Bauregion Luzern: Wachstumsschmerzen am Vierwaldstättersee
Der Kanton Luzern wächst, vor allem in der Agglomeration um seine Hauptstadt. Der zunehmend knappe und teure Wohnraum ruft die örtliche Politik auf den Plan. In Sachen erneuerbare Energie schreitet der Kanton voran.
Quelle: Cedric Letsch/Unsplash
Der See vor der Haustür und die Berge in Griffweite – auch diese Kombi macht Luzern so attraktiv. Doch der knappe Wohnraum bereitet vielen in der Stadt und ihrer Agglomeration Sorgen.
Die Bevölkerung im Kanton Luzern wächst und wächst. Gemäss den aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik (per 31.12.2024) lebten 438 000 Personen im grössten Zentralschweizer Kanton. Innert Jahresfrist betrug die Zunahme 1,2 Prozent und lag damit über dem landesweiten Durchschnitt (+1,0 %). Laut einem Referenzszenario des BFS dürfte das Tempo bis 2055 ungebremst anhalten. Das Luzerner Statistikamt Lustat schreibt von 30 Prozent Bevölkerungswachstum in diesem Zeitraum. Trifft die Prognose ein, so entspräche das der Luzerner Entwicklung der vergangenen 30 Jahre – und wäre über doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt.
Die bisherige Zunahme spiegelt sich nicht zuletzt in der kantonalen Leerwohnungsziffer wider. Von 2021 bis 2025 sank diese von 1,23 auf 0,78 Prozent. Laut der «Luzerner Zeitung», die sich auf Daten des Beratungsunternehmens Wüest Partner stützt, stiegen die Angebotsmieten namentlich in der Kantonshauptstadt deutlich. 2025 lagen die Mietzinse der inserierten Wohnungen im Stadtluzerner Durchschnitt demnach um 15 Prozent höher als 2015. Dem Zeitungsbericht zufolge häuften sich zuletzt Fälle von Totalsanierungen grosser Liegenschaften in der Leuchtenstadt. Nach dem Abschluss der Arbeiten könnten sich langjährige Mieterinnen und Mieter die Wohnungen nicht mehr leisten.
Für günstigen Wohnraum einzonen
Die städtische SP und die Grünen reichten bereits 2024 Initiativen zum Thema ein. Nun hat die Stadtregierung Gegenvorschläge vorgelegt. Diese sehen unter anderem ein Vorkaufsrecht sowie Erwerb und Vermietung von Wohnungen durch die Stadt vor. Ausserdem schlägt die Exekutive die Gründung einer Stiftung sowie die Vergabe von städtischen Darlehen an gemeinnützige Wohnbauträger vor.
Quelle: Visualisierung: Indievisual / Bischof Föhn Architektur
Schafft Raum für 25 zusätzliche Wohnungen: das Erneuerungs- und Ausbauvorhaben der Siedlung Am Rain der Luzerner Wohngenossenschaft Geissenstein EBG in der Visualisierung.
Zusätzlich hat der Luzerner Stadtrat dem Parlament beantragt,
die Stadt per 1. Januar 2027 dem kantonalen Gesetz über den Erhalt von Wohnraum
(WEG) zu unterstellen. Stimmt des Stadtparlament zu, dürfte bestehender Wohnraum
während acht Jahren nur mit einer zusätzlichen Bewilligung des Stadtrats
umgebaut, abgerissen oder seinem Zweck entzogen werden. Sind nach einem Um-
oder Neubau Mietzinserhöhungen unter 20 Prozent geplant, entfiele diese
Bewilligungspflicht und bliebe es bei einer entsprechenden Vorprüfung.
Quelle: Philippo Bolognese
Wohnraum für 400 Menschen in einem durchmischten Quartier sieht das Grossprojekt auf dem EWL-Areal am südlichen Ende des Bahnhofs Luzern bis 2032 vor. Zuerst aber entstehen dort neue Bauten für das Versorgungsunternehmen EWL sowie diverse Abteilungen der Stadtverwaltung.
Im benachbarten Kriens ist ebenfalls eine Wohnraum-Initiative
hängig. Sie zielt just auf die WEG-Unterstellung der Stadt ab. Die Abstimmungstermine
zu den Vorstössen in beiden Städten sind noch offen. Das gilt auch für die
kantonale Wohnraum-Initiative der SP. Für den kommenden Sommer plant der
Regierungsrat indes, dem Parlament den kantonalen Richtplan vorzulegen. Seit
2020 läuft dessen Totalrevision. Während der öffentlichen Auflage erläuterte
Kantonsplaner Cüneyd Inan der «Luzerner Zeitung» einzelne Punkte, welche das Bauen
vereinfachen sollen. Unter anderem könne neues Bauland eingezont werden, wenn
die Bauträger sich verpflichteten, darauf dauerhaft preisgünstigen Wohnraum zu
schaffen.

* Stand per 31.12.2023 bzw. 31.12.2024; Quelle: BFS
Kanton investiert in Strassen
Finanziell steht der Kanton gut da. Gemäss einer Prognose erwartet
der Regierungsrat in der Staatsrechnung 2025 einen Ertrags-Überschuss von 245
Millionen Franken. Es wäre der achte in Folge. Für 2026 verabschiedete der Kantonsrat
den Voranschlag für den 5-Milliarden-Haushalt mit einer schwarzen Null. Dabei
sind hohe Investitionen geplant: In einer Mitteilung zum Aufgaben- und
Finanzplan kündigte der Regierungsrat für 2026 bis 2029 Nettoinvestitionen von
je 300 bis 380 Millionen Franken an. Namentlich beim Strassenbau bestehe hoher
Investitionsbedarf.
Quelle: Akshay Madivanan/Unsplash
So leer wie hier am Schweizerhofquai sind Luzerns Strassen selten. Der Kanton plant in den nächsten Jahren grosse Investitionen in die Strasseninfrastruktur.
Bei den Gemeindefinanzen zeigt sich ein gemischtes Bild. 2024 entfielen alleine auf die Städte Luzern, Kriens und Emmen vier Fünftel des kulminierten Ertragsüberschusses aller 79 Gemeinden im Kanton. Mit 295,2 Millionen Franken erreichte dieser einen neuen Rekordwert. Doch die Zahl der Gemeinden mit einem Verlust in der Rechnung wuchs innerhalb eines Jahres von 14 auf 23. «Einzelne Gemeinden werden ihre Aufgaben und Finanzpläne sehr genau anschauen müssen», warnte Daniel Bammert vom Verband der Luzerner Gemeinden gegenüber der «Luzerner Zeitung».
Von Wärme und Wind
Bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes erreichte der Kanton Luzern eine beachtliche Wegmarke: Gemäss Lustat lösten Wärmepumpen im Jahr 2024 erstmals Heizöl als Energiequelle Nummer eins in Wohngebäuden ab. Gesamthaft werden lediglich noch 41,4 Prozent aller Luzerner Wohngebäude mit fossiler Energie beheizt. Der Landesschnitt beträgt 52,2 Prozent. Um im Jahr 2050 ganz ohne fossile Brennstoffe auszukommen, möchte der Regierungsrat das kantonale Energiegesetz verschärfen. Der Gesetzesentwurf beinhaltet unter anderem ein Verbot fossiler Heizungen für Neubauten sowie strengere Anforderungen beim Ersatz bestehender Anlagen.
Quelle: Roland Zumbuehl - Own work wikimedia CC BY-SA 4.0
Hoch über dem Dorf Entlebuch steht dieses Windrad auf dem Hügelkamm. Auch an anderen Orten ist das Potenzial für Windenergie vorhanden. Der Kanton möchte es verstärkt nutzen.
Auch im Bereich Windenergie will der Kanton eine Vorreiterrolle übernehmen. Kürzlich gab er Pläne für maximal fünf Windräder im Gebiet Hinterberg in der Gemeinde Schwarzenberg bekannt. Zusätzlichen Schub erhielt die Luzerner Windenergie ausgerechnet aus einem Nachbarkanton. Die Gemeindeversammlung in Beinwil AG sagte Nein zu einem Windpark auf dem Lindenberg. So kann dessen Betreiber auf der Luzerner Seite des Hügelzugs seine dortigen Pläne um ein zweites Windrad erweitern.
Millionen für neue Heime
Das Krienser Parlament stimmte derweil einem Konzessionsvertrag mit der Fernwärme Luzern AG zu. Die Tochter des Versorgungsunternehmens EWL plant Investitionen von 130 Millionen Franken für den Bau eines Wärmeverbunds.
Quelle: atelier ww Architekten SIA AG
Neubau für 70 Millionen Franken: So soll sich das Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld in Kriens dereinst präsentieren.
Einen Sonderkredit in Höhe von 85 Millionen Franken zur
Unterstützung der Krienser Pflegeheime AG nahm dagegen der lokale Souverän an. Die
Summe beinhaltet das mit 70 Millionen Franken veranschlagte Neubauprojekt des
Alters- und Pflegeheims Grossfeld sowie die Sanierung zweier weiterer Heime. In
Sursee erteilte das Stimmvolk Grünes Licht für den Sonderkredit über 45,8
Millionen Franken für den Ersatzneubau des Alterszentrums St. Martin. Ein Ja an
der Urne gab es schliesslich für den 19-Millionen-Kredit für ein
Schulhaus-Projekt in Rain.
Quelle: indievisual AG, Zürich
Neues Zuhause für Menschen am Lebensabend: der Neubau des Alterszentrums St. Martin in Sursee in einer Visualisierung.