Stadt Zürich kaufte Liegenschaften für 1,3 Milliarden Franken
Insgesamt 1,3 Milliarden hat die Stadt Zürich von 2022 bis 2025 für Immoblilien ausgegeben. Davon entfielen 870 Mio. auf Liegenschaften, die sie erwarb, um dafür zu sorgen, dass ein Drittel aller Mitwohnungen bis 2050 gemeinnützig ist. Die Käufe haben einige Herausforderungen aber wohl auch weitere Kosten zur Folge.
Wer in der Stadt Zürich eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht einen langen Atem. Die Stadt versucht, die Situation zu entschärfen: Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass 2050 ein Drittel aller Mietwohnungen gemeinnützig sein sollen. Dazu sollen bis 2040 insgesamt 3000 zusätzliche städtische Wohnungen entstehen. Auf ein Jahr heruntergerechnet bedeutet dies etwa 50 Wohnungen pro Jahr.
870 Mio. Franken für 47 Liegenschaften, weitere 440 Mio. für Landreserveren
Während der letzten rund vier Jahre hat die Stadt diese Zahl deutlich überboten. Dies zeigt der aktuelle Bericht des Finanzdepartements über die Liegenschaftskäufe in den Jahren 2022 bis 2025. In dieser Zeit erwarb die Stadt Zürich in neun der zwölf Stadtkreise 47 Liegenschaften mit 527 Wohnungen und, laut Bericht, Potenzial für gut 661 zusätzliche Wohnungen. Hierfür gab sie 870 Millionen Franken aus.
Zudem gab sie weitere 440 Millionen Franken für 18 zusätzliche Liegenschaften aus, die als Landreserven dienen. Damit investierte die Stadt insgesamt rund 1,3 Milliarden Franken. Denn neben einer Beruhigung des Wohnungsmarkts sollen die Immobilienkäufe helfen, den Bedarf an Flächen für städtische Einrichtungen zu sichern und bestehende Grundstücke durch den Zukauf benachbarter Parzellen besser nutzbar zu machen.
Möglich ist dies unter anderem, weil der Stadtrat seit 2021 Liegenschaften ohne Zustimmung des Gemeinderats für das Finanzvermögen erwerben kann und weil sich die Stadt laut Medienmitteilung mit eigens aufgebauten Akquisitionsteams als verlässliche Käuferin am Immobilienmarkt positioniert habe. So überprüfte die Stadt in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 324 Immobilien für einen allfälligen Erwerb. Für 2022 und 2023 liegen gemäss Medienmitteilung keine entsprechenden Zahlen vor. Die eingereichten Angebote hätten auf unabhängigen Schätzungen basiert. In den meisten Fällen habe eine andere Partei den Zuschlag erhalten.
Städtische Immobilienkäufe und die Folgekosten
Allerdings ist es mit dem Kauf der Immobilien und dem Aufbau der Akquisitionsteams noch nicht getan: Die Übernahme einer beträchtlichen Zahl neuer Liegenschaften mit ihren Mieterschaften sowie der Druck, diese Flächen zu entwickeln, erforderten zusätzliches Personal und neue Prozesse, die sich nun einspielen müssen, heisst es in der Medienmitteilung.
Zudem können die Kosten des nicht ausgeschöpften Potenzials für zusätzliche Mietfläche nicht über die Kostenmiete auf die Mieter überwälzt werden. Sie fallen im allgemeinen Finanzhaushalt an. Dies erzeugt laut Bericht Druck, rasch zu bauen, was einem sozial verträglichen Umgang mit den bestehenden Mieterschaften widerspreche. Auch Anforderungen an Klimaschutz, Denkmalpflege und Biodiversität verlangten häufig ein schrittweises Vorgehen.
Eine Herausforderung sind auch die höheren Anfangsmieten: Weil die meisten Neuerwerbungen Potenzial für mehr Mietwohnungen aufweisen und somit oft einen entsprechend hohen Kaufpreis erzielen, ist dieses Potenzial bereits im Kaufpreis berücksichtigt. Das heisst: Die Mieten liegen in der Regel, selbst wenn das Kostenmietmodell angewandt wird, über jenen bestehender städtischer Wohnungen. (mai)