Freiburg, Neuenburg und Jura: Zwischen Kulturerbe und neuen Quartieren
Kultur und Immobilien halten die Bauwirtschaft in der Bauregion am Laufen. Bei den laufenden Projekten stehen Investitionen der öffentlichen Hand im Vordergrund, allen voran Bibliotheken und Museen. Der wirtschaftliche Aufschwung des Jurabogens, der Agglomeration Freiburg und der Region Gruyère wird auch durch den Bau grosser, gemischt genutzter Wohnanlagen vorangetrieben. Von Philippe Chopard
Quelle: Jean-A. Luque
Der Bau der neuen Rolex-Manufaktur an der A12 steht sinnbildlich für das dynamische Wachstum der Region Bulle. Das Projekt umfasst Investitionen von über einer Milliarde Franken.
Das Jahr 2026 steht im Freiburger Bauwesen ganz im Zeichen
der Kultur. Mit der Sanierung mehrerer Museen in Freiburg und Bulle sowie dem
Bau des Schweizer Schokoladenzentrums in Broc verfolgt der Kanton eine
ambitionierte Strategie zur Aufwertung seines Kulturerbes. Mehrere dieser
Vorhaben nähern sich nun ihrer Vollendung. Zu den bedeutendsten zählt die
vollständig modernisierte Kantonsbibliothek, die Ende Sommer wiedereröffnet
werden soll. Grosse öffentliche Bauvorhaben benötigen im Kanton Freiburg oft
einen langen Atem. So wurde die Sanierung der Kantons- und
Universitätsbibliothek von Kostenüberschreitungen überschattet.
Auch der Umzug des Naturhistorischen Museums in die
ehemaligen Zeughäuser der Kantonshauptstadt verlief nicht ohne
Herausforderungen. Die Volksabstimmung gab Anlass zu heftigen Diskussionen.
Dennoch erhielten Kanton und Stadt grünes Licht für den Baubeginn. Auch das
Projekt des Schweizer Schokoladenparks in Broc stiess auf ein lebhaftes Echo
und führte zu einer Überarbeitung des architektonischen Konzepts vor der
öffentlichen Auflage in diesem Frühjahr. Kultur und Architektur verbinden sich
dort zu einem touristischen Anziehungspunkt von nationaler Ausstrahlung. Das
dort entstehende Hotel wird sogar über eine Seilbahn mit dem Kulturzentrum
verbunden sein.
Auch im Kanton Jura steht die Kultur im Mittelpunkt,
insbesondere in der Stadt Porrentruy. Beim Bau der A16 in der Ajoie wurden
bedeutende Dinosaurierfunde aus dem Mesozoikum entdeckt. Dieses
aussergewöhnliche Erbe wird nicht nur an den Ausgrabungsstätten sichtbar,
sondern auch im Museum Jurassica, das derzeit rund um eine historische Villa
erweitert wird. Die Bauarbeiten sollen bis nächstes Jahr abgeschlossen sein und
dazu beitragen, die wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung dieser Funde
noch stärker sichtbar zu machen.
Öffentliche Investitionen prägen Baugeschehen
Der Kanton Neuenburg zeichnet sich durch andere Schwerpunkte
aus: Bildung und Forschung rücken ans Seeufer. Mit dem Baubeginn des neuen
Universitätsgebäudes «Univers» für die Geisteswissenschaften erhält ein Areal
am Seeufer eine neue Bestimmung. Über sechs Jahrzehnte stand dort eine
ursprünglich als Provisorium errichtete Sporthalle, die vor rund zehn Jahren
verschwand. Der Neubau nimmt architektonisch Bezug auf den benachbarten
Fakultätssitz aus den frühen 1980er-Jahren und stärkt den universitären Charakter
des Standorts.
Im oberen Kantonsteil dominieren die Infrastrukturbauten. Im Fokus stehen die Ostumfahrung von La Chaux-de-Fonds, die bereits im Bau ist, sowie die Umfahrung von Le Locle. Dort soll mit dem Tunnelvortrieb zwischen Le Crêt-du-Locle und dem Col-des-Roches noch in diesem Jahr eine Schlüsselphase beginnen. Trotz beträchtlicher Verzögerungen wird das Projekt von der Bevölkerung sehnsüchtig erwartet, da es die Stadt vom dichten Grenzpendlerverkehr entlasten soll. Gleichzeitig setzt der Kanton verstärkt auf Energieinfrastrukturen. Das Energieunternehmen Viteos, das den drei Neuenburger Städten gehört, baut in La Chaux-de-Fonds einen neuen Hauptsitz und plant östlich der Stadt ein neues Gaskraftwerk.
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