Ausblick 2026: Belebung wider Erwarten
Die Wirtschaftsperspektiven für 2026 sind durchzogen. Aus der Weltwirtschaft kommen nur wenige Impulse, so dass der Exportsektor noch einigem Gegenwind ausgesetzt sein wird. Stützend wirkt erneut die Binnenwirtschaft, die von tiefen Zinsen und höheren Realeinkommen profitiert. Positive Akzente setzen dürfte auch der Industrie- und Gewerbebau, bei dem sich eine überraschende Belebung abzeichnet.
Quelle: zvg
Die Tonet AG verlagert ihren Hauptsitz nach Däniken. Im neuen Gebäude sollen auch Schulungen stattfinden für die Behandlung von Holzoberflächen mit unterschiedlichen Produkten.
Der Ausblick auf den Industrie- und Gewerbebau lässt für das Jahr 2026 nicht allzu viel erwarten. Dieses Segment der Bauwirtschaft ist eng mit den konjunkturellen Schwankungen verknüpft und diesbezüglich dominieren vielerorts noch die Abwärtsrisiken. Zu den durchzogenen Wirtschaftsperspektiven gesellen sich noch strukturelle Gegenwinde, weshalb Investoren in den vergangenen Jahren Zurückhaltung geübt haben – insbesondere bei Bürobauten und Verkaufsflächenprojekten. Doch das bevorstehende Jahr dürfte im Industrie- und Gewerbebau besser laufen als erwartet. Das tiefe Zinsniveau sowie aufgestaute Bauvorhaben sprechen für eine überdurchschnittliche Bauaktivität im kommenden Jahr, worauf eine markante Zunahme der baubewilligten Projekte hindeutet.
Wenig Impulse kommen von der Weltwirtschaft
Der amerikanische Zentralbankpräsident Jerome Powell sieht den amerikanischen Arbeitsmarkt in «in a curious kind of balance». In einem solchen merkwürdigen Gleichgewicht befindet sich auch die Weltwirtschaft. Weder droht eine globale Rezession, noch zeichnet sich ein breit abgestützter Wirtschaftsaufschwung ab. In vielen Regionen ist der Zinssenkungszyklus weit fortgeschritten oder bereits abgeschlossen, was grundsätzlich vorteilhafte Rahmenbedingungen schafft. Wenig Impulse kommen jedoch von China, das mit gravierenden Überkapazitäten und einer noch immer nicht bewältigten Immobilienkrise kämpft. Auch die Wachstumslokomotive USA verliert aufgrund der erratische Zollpolitik der US-Administration an Fahrt, überzeugt aber immer noch mit einem vergleichsweise hohen BIP-Wachstum. Dazwischen positioniert sich die Eurozone, wo von der erhofften Wachstumsbeschleunigung bisher noch wenig zu sehen ist. Die Hoffnungen ruhen auf dem geplanten Investitionsschub in Deutschland, doch die jüngsten Erwartungen fielen wenig euphorisch aus – nicht zuletzt wegen mangelnder Reformimpulsen der Regierungskoalition.
Die Schweizer Wirtschaft hebt nicht ab
Trotz der Einigung im Zollstreit wird der Schweizer Exportsektor nicht unmittelbar wieder durchstarten. Die zahlreichen vorgezogenen Exporte dürften eine Aufholjagd der Exporte nicht zulassen. Der Exportsektor ist zudem weiterhin erheblichem Gegenwind ausgesetzt und auch die verbleibenden Zölle von 15% sind eine Belastung. Das für 2026 erwartete moderate Wachstum wird deshalb hauptsächlich von der Binnenwirtschaft und dem Dienstleistungssektor getragen. Der private Konsum dürfte dank einer zwar rückläufigen aber immer noch stattlichen Zuwanderung sowie einem erneuten Reallohnplus von schätzungsweise 0,8% (nach hohen 1,4% im laufenden Jahr) robust bleiben.
Quelle: Infopro Digital Schweiz GmbH, Raiffeisen Economic Research
Neubauvolumen der Segmente Büro, Verkauf, Gewerbe, Gastronomie und Hotel; 4-Quartalssummen in CHF Mio.
Von der steigenden Kaufkraft profitiert das binnenorientierte Gewerbe, das aktuell mehrheitlich von einem guten Geschäftsgang berichtet. Risiken für den Ausblick sind Aufwertungsschübe beim Schweizer Franken aufgrund geopolitischer Verwerfungen oder eines plötzlichen Stimmungsumschwungs an den Finanzmärkten hinsichtlich der ungebremsten Verschuldung vieler Industrieländer. Sorgen bereitet zudem der schleichende Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Schweiz. Bisher hat diese Entwicklung, die erst gegen Ende 2026 in eine Stabilisierung münden dürfte, nur die Jobsicherheit der Haushalte geschmälert, aber noch nicht auf den Konsum durchgeschlagen.
Unerwartete Belebung im Gewerbebau
Trotz fehlender konjunktureller Impulse und entgegen den Erwartungen signalisiert das Volumen der bewilligten Neubausummen im Industrie- und Gewerbesektor ein deutliches Umsatzplus für 2026. Die Rückkehr der Zinsen zu ausgesprochen tiefen Werten und die Beruhigung der Baukostenteuerung scheinen etliche Bauherren dazu bewogen zu haben, auch aufgeschobenen Bauvorhaben nun auszulösen. Dazu zählen auch Wohnbauten, die im Erdgeschoss gewerbliche Nutzungen vorschreiben. Zum klar überdurchschnittlichen Volumen an bewilligten Bauvorhaben trägt der Gastgewerbesektor kräftig bei. Im Hotelsektor zeichnen sich – beflügelt von den rekordhohen Logiernächtezahlen – ein Neubauvolumen ab, das seit mindestens einer Dekade nicht mehr zu sehen war. Flankiert wird diese Entwicklung auch von einer überdurchschnittlichen Bausumme an bewilligten Gastronomieflächen. Im Segment der Verkaufs- und Büroflächen, die sich starkem strukturellem Gegenwind ausgesetzt sehen, erreichen die bewilligten Bauvolumen immerhin die Niveaus der langfristigen Durchschnittswerte, während der Industrie- und Gewerbebau von einer Kumulierung grösserer Bauvorhaben profitieren dürfte. Mit Blick auf die Baugesuche muss bei der Nachhaltigkeit dieser Belebung im Gewerbe- und Industriebau zwar noch ein Fragezeichen gemacht werden, doch das kommende Jahr verspricht das aktuelle klar zu übertreffen.