08:08 BAUBRANCHE

KOF-Baublatt-Ausblick: Schweizer Baukonjunktur zeigt sich krisenfest

Teaserbild-Quelle: Kanton Uri, Baudirektion

Die Corona-Krise dürfte den Bausektor weniger stark treffen als ursprünglich befürchtet. Für das Jahr 2020 erwartet der KOF-Baublatt-Ausblick basierend auf den eingereichten Baubewilligungen einen Anstieg der nominalen Bauinvestitionen um 1,2 %, was dem Vorjahreswert entspricht.

Baustelle Kantonsspital Uri in Altdorf

Quelle: Kanton Uri, Baudirektion

In der Coronakrise sind Bauprojekte der öffentlichen Hand umso wichtiger, wie hier das 100 Millionen Franken teure neue Kantonsspital Uri in Altdorf.

Der KOF-Baublatt-Ausblick prognostiziert einen Anstieg der nominalen Bauinvestitionen um 1,3 % im 2. Quartal 2020, 1,2 % im 3. Quartal 2020 und 1,1 % im 4. Quartal 2020. Im 1. Quartal 2020 nahmen die Bauinvestitionen gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) um 1,2 % zu. Somit liegt die Prognose des KOF-Baublatt-Ausblicks, beruhend auf den vom Baublatt erhobenen Baubewilligungsdaten, für das ganze Jahr 2020 bei einem Anstieg von 1,2 %. Auch im Jahr 2019 nahmen die nominalen Bauinvestitionen um 1,2 % zu. Für das 1. Quartal 2021 wird eine Zunahme der Bauinvestitionen von 1,4 % erwartet. 

Der KOF-Baublatt-Ausblick beruht einzig auf den Baubewilligungsdaten und deren Vorhersagekraft für die Baukonjunktur. Da in den letzten Monaten einige Kantone phasenweise keine oder nur eingeschränkt Baubewilligungen publizierten, wirkt sich dies auf die Aussagekraft des KOF-Baublatt-Ausblicks aus. Die Unsicherheit der Prognose ist erhöht. Die Bautätigkeit hängt in den kommenden Monaten zudem von der Entwicklung der Covid- 19-Fälle ab. Falls sich die Pandemie wieder verschärft und erneut Massnahmen wie Hygienevorschriften notwendig werden, kann dies zu Einschränkungen bei Bauprojekten führen. Die tatsächliche Bautätigkeit dürfte dann tiefer ausfallen als prognostiziert. 

Stimmungstief überwunden

In der jüngsten KOF-Konjunkturumfrage vom Juli 2020 berichten die Bauunternehmen, dass sich die konjunkturelle Lage seit April etwas verbessert hat. Der Saldo der Geschäftslage ist seit April vom Rekordtief um 5 Punkte angestiegen und liegt nun bei 9 Punkten (saisonbereinigt). Die Bauunternehmen zeigen sich im Juli deutlich optimistischer als noch im April. Damals erwarteten noch mehr als die Hälfte von ihnen, dass sich die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten verschlechtern wird. Im Juli sind es nur noch rund ein Viertel. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einer gleichbleibenden Geschäftslage und bereits wieder 14 % mit einer Verbesserung. Zudem berichten die Bauunternehmen, dass sich ihre Auftragsbücher wieder vermehrt füllen. Jene im Hochbau sind im Juli sogar noch besser gefüllt als Anfang des Jahres. Der Grossteil der Indikatoren bleibt jedoch deutlich unter den Niveaus, die noch Anfang des Jahres aufgezeichnet wurden. 

KOF-Baublatt-Ausblick 2020

Quelle: Baublatt/KOF/Seco

Der KOF-Baublatt-Ausblick bezieht sich auf die nominalen Bauinvestitionen. Somit muss die Preisentwicklung mitberücksichtigt werden, um das damit verbundene Bauvolumen abschätzen zu können. In der Grafik «Baupreise» ist daher die vom Bundesamt für Statistik (BfS) halbjährlich erhobene Preisentwicklung für das Baugewerbe im Vergleich zum Vorjahr sowie der von der KOF im Rahmen ihrer regelmässigen Umfrage in der Bauwirtschaft erhobene Saldo der Preiserwartungen für das laufende Quartal abgetragen. Mithilfe dieser Zusatzinformationen lässt sich das zu erwartende Bauinvestitionsvolumen ableiten.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Baupreise in der ersten Jahreshälfte 2020 um 0,2 % gestiegen gemäss Veröffentlichung des BfS vom Juli. Die Preiserwartungen der Bauunternehmen gemäss KOF-Konjunktur umfragen sanken im April deutlich, nachdem sie seit Mitte 2015 kontinuierlich angestiegen waren. Seit April haben sich die Preiserwartungen nur leicht aufgehellt. Bei steigenden Baupreisen würden die realen Bauinvestitionen unter den hier dargestellten nominalen Werten des KOF-Baublatt- Ausblicks liegen.

Baupreise Entwicklung und Erwartungen für 2020

Quelle: BFS/KOF Konjunkturumfrage

Hintergrund-Methode

Die meisten Bauvorhaben hängen von einer staatlichen Bewilligung ab. Deshalb nutzt die KOF für den vorliegenden Ausblick Informationen über Baugesuche und -bewilligungen, die das Baublatt erhoben hat. Die angewendete Analysemethode erlaubt eine Voraussage über die zu erwartenden nominellen Bauinvestitionen der nächsten vier Quartale.

Der KOF-Baublatt-Ausblick bezieht sich auf die nominalen Bauinvestitionen, da im Baubewilligungsverfahren alle Angaben zu den geplanten Baukosten zu laufenden Preisen erfolgen. Alle Niveauangaben werden saisonal bereinigt.(KOF)

www.kof.ethz.ch/prognosen-indikatoren/indikatoren/kof-baublatt-ausblick.html

Autoren

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) liefert fundierte Informationen im Bereich der Wirtschafts- und Konjunkturforschung. Sie erstellt eine Vielzahl von Prognosen und Indikatoren zur Konjunkturbeobachtung.

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KOF-Baublatt-Ausblick

Der KOF-Baublatt-Ausblick beziffert die zu erwartenden nominellen Bauinvestitionen der nächsten vier Quartale. Erstellt wird die Prognose von der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Die Analyse basiert auf Daten zu Baubewilligungen und -gesuchen, welche die Baublatt-Herausgeberin Docu Media Schweiz GmbH systematisch erhebt.

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