07:06 BAUBRANCHE

Hybride Baumaschinen: Auf dem Weg zur CO2-neutralen Baustelle

Teaserbild-Quelle: zvg

Rohstoffe und Energie verteuern sich drastisch und damit auch das Bauen. Neben dem Klimawandel sind die hohen Kosten ein weiterer Grund, möglichst CO2-arm zu arbeiten. Wiener Forscher haben anhand von vier gängigen Baustellentypen vorgerechnet, wie gross das Einsparpotential dank der bereits vorhandenen Technologien sein kann.

Bild 1 Betonmischer

Quelle: zvg

Einige wenige voll elektrifizierte Beton-Fahrmischer sind bereits auf Schweizer Strassen unterwegs. Einer von vielen kleinen Schritten, die die CO2-intensive Branche unternimmt, um ihre Klimabilanz zu verbessern.

Auf Österreichs Baustelle der Zukunft ist es auffallend leise. Und es riecht nicht nach Diesel. So stellt es sich zumindest eine Gruppe von Ingenieuren an der Technischen Universität Wien vor. Sie wollen nachweisen, dass in der Bauausführung Emissionen schon jetzt reduziert werden könnten. Es brauche, so sagen sie, dafür nur wenige Schritte. Und diese seien mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten bereits heute durchführbar. Das ist nötig, denn die Bauindustrie ist laut den Forscherinnen und Forschern weltweit für rund zehn Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.

Es beginnt damit, dass Transportfahrzeuge lokale Kennzeichen tragen. «Indem die Materialien regional bezogen und mit just-in-time-Lieferungen zur Baustelle gebracht werden, sparen wir Wege», sagt Maximilian Weigert, Baubetriebsforscher an der TU Wien. Die Maschinen werden elektrisch betrieben, was den Lärmpegel senkt.

Auch die Baustelleneinrichtung soll energieautark sein. Am Beispiel des Baucontainers für den Bautrupp erklären sie: «Er ist thermisch gut gedämmt. Auf seinem Dach befinden sich Solarpanels. Effiziente Beleuchtungstechnik, Heiz- und Kühlsysteme verringern den Energieeinsatz.» Zumindest Teile des auf der Baustelle benötigten Stroms wollen die Forschenden über Wind- und Solarenergie direkt vor Ort erzeugen.

Entwicklungsschub erwartet

Grosse Baumaschinen, die noch nicht elektrifiziert sind, sollen mit Wasserstoff oder E-Fuels angetrieben werden statt des fossilen Diesels oder übergangsweise zumindest mit Biodiesel. Bei allen Arten von Treibstoffen werde es bald Fortschritte geben, gibt sich Leopold Winkler von der TU Wien überzeugt: «Wir werden bei Baufahrzeugen einen Entwicklungsschub feststellen. Neue Antriebstechnologien stellen bereits in naher Zukunft kosteneffiziente Alternativen dar.» Einen Blick in die Schweiz wagen die Wiener dabei auch. Hyundai habe sieben Wasserstoff-LKW auf Schweizer Strassen gebracht, Liebherr 2020 einen Transportbetonmischer. Und Liebherr hat 2021 den Unternehmen Kibag und Holcim je einen vollelektrischen Betonmischer geliefert, ein dritter an Sieber in Diepoldsau ist gerade in Auslieferung.

René Klaus, Spartenleiter Betontechnik bei Liebherr Schweiz, erläutert: «Die Fahrleistung eines Betonmischers beträgt 20000 bis 25000 Kilometer pro Jahr und die Fahrmischer scheinen sich hier zu bewähren. Beide Unternehmen haben auch in den nächsten Beschaffungsjahren wieder elektrische Betonmischer budgetiert. Für den Betrieb in der Stadt ist die Reichweite ausreichend.» Noch kosten solche Mischer zweieinhalb bis dreimal so viel wie ein herkömmliches Fahrzeug. Diese Mehrinvestition kann aber in der Schweiz und in der EU mittels Fördermassnahmen teilweise kompensiert werden. Auch Drehbohrgeräte sind bei Liebherr bereits im Angebot, aber noch nicht in der Schweiz im Einsatz.

Ab hier ist dieser Artikel nur noch für Abonnenten vollständig verfügbar.

Jetzt einloggen

Sie sind noch nicht Abonnent? Übersicht Abonnemente

Geschrieben von

Regelmässige freie Mitarbeiterin für das Baublatt. Ihre Spezialgebiete sind Raumplanung, Grünräume sowie Natur- und Umweltthemen.

E-Mail

Auch interessant

Anzeige

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.