Fleet Services Agreement: Baumaschinen flexibel mieten
Steht die Baumaschine still, entfallen keine Kosten für den Nutzer. Wie das funktioniert, wissen der Baumaschinenhersteller Caterpillar und der Händler Avesco in der Schweiz, sie bieten seit geraumer Zeit ein Fleet Services Agreement an.
Quelle: Avesco AG
Der Maschinenpark der Hodel AG: Das Baarer Unternehmen nutzt als erstes schweizweit das neue Vertragsmodell.
Die Gebrüder Hodel AG in Baar ZG macht den Anfang: Das 1946 gegründete Bauunternehmen ist das erste in der Schweiz, das mit dem Baumaschinenhersteller Caterpillar/Avesco ein Fleet Services Agreement (FSA) abgeschlossen hat. Die Baufirma mit rund 200 Angestellten ist sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau ein etablierter Akteur der Branche. Der Maschinenpark des Unternehmens umfasst rund 60 Maschinen, meist Kompaktgeräte wie Minibagger und Raddumper.
Letztes Frühjahr hat die Hodel AG mit Caterpillar das Agreement abgeschlossen. Der Clou: Der Vertrag umfasst 18 neue Cat Minibagger, 1 Occasion Mobilbagger, 1 Occasion Minibagger und 12 nagelneue Thwaites Raddumper. Der Clou: Das Unternehmen bezahlt für die Benutzung all dieser Maschinen nur dann, wenn diese auch tatsächlich im Einsatz sind. Das hat den Kunden überzeugt, wie André Mettler, Vorsitzender der Geschäftsleitung, ausführt: «Aus unternehmerischer Optik möchte ich nur dann für Kosten aufkommen, wenn eine Baumaschine tatsächlich arbeitet. Bei uns verteilen sich die Aufträge nicht gleichmässig übers Jahr, daher haben wir mit dem FSA die ideale Lösung.» Mit dem FSA kann die Firma nun sicherstellen, dass nur bei guter Auftragslage der Maschinenpark ausgelastet ist und damit Kosten anfallen.
Quelle: Avesco AG
Der Maschinenpark der Hodel AG umfasst rund 60 Maschinen, meist Kompaktgeräte wie hier Minibagger.
Austausch möglich
Im Rahmen des Agreements werden pro Maschine und Jahr Zielstunden vereinbart und eine voraussichtliche Vertragslaufzeit definiert. Der Vertrag endet, wenn die zuvor definierten Betriebsstunden erreicht sind. Caterpillar kümmert sich um Wartung und Reparatur und nimmt nach Ende der Vertragslaufzeit die Maschinen wieder zurück. FSA werden üblicherweise über mehrere Jahre abgeschlossen, wobei die Maschinen nach einigen Jahren durch Neumaschinen ersetzt werden können. Auch ist ein Austausch möglich, wenn sich der Bedarf des Unternehmens ändert.
Die Infos über den Betrieb der Maschinen werden vom jeweiligen Bordcomputer erfasst und sind sowohl für Hodel, als auch Caterpillar und Avesco zeitnah im «Avesco Equipment Management» und «Cat VisionLink» einsehbar. Hodel als Kunde erhält pro Monat und Maschine eine Rechnung über die geleisteten Arbeitsstunden, dazu ein Reporting weiterer Produktivitätskennzahlen wie Leerlaufzeit und Kraftstoffverbrauch. Ebenfalls monatlich sitzen der Kunde und ein Caterpillar-Spezialist zusammen, um anhand dieser Produktivitätskennzahlen rasch allfällige Ineffizienzen in Maschinenpark und -nutzung zu erkennen und zu beseitigen.
Quelle: Avesco AG
Zum Maschinenpark gehören auch diese zwölf nagelneuen Thwaites Raddumper.
Kapitalbindung entfällt
Die Vorteile für die Baufirma liegen auf der Hand: Es entfällt die Kapitalbindung durch einen fixen Kauf. Stillstehende Maschinen verursachen keine Kosten, da nur die tatsächliche Nutzung der Maschinen in Rechnung gestellt wird, Und da keine Maschinen fix gekauft werden, kann das Unternehmen so auch seinen Maschinenpark auf aktuellem Stand halten. Nebst diesen Argumenten führt Mettler zwei weitere wichtige Punkte an: «Wir akquirieren Aufträge, weil wir sie für sinnvoll halten und nicht, um den Maschinenpark auszulasten.» Das stärkt insgesamt die Rentabilität. Daneben hilft ein moderner Maschinenpark, um sich bei der Rekrutierung von Fachkräften als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.
Eine entscheidende Voraussetzung für diese neue Vertragsform ist Vertrauen, idealerweise durch eine bereits bestehende Zusammenarbeit geschaffen. Bei der Firma Hodel besteht die Kooperation seit sechs Jahren, im Rahmen eines Vollservicevertrags. Sascha Fuchs von Caterpillar Job Site Solutions erklärt, wie sich die Abläufe in dieser neuen Vertragsform gestalten: «Das Fleet Services Agreement ist jeweils kundenspezifisch und richtet sich nach den Bedürfnisse des Kunden hinsichtlich Art und Einsatz der benötigten Maschinen, sowie der vom Kunden gewünschten Vertragslaufzeit in Betriebsstunden.» Erst nach dieser Bedarfsabklärung werden die Maschinen entsprechend bestellt.
Quelle: Avesco AG
Als zweiter Schweizer Kunde konnte die Bündner Martinelli AG für das FSA gewonnen werden.
Anstoss von Kundenseite
Gemäss Fuchs kam der Anstoss von Kundenseite: «Wir von Caterpillar und Avesco erfüllen mit dem Angebot einen Kundenwunsch». Deshalb wurde nun auch in der Schweiz das FSA eingeführt, das es schon seit einigen Jahren in anderen europäischen Ländern und Nordamerika gibt. «Es ist also für uns unter anderem ein Element der Kundenbindung und ein Vertragsmodell, das ausdrücklich nachgefragt wurde: Einige unserer Kunden wollten eine flexiblere Lösung als das starre, traditionelle Leasing, bei gleichzeitiger Vorhersehbarkeit der Kosten.»
Wie hat sich nun mit dem neuen Vertragsmodell der Maschinenpark des Unternehmens verändert? André Mettler: «Die Bedarfsabklärung hat ergeben, dass wir einzelne Maschinen nicht brauchen und dafür besser geeignete Maschinen einsetzen können. Insgesamt haben wir knapp fünf Prozent weniger Maschinen.» Das System mit den Abrechnungen funktioniert gemäss dem GL-Vorsitzenden nach in paar Anfangsschwierigkeiten einwandfrei, wiewohl noch immer Optimierungen am neuen System vorgenommen werden. Finanziell erwartet die Firma einen tieferen Cash-Out von etwa acht Prozent. «Wesentlich wichtiger für uns ist jedoch der Effizienzgewinn dadurch, dass wir immer das passende Gerät auf der Baustelle und damit genau kalkulierbare Kosten».
Quelle: Avesco AG
Bei der Martinelli AG, die im Engadin ihren Sitz hat, stehen die Maschinen im Winter witterungsbedingt rund vier Monate still, kosten dabei nun aber nichts mehr.
Pay-per-use im Winter ideal
Seit diesem Jahr ist mit der Bündner D. Martinelli AG ein zweiter FSA-Kunde dazugekommen. Das 1911 gegründete Unternehmen hat rund 100 Mitarbeitende und betreibt seinerseits eine kleine Mietflotte an Raupenbaggern, Mobilbaggern, Minibaggern und Raddumper der Marke Thwaites. Dabei arbeitet auch dieses Bauunternehmen schon seit Jahren mit Caterpillar zusammen. Maurizio Pirola, Inhaber und CEO der Firma, erklärt: «Unsere Maschinen generieren im Winter während gut vier Monaten kaum Betriebsstunden. Deshalb ist das Prinzip Pay-per-use genau richtig für uns.»
Bislang beschaffte das Unternehmen Geräte per Kauf oder klassischen Leasingmodellen. «Damit mussten wir aber die Maschinen auch dann bezahlen, wenn sie nicht ausgelastet waren. Das ist jetzt anders. Gleichzeitig bekommen wir Maschinen, die auf dem neusten technischen Stand sind und können auch genügend Maschinen vorhalten, um interessante Projekte anzunehmen.» Einen weiteren Vorteil sieht Pirola für seine Mitarbeitenden: «Unsere Maschinisten wissen auch, dass Betriebsdaten erfasst werden und dass uns dies helfen kann, die Bedienung der Maschinen immer weiter zu verbessern, auch wenn wir diesbezüglich schon auf einem äusserst hohen Niveau arbeiten.»
Was ist ein Fleet Services Agreement?
Ein Fleet Services Agreement (deutsch etwa: Dienstleistungsvereinbarung für Maschinenparks) ist ein Vertrag zwischen einer Baufirma, die einen solchen Maschinenpark nutzt, und einem Händler oder Dienstleister, der Management, Wartung und Reparatur dieser Maschinen übernimmt. Die Baufirma kann so ihre Betriebskosten optimieren, Ausfallzeiten minimieren und alle Abläufe von Management und Unterhalt bündeln. Das Vertragsmodell stammt aus dem angelsächsischen Raum (USA, Grossbritannien), wo es zuerst für Bergbauunternehmen eingeführt wurde. (bk)