Erneuerbare Energien: Die Schweiz liegt bei der Wasserkraft vorn
Die Solarenergie holt auf, die Windkraft bleibt Sorgenkind. Dies geht aus einer neuen Studie der Schweizerischen Energie-Stiftung hervor. Sie zeigt, in welchen Bereichen die Energiewende vorankommt und wo die Schweiz im EU-Vergleich hinterherhinkt.
Quelle: David Cerini, Unsplash
In der Schweiz in den Bergen beinahe allgegenwärtig: Stauseen. Im Bild: Der Zervreila-Stausee.
Die Schweiz hat bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im europäischen Vergleich gut abgeschnitten: Im Vergleich der pro-Kopf-Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen belegte die Schweiz im Jahr 2025 den fünften Platz unter 28 Ländern, wie die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) am Freitag in einer Studie mitteilte. Vor der Schweiz rangieren Schweden, Finnland, Österreich und Dänemark.
Dabei
punktet die Schweiz vor allem mit der Nutzung der Wasserkraft. Bei der
Solarenergie liegt sie im vorderen Mittelfeld, bei der Windkraft jedoch
weit zurück. Nur nordische Länder und Österreich hätten im
Vergleich
besser abgeschnitten. Zur guten Platzierung hat laut Energiestiftung
die methodische Erweiterung der Studie geführt- neu würde die gesamte
erneuerbare Stromproduktion berücksichtigt. So habe vor allem der
historische Ausbau der Wasserkraft zu dem Resultat geführt.
Erstmals ist auch die Produktion pro Landesfläche verglichen worden: Hier schaffte es die Schweiz sogar aufs Podest und belegte hinter den Niederlanden und Malta den dritten Platz. Laut den Studienautoren lässt sich dies auf die Wasserkraft und die flächeneffiziente Nutzung von Dächern für Solaranlagen zurückführen. Auch der Anteil der erneuerbaren Stromproduktion am Landesstromverbrauch war mit 70,8 Prozent hoch, was Platz fünf im europäischen Vergleich bedeutete.
Knapp die Hälfte der EU-Mitgliedsländer deckt ihren Stromverbrauch zu über der Hälfte aus erneuerbaren Quellen, wie der Länder-Vergleich zeigte. Spitzenreiter Schweden deckte bereits über 92 Prozent seines Verbrauchs aus erneuerbaren Quellen.
Fortschritte bei Solarenergie, bei der Windkraft rangiert die Schweiz auf dem viertletzten Platz
Die hiesige Solarstromproduktion ist allein in den letzten fünf Jahren um fast 1000 Gigawattstunden pro Jahr gestiegen. Im Vergleich zu 2024 konnte die Schweiz letztes Jahr einen Platz gutmachen und erreichte mit 878 Kilowattstunden pro Kopf Rang zehn. Damit liegt sie im vorderen Mittelfeld. Spitzenreiter sind die Niederlande mit einer Pro-Kopf-Produktion von 1579 Kilowattstunden.
Vor der Schweiz liegen zudem Deutschland und Belgien. Zusammen mit den Niederlanden produzierten beide Länder pro Kopf mehr Strom aus Sonnenenergie.
Ein anderes Bild zeigte sich bei der Windenergie. Hier lag die Schweiz mit einer Pro-Kopf-Produktion von 18 Kilowattstunden wie im Vorjahr auf Platz 25 von 28 Rängen. Nur Slowenien, Malta und die Slowakei produzierten noch weniger Windstrom. Die Spitzenreiter Finnland, Schweden und Dänemark erzeugten 2025 pro Kopf fast 180-mal mehr Strom aus Wind als die Schweiz. Finnland führte die Rangliste mit 4006 Kilowattstunden pro Kopf an.
Schliesslich verglich die Studie
den Grad der Elektrifizierung, also den Anteil des Stroms am gesamten
Endenergieverbrauch. Hierfür wurden Daten aus dem Jahr 2024 verwendet.
Die Schweiz wies einen
Elektrifizierungsgrad von 26,7 Prozent auf und erreichte damit den siebten Rang.
Energiewende ist laut Studie in der Schweiz auf Kurs
"Es geht vorwärts", bilanzierte Léonore Hälg, Leiterin des Fachbereichs für Erneuerbare Energien, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber sie sieht auch Verbesserungspotenzial - beides seien positive Nachrichten, so Hälg.
Die Energiewende kommt in der
Schweiz im Vergleich zu Europa voran. Wasserkraft, Solarenergie und
Elektrifizierung bilden dafür eine gute Basis, wie es in der Studie hiess. Gleichzeitig gebe es
grossen Handlungsbedarf auf allen Ebenen, insbesondere bei der Windenergie, um die Energieversorgung vollständig zu dekarbonisieren. "Damit die Schweizer Stromversorgung unabhängig von geopolitischen Entwicklungen wird." Nyima Sonam (Keystone-SDA)