr preisgünstigen Wohnraum setzen. 

Geschrieben von

Kommunikations­verantwortliche und Vizedirektorin von Wohnbaugenossenschaften Schweiz

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