14:02 BAUBRANCHE

Brienz: Kleine Rutschung oberhalb vom Dorf nicht im Zusammenhang mit Stollen

Teaserbild-Quelle: Clemenspool, eigenes Werk, CC0

Auf dem Schuttkegel oberhalb des Bündner Dorfes Brienz ist es zu einer kleinen Rutschung gekommen. Solche sekundären Rutschungen sind gemäss einem Geologen normal und haben keinen Zusammenhang mit der Entwässerung des Gebiets durch den Stollen, der bis Mitte 2027 fertig gebaut sein soll.

Bergsturz bei Brienz/Brienzauls

Quelle: Clemenspool, eigenes Werk, CC0

Brienz/Brinzauls mit dem Schuttkegel des Bergsturzes von 2023: Das Dorf befindet sich auf einer Terrasse, die wie die Hänge oberhalb des kleinen Ortes in Bewegung ist.

Wie die Gemeinde Albula am Freitag in ihrem neusten Bulletin zum Brienzer Rutsch berichtete, ist in einem Bereich des Schuttkegels eine dunkle Verfärbung sichtbar geworden. An dieser Stelle sei etwas Schutt an der Oberfläche abgerutscht.

Bei dieser sogenannten sekundären Rutschung besteht laut dem im Bulletin zitierten Geologen und Co-Leiter des Frühwarndienstes Reto Thöny kein - wie teilweise von Einwohnerinnen und Einwohnern befürchtet - Zusammenhang zum Entwässerungsstollen: "Nein, es hat sich kein Krater gebildet", sagt er,. Die dunkle Verfärbung komme daher, dass an einer besonders steilen Stelle etwas Schutt an der Oberfläche abgerutscht sei, und eine dunklere Schicht darunter freigelegt habe. Solche kleineren, sekundären Rutschungen sind gemäss dem Fachmann auf einem Schuttkegel normal.

Rutschung des Dorfs Brienz erreichte historische Tiefstwerte

Im Dorf Brienz zeigen einige Messpunkte seit März keine Bewegung mehr. Die Rutschung des Dorfes hat historische Tiefstwerte erreicht. Heute bewegt es sich um weniger als fünf Zentimeter pro Jahr. Im Herbst vor zwei Jahren hatte die Geschwindigkeit noch 2,5 Meter pro Jahr betragen. Der Grund für die Verlangsamung des Berges und des Dorfes befindet sich unter der Erde, im Entwässerungsstollen. Seit April 2024 läuft der Bau des Stollens, der das Wasser dem Untergrund entziehen und es in den Fluss Albula leiten soll. Bisher wurden etwa ein Drittel der Drainagebohrungen durchgeführt. Der Tunnel, der rund 40 Millionen Franken kostet, soll Mitte 2027 fertiggestellt sein. 

Seit fast vier Monaten leben wieder 49 Personen in dem kleinen Bergdorf, das zur Gemeinde Albula gehört. Seine ehemals rund 80 Einwohnerinnen und Einwohner waren seit November 2024 zum zweiten Mal evakuiert worden. Am 15. Juni 2023 hatte ein Schuttstrom beinahe das Dorf unter sich begraben. 1,7 Millionen Kubikmeter Material wälzten sich den Hang hinunter und kamen erst kurz vor dem Dorfrand zum Stehen. Rund einen Monat zuvor war Brienz erstmals evakuiert worden.

Im November 2025 hatten sich absturzgefährdete Gesteinsmassen zu einer Schuttmasse zerlegt. Von einem grossen und schnellen Fels- oder gar Bergsturz war das Dorf danach nicht mehr bedroht. Im Januar 2026 wurde die Evakuierung aufgehoben. (sda/mai)



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