12:06 BAUBRANCHE

Bauregion Solothurn und Aargau: Der Wirtschaftsmotor stottert leicht

Teaserbild-Quelle: Stefan Gyr

Im Solothurn beschert der Strukturwandel der Industrie hohe Umsätze im Baugewerbe. Auch der Kanton Aargau, der als Industriestandort gilt, ist für die Schweizer Wirtschaft eine verlässliche Stütze. Dennoch gibt es in beiden Kantonen Anlass zur Sorge, da viele Wohnungen leerstehen.

Nach wie vor boomt der Wohnungsbau in der Region Lenzburg. Auch die Nähe zu Zürich und Aarau macht den Ort zu einer bevorzugten Wohngegend. Allerdings erhöhte sich bei Einfamilienhäusern die Leerstandsquote.

Quelle: Stefan Gyr

Nach wie vor boomt der Wohnungsbau in der Region Lenzburg. Auch die Nähe zu Zürich und Aarau macht den Ort zu einer bevorzugten Wohngegend. Allerdings erhöhte sich bei Einfamilienhäusern die Leerstandsquote.

Solothurn:

Das Solothurner Baugewerbe konnte 2016 hohe Umsätze erwirtschaften. Wachstums­impulse gingen dabei vor allem von Grossprojekten aus. Mit der Neuansiedlung des international tätigen Pharmakonzerns Biogen ist der Solothurner Standortför­derung zudem ein grosser Schritt bei der industriellen Neuausrichtung des Kantons gelungen. «Der wirtschaftliche Strukturwandel geht klar in Richtung von Branchen mit einer hohen Wertschöpfung.» Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Credit Suisse. Während zwischen 2011 und 2013 noch Stellen verloren gegangen seien, werde die Life-Science-Industrie zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Von einem überdurchschnittlich hohem Wachstumspotenzial im Life-Science könnten von den sechs in der Studie untersuchten Regionen am Jurasüdfuss vor allem die Wirtschaftsräume Solothurn und Grenchen profitieren. Hier arbeiten bereits 35 Prozent der Angestellten aller in der Studie betrachteten Regionen.

«Mittelfristig vorwiegend positiv» beurteilt werden die Aussichten der Uhrenindustrie, die allerdings seit Jahren unter der weltweit schwächelnden Nachfrage leidet. Teile der Solothurner Wirtschaft haben laut der Solothurner Handelskammer den Frankenschock mittlerweile überstanden. Dennoch gingen 2016 die Warenausfuhren von Solothurn um 0,9 Prozent zurück, wie die Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigt. Schweizweit resultierte dagegen ein Plus von 3,8 Prozent. Wieder etwas mehr verkauft wurden Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie (+1 %). 2016 waren die Exporte der Solothurner Maschinenindustrie rückläufig. So wurden aus dem Ausland 9 Prozent weniger Maschinen, Apparate und Elektronik bestellt.Der Strukturwandel geht nur langsam voran. Nach wie vor hat der zweite Sektor im Kanton Solothurn grosses Gewicht. Knapp 29 Prozent der Arbeitsplätze werden der Industrie zugeordnet. Schweizweit sind es 22 Prozent.

Aargau:

Der Kanton Aargau zählt für Unternehmen nach wie vor zu den bevorzugten Standorten. Das Steuersystem ist unternehmerfreundlich. Und mit Baden verfügt der Kanton über den viertwichtigsten Industrie-Cluster der Schweiz. Doch der Aderlass von Arbeitsplätzen bei General Electric (GE) im Gefolge der Alstom-Übernahme drückte letztes Jahr auf die Stimmung.Das reale Wachstum des Bruttoinlandprodukts des Kantons lag im Jahr 2016 bei 1,7 Prozent. Es fiel damit um 0,2 Prozentpunkte besser aus als budgetiert. Das Wirtschaftswachstum befand sich zudem um 0,2 Prozentpunkte über dem Schweizer Durchschnitt. Der Kanton profitierte dabei auch vom Schwung der deutschen Konjunktur, dem bei Weitem wichtigsten Handelspartner der Schweiz. Entsprechend erreichte der Kanton Aargau im Januar 2017 eine Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent, schweizweit lag diese bei 3,7 Prozent.

Bei einem Vergleich der Kantone zur Standortattraktivität ist der Aargau allerdings vom zweiten Rang auf den fünften Platz zurückgefallen, wie eine Studie der Credit Suisse zeigt. Die Kantone Basel und Schwyz konnten im Ranking dagegen zulegen. Als Grund nennt die Vergleichsstudie insbesondere auch die Verkehrssituation. Staus auf Strasse und Schiene zeitigten zusehends negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Kantons, der aufgrund seines guten Strassennetzes nicht umsonst auch Autobahnkanton genannt wird. Die gute Erreichbarkeit und die zentrale Lage sind denn auch Gründe, warum der Kanton zwischen 2008 und 2016 einen Nettozuwachs bei der Ansiedlung von Unternehmen verbuchen konnte. 333 Firmen des Bau- und Dienstleistungssektors, aber auch Technologieunternehmen haben sich in dieser Zeit zusätzlich im Kanton nierdergelassen, wie die Analyse des Wirtschaftsinformationsdienstes Crfi zeigt. Als Gründe werden die im Vergleich zu anderen Kantonen tieferen Büromieten genannt und die Verfügbarkeit von Industrieland für Produktions-flächen. Der Park «Innovaare» beim Paul-Scherrer-Institut (PSI), der Technopark und das Hightech Zentrum bieten zudem Wissen und Unterstützung für den Technologietransfer von der Grundlagenforschung in die praktische Anwendung.

Den ausführlichen Bericht lesen Sie im Baublatt 26 vom 30. Juni 2017.

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