10:12 BAUBRANCHE

Jahresendanalyse: Hochbau behauptet sich

Geschrieben von: Stefan Schmid (sts)
Teaserbild-Quelle: Gabriel Diezi

Der Hochbau dürfte sich weiterhin robust entwickeln. Der Bau von Wohnrenditeliegenschaften bleibt dynamisch, das Plus bei der geplanten Bausumme etwas ausgeprägter. Als Stützen erweisen dürften sich der Industriebau und das Tourismussegment, jedoch nur zum Teil der Bürobau.

Das Schweizer Bauhauptgewerbe entwickelte sich in diesem Jahr positiv. Die auf Basis von Gesuchen ermittelte Summe erhöhte sich beim Hochbau gegenüber der Vorjahresperiode gesamthaft um 0,46 Prozent auf 42,65 Milliarden Franken (bis Ende November). Die Zahl der Gesuche für geplante Hochbauprojekte stieg in den elf Monaten um 0,57 Prozent (44451 Objekte).

Über alle zwölf Monate gerechnet dürften sich sowohl die Hochbausumme (+1,2 Prozent) als auch die Zahl der Gesuche (+0,9 Prozent) über den entsprechenden Werten des Vorjahres befinden (die Dezemberwerte wurden aufgrund der Veränderungsraten der Vorjahre geschätzt). Die Gesamtjahreswerte dürften den Mittelwert seit 2010 aber nicht erreichen.

Leichtes Plus auf Höchststand

Das Segment Wohnrenditeliegenschaften verzeichnete nach der Seitwärtsbewegung im Vorjahr wieder etwas höhere Zuwachsraten. Gegenüber dem Vorjahr kletterte die geplante Bausumme um 1,65 Prozent auf den zweithöchsten Stand seit zehn Jahren. Einzig im Jahr 2012, als im Vorfeld zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative die Zahl der Baugesuche in die Höhe schnellte, war die Summe höher.

Auch lagen die geplanten Investitionen in den vergangenen elf Monaten 4,2 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt. Zugleich zeigen die Zahlen der Docu Media Schweiz GmbH, dass bei Mehrfamilienhäusern weniger Umbauten geplant sind (-6,3 Prozent). Allerdings lag die Investitionssumme für geplante Umbauprojekte immer noch 1,9 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Trend bestätigt

Die Neubautätigkeit bei den Einfamilienhäusern (EFH) hat sich erneut abgeschwächt und bestätigte damit den langjährigen Negativtrend des Segments. Um 5,5 Prozent bildete sich die projektierte Summe gegenüber dem Vorjahr gesamthaft zurück. Die Projektsumme befand sich Ende November im Vergleich zur letzten Periode sogar 32,9 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Der Boden an attraktiven Lagen für den Bau von Ein familienhäusern ist teuer, und im bevorzugten städtischen Umfeld rar geworden, weshalb sich der Traum vom Eigenheim eher über den Umbau eines bestehenden Gebäudes realisieren lässt.

Im Gegensatz zum Neubau waren im EFH-Segment die für Um- und Anbauten geplanten finanziellen Mittel vergleichsweise stabil. Gegenüber dem Vorjahr betrug das Plus 7,6 Prozent, doch blieb die Summe gleichwohl 3,7 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Die Umbauquote (inklusive Anbauten oder Kombinationen) schwankte in den letzten vier Quartalen schweizweit im Bereich von 30 Prozent. Auffallend war dabei die vergleichsweise tiefe Quote in der Romandie, im Tessin bewegte sie sich quartalsbezogen übermässig stark.

Industriebau schiebt mit

Trotz Befürchtungen über eine Konjunkturabschwächung aufgrund globaler Unsicherheiten hat sich der Industriebau im Vergleich mit der Vorjahresperiode sehr gut entwickelt. Die aggregierte Bausumme der Projekte in diesem Segment lag 20,1 Prozent über jener des Vorjahres, wobei der Basiseffekts wegen des sehr tiefen Wertes im letzten Jahr zu berücksichtigen ist.

Auch im Langzeitvergleich lässt sich das Ergebnis sehen, erreichte die Investitions - summe für Industriebauten doch mit einem Plus von 4,9 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt das drittbeste Ergebnis der letzten Dekade.

Wieder positiver ist die Stimmung beim Bürobau, denn sie war in den letzten drei Jahren von Zurückhaltung geprägt. Die geplante Bausumme des Segments erhöhte sich in den ersten elf Monaten um 1,9 Prozent. Allerdings befand sie sich 19,2 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt.

Gemäss den Immobilienexperten der Credit Suisse gingen die Leerstände 2019 um 10 Prozent zurück, was auf eine Erholung der Büromärkte und tendenziell steigende Mieten hindeutet und insbesondere im Lemanbogen bereits der Fall ist. Einen Rückgang prognostizieren Wüest Partner für 2020 bei den Geschäftsflächen (-3,0 Prozent).

Gute Stimmung beim Tourismus

Wenige Impulse gingen in diesem Jahr von Bauprojekten aus, die vor allem von der öffentlichen Hand finanziert werden. Viele Projekte im Gesundheitssektor wurden bereits in den letzten Jahren realisiert oder stehen im Bau, was sich beim Zehnjahresdurchschnitt zeigte (-25,2 Prozent).

Die projektierte Bausumme sackte in diesem Segment zum Vorjahr sogar um 30,0 Pro - zent ab. In weit geringerem Umfang, aber ebenfalls eine Abschwächung vermeldete der Schulbau (-4,7 Prozent), wobei sich die geplante Projektsumme Ende November noch deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt befand (+5,7 Prozent).

Prosperierend präsentierte sich das Tourismussegment. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die voraussichtlich verbaute Summe um 19,2 Prozent auf den zweit - höchsten Wert der letzten zehn Jahre zu, wiederum im Bezug zum verhältnismässig tiefen Vorjahreswert. Der Zehnjahresdurchschnitt wurde immerhin noch um 6,6 Prozent übertroffen. Gebäude machen in der Regel rund zwei Drittel der Hochbautätigkeit aus.

Der Anteil des Industriebaus bewegte sich in diesem Jahr bei 8,5 und der Bürobau bei 5,5 Prozent. Bauten des Gesundheitssektors und im Tourismussegment trugen je 2,8 Prozent zur Hochbautätigkeit bei. Im Bereich Hochbau erfasst werden mit einem Anteil von 7,6 Prozent auch Hochbauten erfasst, die etwa Verkehrs- und Versorgungsinfrastrukturen und Bereiche wie Verteidigung und Sicherheit betreffen.

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Redaktor Baublatt

Seine Spezialgebiete sind wirtschaftliche Zusammenhänge, die Digitalisierung von Bauverfahren sowie Produkte und Dienstleistungen von Startup-Unternehmen.

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