07:47 BAUBRANCHE

Gotthard-Basistunnel: Vor 30 Jahren starteten die Arbeiten

Teaserbild-Quelle: AlpTransit Gotthard AG

Genau vor 30 Jahren haben die ersten Bohrungen für den Gotthard-Basistunnel begonnen. Dabei führten Arbeiter bei Faido TI Sondierbohrungen in der für ihr schwieriges Gestein berüchtigten Piora-Mulde durch.

Demontage TBM Sondiersystem für Piora-Mulde 1996

Quelle: AlpTransit Gotthard AG

Aufnahme von 1996: Demontage einer Tunnelbohrmaschine im Sondiersystem für die Piora-Mulde bei Faido.

«Mit Knall und Rauch haben am Mittwoch um 11 Uhr 32 die ersten offiziellen Sondierbohrungen für die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) begonnen», meldete die Schweizerische Depeschenagentur (heute: Keystone-SDA) am 22. September 1993. An der symbolischen Sprengung nahmen unter anderem Bundespräsident Adolf Ogi und der gesamte Tessiner Staatsrat teil.

Die Sondierbohrungen fanden zufälligerweise in etwa dort statt, wo im August im Basistunnel ein Güterzug entgleiste. Damals waren aber noch nicht mögliche Unfälle im Tunnel das grosse Thema – der Brand im Gotthardstrassentunnel ereignete sich erst 2001 –, sondern die Frage, ob der Basistunnel in diesem Gebirge überhaupt mit einem vernünftigen Aufwand realisiert werden kann.

Piora-Mulde als heikelste Stelle

Denn in den 1990er Jahren gab es einen Expertenstreit über die Neat – Geologen stellten den Bau wegen kaum zu bewältigender Störzonen wie der Calvaniev-Zone mit dem Tavetscher-Zwischenmassiv und der Piora-Mulde nördlich von Faido in Frage. Vor allem durch letztere drohte der neue Gotthard-Basistunnel fast zu scheitern. 

Die berüchtigte Piora-Mulde galt als eine der heikelsten Strecken des Bauwerks. Denn der 150 Meter lange Abschnitt besteht aus Dolomit-Anhydrit-Marmor, einem Gestein, das zuckerförmig zerfallen kann und in diesem Zustand den Tunnelbau erheblich erschwert hätte.

Tunnelbohrmaschine eingesandet

Im März 1996 traf eine Kernbohrung 300 Meter oberhalb des geplanten Tunnelniveaus auf die Piora-Mulde und stiess dabei tatsächlich auf eine Schicht zuckerförmigen Dolomit. Drei Stunden ergossen sich daraufhin Wasser und Gestein in den Stollen, die Tunnelbohrmaschine wurde eingesandet.

Weitere Untersuchungen zeigten dann aber, dass das gefürchtete Gestein auf Tunnelniveau trocken und fest und nur in den höheren Regionen zuckerförmig ist. «Ein Gipshut hat uns gerettet», wie Heinz Ehrbar, Leiter Tunnel- und Trasseebau der AlpTransit Gotthard AG im Jahr 2008 gegenüber «Swissinfo» erklärte. Dieser Hut trennte den festen Dolomitmarmor vom zuckerförmigen Gestein.

Die Bohrmaschinen konnten die tückische Piora-Mulde 2008/2009 tatsächlich sowohl in der West- wie in der Oströhre überwinden. 2010 feierten die Mineure am Gotthard den Durchstich. Ende 2016 – 23 Jahre nach dem Beginn der Sondierbohrungen – wurde der fahrplanmässige Betrieb durch den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel aufgenommen. (pb/mgt/sda)

Weitere Informationen zur Geschichte der Neat unter: www.alptransit-portal.ch

Dolomit-Anhydrit der Piora-Mulde

Quelle: AlpTransit Gotthard AG

Der berüchtigte Dolomit-Anhydrit der Piora-Mulde.

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