10:51 BAUBRANCHE

Kanton Thurgau erforscht Untergrund für Nutzung von Geothermie

Teaserbild-Quelle: zvg, Kanton Thurgau

Der Kanton Thurgau intensiviert seine Grundlagenforschung zur künftigen Nutzung von Geothermie. Ein konkretes Messgebiet erstreckt sich im südlichen Kantonsteil über die Kantonsgrenze auf rund 50 Gemeinden.

Erstellung eines Bohrloches für die Impulsseismik

Quelle: zvg, Kanton Thurgau

Die Geophone zeichnen seismische Wellen auf, die durch Vibrationsfahrzeuge an der Erdoberfläche und punktuelle Impulsquellen im Untergrund erzeugt werden. Im Bild: Erstellung eines Bohrloches für die Impulsseismik.

Mit sogenannten Vibrationsfahrzeugen in der Grösse eines Lastwagens werden auf einer Fläche von 430 Quadratkilometern mittels kurzer, leicht spürbarer Vibrationen von wenigen Minuten an zahlreichen Standorten Messungen vorgenommen. Das teilte der Kanton Thurgau am Donnerstag zusammen mit der Aktiengesellschaft Geothermie Thurgau mit.

Das Gebiet zwischen Frauenfeld TG, Wil SG und Winterthur ZH erstreckt sich über 34 Thurgauer, 5 St. Galler und 10 Zürcher Gemeinden. Messungen auch jenseits der Kantonsgrenze seien nötig, um ein vollständiges Abbild des zu untersuchenden Untergrunds zu erhalten, welcher vollständig im Kanton Thurgau liege.

Vom Vibrationsfahrzeug erzeugte seismische Wellen werden von den verschiedenen Schichten im Untergrund reflektiert und an die Oberfläche zurückgesandt und dort von Sensoren, sogenannten Geophonen, aufgezeichnet. Die Fahrzeuge bewegen sich laut den Verantwortlichen auf bestehenden Strassen und Wegen.

Projektkosten von rund 50 Millionen Franken

Mit den Untersuchungen sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung geschaffen werden, «unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Importen», erklärte Bernd Frieg, Geschäftsführer von Geothermie Thurgau. Von den Messungen bis zu einer Tiefe von 4000 Metern wird ein genaues Abbild über den Aufbau der geologischen Schichten im Untergrund erwartet.

Die Ergebnisse sollen schliesslich öffentlich zugänglich werden und die Grundlage für künftige Planungen von Tiefenbohrungen bieten, beispielsweise für Gemeinden, Landwirtschaftsbetriebe sowie für Gewerbe und Industrie. Untersucht werde eine Region, in der eine wirtschaftliche Nutzung von Geothermie besonders vielversprechend sei, betonten die Verantwortlichen. 

Die Messkampagne ist im Winter 2027/28 während rund vier Monaten vorgesehen. Die betroffenen Grundeigentümer werden gemäss Mitteilung im Frühjahr/Sommer 2027 kontaktiert und informiert. Für die seismischen Untersuchungen ist eine kantonale Bewilligung nötig. Im Vorfeld wird nach Eingang der Projektgrundlagen das Vorhaben von den kantonalen Fachstellen beurteilt und in den involvierten Gemeinden öffentlich aufgelegt.

Für das Projekt «Thurgauer Energie aus dem Untergrund 2030» wird mit Kosten von rund 50 Millionen Franken gerechnet. Es finanziert sich hauptsächlich mit 20 Millionen Franken aus der Teilprivatisierung der Thurgauer Kantonalbank (TKB) sowie durch das Bundesamt für Energie, welches Mittel in ähnlicher Höhe zugesagt habe, wie an der Medienkonferenz bekanntgegeben wurde.

Erfahrungen aus Projekt in Schlattingen TG

Die Verantwortlichen des Projekts stützen sich auch auf Daten und Erfahrungen eines bereits abgeschlossenen Geothermie-Projekts in Schlattingen TG. Dort wird Wasser aus einer Tiefe von rund 1200 Metern zur Beheizung der Gewächshäuser eines Gemüseproduzenten genutzt. Im aktuellen Messgebiet müsste deutlich tiefer gebohrt werden als in Schlattingen. Dafür wird heisseres Wasser mit rund 110 Grad Celsius erwartet.

Die damaligen Bohrungen in Schlattingen dienten nicht nur zur Energiegewinnung, sondern ermöglichten auch Einblicke in den Untergrund. Der Thurgau reichte dafür beim Bund ein Forschungsprojekt ein. Die Schlussergebnisse liegen seit Anfang 2026 vor. Die Forschenden empfehlen, künftige Untersuchungen im Thurgau und in der Nordschweiz auf drei geologische Optionen zu konzentrieren: den regionalen Muschelkalk-Aquifer, steilstehende wasserführende Störungszonen, über die heisses Wasser aus dem Grundgebirge aufsteigen kann, sowie wasserführende Störungszonen im kristallinen Grundgebirge selbst. (sda/mgt/pb)

Auch interessant

Anzeige

Firmenprofile

Rollende Werkstatt Kran AG

Finden Sie über die neuen Firmenprofile bequem und unkompliziert Kontakte zu Handwerkern und Herstellern.

Reports

construction-report

Die neuen Baublatt Reports

Neben dem Report Baublatt Project Categories (ehem. Baublatt Analyse), bieten wir ab sofort zwei weitere brandneue Reports als Zusatz. Erfahren Sie hier was Baublatt Top Players und Baublatt Regional Projects zu bieten haben – wie gewohnt digital, prägnant und graphisch auf den Punkt gebracht.

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

newsico

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.